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Die Bedeutung von Soja als Futtermittel

Soja ist die eine der bedeutendsten Eiweißquelle in der Fütterung von Geflügel und Schweinen, doch Europa kann den Bedarf bei Weitem nicht selbst decken: Die EU baut nur rund acht Prozent des benötigten Sojas an. Warum Soja als Futtermittel so begehrt ist, wie aus der Bohne Tierfutter wird und welche Alternativen es gibt, erfährst du hier.

Blick von oben auf einen Traktor, der Soja durch ein Rohr in einen grünen Anhänger auf einem Feld lädt. Blick von oben auf einen Traktor, der Soja durch ein Rohr in einen grünen Anhänger auf einem Feld lädt.

Welche Rolle spielt Soja in der Nutztierfütterung?

Soja spielt in der Nutztierfütterung seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle. Die Produktion von Sojabohnen steigt kontinuierlich, was vor allem mit der Intensivierung der Nutztierhaltung, insbesondere bei Geflügel und Schweinen, zusammenhängt.

Gleichzeitig bietet Soja im Vergleich zu vielen anderen Eiweißquellen ein günstiges Preis-Nährstoff-Verhältnis: Die notwendige Nährstoffzusammensetzung ist also günstiger zu bekommen als mit anderen Pflanzen. Der Großteil der weltweit erzeugten Sojabohnen wird heute in Brasilien, den Vereinigten Staaten und Argentinien angebaut. Da die Anbaukapazitäten in Europa begrenzt sind, ist die europäische Landwirtschaft in hohem Maß auf Sojaimporte angewiesen.1,2

Die Auswirkungen des Sojaanbaus auf tropische und subtropische Ökosysteme wird zunehmend diskutiert und das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsfragen wächst. Mehr dazu kannst du im Artikel „Soja-Anbau: Welche klimatischen und ökologischen Auswirkungen sind möglich?“ nachlesen.

Dennoch bleibt Soja die wichtigste Proteinquelle in der Nutztierfütterung. Dazu beigetragen hat auch die sogenannte „BSE-Krise“. Darunter versteht man das gehäufte Auftreten der umgangssprachlich auch als „Rinderwahn“ bezeichneten Tierseuche in den Neunzigerjahren, die auch auf den Menschen übertragbar ist und in der Regel tödlich endet. Seit 2001 ist die Verfütterung vieler tierischer Proteinquellen wie Tier- und Fischmehle deshalb in der Europäischen Union verboten oder deutlich eingeschränkt, wodurch pflanzliche Proteinquellen zusätzlich an Bedeutung gewonnen haben.3,4

In welchen Formen wird Soja verfüttert?

Sojabohnen können zur Gewinnung von Öl angebaut werden. Die Nachfrage nach Sojabohnenöl steigt seit Jahren, sowohl für den menschlichen Verzehr als auch für industrielle Anwendungen und die Herstellung von Biotreibstoffen.

Die wichtigere Rolle für den wachsenden Sojaanbau dürfte allerdings der steigende Fleischkonsum und die damit steigende Nachfrage nach Tierfutter spielen. Bei der Ölgewinnung entstehen zwei Hauptprodukte: Sojaöl und Sojaextraktionsschrot (im englischsprachigen Raum ist auch oft von „Sojabohnenmehl“ die Rede).5,6,7

Das anfallende Sojaextraktionsschrot beziehungsweise -mehl ist das mit Abstand wichtigste Produkt für die Tierfütterung. Es wird fast ausschließlich als Futtermittel genutzt, während nur ein Bruchteil in Lebensmitteln für Menschen Verwendung findet. Daneben werden in geringerem Umfang auch ganze Sojabohnen und Sojaöl an Nutztiere verfüttert.8,9

Das zunächst gewonnene rohe Sojabohnenöl muss vor der Verwendung noch weiter raffiniert werden. Dabei fallen verschiedene Nebenprodukte an, darunter Sojabohnenhülsen, Schleimstoffe und Sojalecithin. Auch diese können teilweise in Futtermitteln eingesetzt werden und können dazu beitragen, die Sojabohne möglichst vollständig zu verwerten.10

Was macht Soja so besonders für die Nutztierfütterung?

Soja zeichnet sich durch einen hohen Rohprotein- und Energiegehalt aus. Sojaextraktionsschrot gilt deshalb als günstige und gleichzeitig hochwertige Proteinquelle im Tierfutter. Der größte Teil des weltweit produzierten Sojabohnenmehls wird an Geflügel und Schweine verfüttert, während bei Milchkühen und Mastrindern häufiger auch andere Proteinquellen wie Sonnenblumen- oder Rapsschrot zum Einsatz kommen. Ein Grund dafür ist das besondere Verdauungssystem der Rinder: Es erlaubt ihnen, bestimmte Futtermittel im Vergleich zu beispielsweise Geflügel oder Schweine besser zu verdauen. Mehr dazu kannst du im Artikel „Wie werden Milchkühe gefüttert?“ erfahren. In den EU-27-Staaten und dem Vereinigten Königreich hat sich Sojaextraktionsschrot – abseits von Raufutter, also Futter mit einem hohen Pflanzenfaseranteil – zur wichtigsten Proteinquelle in Futtermitteln entwickelt.11,12,13

Der hohe Stellenwert von Soja hängt eng mit seiner Nährstoffzusammensetzung zusammen. Proteine bestehen aus unterschiedlichen Aminosäuren, und bei Futtermitteln sind sowohl das Mengenverhältnis dieser Aminosäuren als auch die Verdaulichkeit des jeweiligen Proteins entscheidend. Soja weist durch seine Proteinzusammensetzung eine ausgezeichnete Verdaulichkeit sowie ein ausgewogenes Aminosäurenprofil auf. Dadurch hat es sich zum Goldstandard für die Bereitstellung von Aminosäuren in der Nutztierfütterung entwickelt.14

Wie wird aus Soja Tierfutter?

Soja enthält unter anderem komplexe Kohlenhydrate, die als Energieträger dienen. In unverarbeiteter Form können diese von vielen Tieren nicht verdaut und die enthaltene Energie kann dementsprechend nicht genutzt werden. Durch entsprechende Verarbeitung, insbesondere durch Schälen und Toasten, können diese Stoffe „aufgebrochen“ werden, sodass das Tier sie verwerten kann. So aufbereitet erreicht Sojaextraktionsschrot einen nutzbaren Energiegehalt, der dem von Mais ähnelt. Mais gilt als einer der wichtigsten Energieträger in Futtermischungen.

Das Toasten des Sojas dient jedoch nicht nur dazu, die enthaltene Energie für das Tier besser verwertbar zu machen. Sojabohnen enthalten natürliche Stoffe, die als „Trypsininhibitoren“ bezeichnet werden. Diese können die körpereigenen Enzyme der Tiere bei der Proteinverdauung hemmen. Durch Hitze werden diese Stoffe weitgehend neutralisiert.15

Darüber hinaus enthält Soja bestimmte Zucker, sogenannte Oligosaccharide, die insbesondere bei Jungtieren Verdauungsprobleme verursachen können. Durch gezielte Fermentation des Sojabohnenmehls können diese Zucker abgebaut werden. Gleichzeitig wird bei diesem Prozess ein Großteil des in Soja enthaltenen Phosphors für die Tiere verfügbar gemacht. Dieser wäre ansonsten in einer schwer verdaulichen Form gebunden.16

Die Eiweißlücke: Warum Österreich und Europa Soja importieren

Die Nutztierhaltung in Österreich sowie in der EU als Ganzes verbraucht jährlich mehr Soja, als durch eigenen Anbau von Soja oder anderen eiweißliefernden Pflanzen gedeckt werden kann. Dieser Umstand wird häufig auch als „Eiweißlücke“ bezeichnet.

Diese Eiweißlücke entsteht aufgrund mehrerer Ursachen: Zum einen durch die hohe Nachfrage. Diese fußt auf der oben beschriebenen relativen Vorzüglichkeit beziehungsweise dem hohen Wert von Soja als Futtermittel in der Mast. Zum anderen liegt es daran, dass Sojabohnen als ursprünglich subtropische, wärmeliebende Pflanzenart in Europa nicht überall ideale Wachstumsbedingungen vorfinden. Zudem ermöglichen auch die im Durchschnitt viel größeren landwirtschaftlichen Betriebe in Übersee mit ihren teils riesigen Feldern eine kostengünstigere Produktion als in Europa.17

Die EU ist daher nach China der größte Importeur von Soja. Laut der Organisation „Donau Soja“ importierte die EU-27 im Durchschnitt der Jahre 2021–2025 jährlich mehr als 35 Millionen Tonnen Soja, während ihre eigenen Betriebe lediglich knapp drei Millionen Tonnen selbst produzierten. Das entspricht gerade einmal acht Prozent des Bedarfs. (Anmerkung: Diese Angaben beziehen sich auf Sojabohnen-Äquivalente. Faktisch importiert werden sowohl ganze Bohnen als auch Sojaschrot, dem der Öl-Anteil bereits entzogen wurde.)

Die Eiweißlücke in Österreich

Ähnliches gilt auch für Österreich. Zwar wird hierzulande immer mehr Soja geerntet, im Jahr 2025 waren es laut Statistik Austria18 rund 280.000 Tonnen. Diese Menge reicht aber bei Weitem noch nicht aus, um die heimische Nachfrage nach Futter, vor allem für Schweine, zu decken. Etwa die Hälfte des in Österreich geernteten Sojas wird zudem direkt zu Lebensmitteln verarbeitet. Das ist eine internationale Besonderheit.

Österreich importierte laut Zahlen der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) im Jahr 2025 rund 677.000 Tonnen Sojaextraktionsschrot, Sojabohnen und -kuchen (umgerechnet in ganze Bohnen). Rechnet man vereinfacht mit einem Ertrag von drei Tonnen pro Hektar, dann wurden in Übersee ungefähr 225.000 Hektar Land allein für den Export von Soja nach Österreich beackert. Das entspricht mehr als der fünffachen Fläche Wiens oder 17 Prozent der gesamten Ackerfläche Österreichs.

Mehr dazu findest du im Artikel „Gentechnik-Soja: Was ist das?“.

Wie könnte man zukünftig Import-Soja ersetzen?

Angesichts der Diskussionen rund um Nachhaltigkeit und Importabhängigkeit wird intensiv an alternativen Proteinquellen für die Nutztierfütterung geforscht. Zu den wichtigsten pflanzlichen Alternativen zählen Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen. Auch proteinreiche Grünpflanzen wie Klee oder Luzerne beziehungsweise deren Saft oder Pulpe, eine Art grob zerkleinerter Pflanzenbrei, könnten künftig eine größere Rolle spielen. Besonders interessant sind dabei lokale Sorten, die bereits an regionale Klimabedingungen angepasst sind.19,20

Durch gezielte Züchtung könnte Soja aber auch besser an die Umweltbedingungen in Österreich angepasst werden, sodass mehr Soja angebaut werden könnte. Dabei ist allerdings auch zu bedenken, dass dadurch potenziell andere Getreidesorten verdrängt werden könnten, da die Anbaufläche begrenzt ist.21

Reifes Sojafeld mit braunen, trockenen Pflanzen; im Hintergrund unscharfe Bäume und Landschaft.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob solche alternativen eiweißreichen Futterpflanzen für die heute weit verbreiteten, auf hohe Leistungen gezüchteten Nutztierrassen optimal geeignet sind. Denkbar wäre daher auch eine stärkere Nutzung älterer, regional angepasster Nutztierrassen, die lokale Eiweißpflanzen besser verwerten können.22

Weitere mögliche Eiweißquellen sind Nebenprodukte der Ölproduktion, etwa aus Leinsamen, Sesam oder Raps. Auch Mikroalgen sowie Nebenprodukte aus Destillerien gelten als vielversprechende Optionen. Letztere wurden bereits in der Vergangenheit in der Wiederkäuerfütterung eingesetzt. Darüber hinaus könnten künftig auch Lebensmittelreste aus Handel und Gastronomie, beispielsweise aus Bäckereien, stärker genutzt werden. Überschüssige Backwaren können teilweise zwölf Prozent Rohprotein enthalten. Bisher gibt es allerdings nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu ihrer Verwendung als Futtermittel.23,24

Was sind tierische Proteinquellen?

Tierische Proteinquellen wie Tier- und Fischmehle werden aufgrund der BSE-Krise in den 1990er Jahren kritisch beurteilt. Trotzdem könnte Molkeprotein, das bei der Käseproduktion anfällt, insbesondere für junge Tiere eine interessante Alternative zu Soja darstellen: Molkeprotein wird zwar bereits als Ersatzfuttermittel für Jungtiere verwendet, könnte aber künftig auch nach dem Absetzen als Zusatz in der Futterration oder in Geflügelfutter genutzt werden.

Große Aufmerksamkeit erhalten außerdem Insekten. Sie verfügen zwar über einen hohen Protein- und Fettgehalt, sind derzeit jedoch noch zu teuer, um mit etablierten Proteinquellen konkurrieren zu können. Einige Insekten, beispielsweise die Larven der Schwarzen Soldatenfliege, haben einen besonderen Vorteil: Sie können organische Reststoffe wie Obst- und Gemüseabfälle oder sogar Gülle in hochwertiges Protein umwandeln.25,26

Die Suche nach Alternativen zeigt, dass zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen rund um Soja noch viel Forschungsarbeit erforderlich ist. Dabei geht es nicht nur um die Auswirkungen alternativer Eiweißquellen auf die Gesundheit und Verdauung der Tiere, sondern auch auf die Qualität tierischer Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Eier. Ebenfalls noch ungeklärt ist die Frage, wie sich unsere Essgewohnheiten künftig verändern werden und welche Auswirkungen das auf die Nutztierhaltung und den Sojaanbau haben wird.27

Quellen

1 Ruiz et al. (2020): A review: 100 years of soybean meal (SBM)

2 Kuepper, Stravens (2022): Mapping the European Soy Supply Chain: Embedded Soy in Animal Products Consumed in the EU27+UK

3 Ruiz et al. (2020): A review: 100 years of soybean meal (SBM)

4 Parrini et al. (2023): Soybean replacement by Alternative Protein Sources in Pig Nutrition and It’s Effect on Meat Quality

5 Toomer et al. (2023): Current Agronomic Practices, harvest & Post-Harvest Processing of Soybeans (Glycine max) – A Review

6 Gaffield et al. (2024) A review of soybean processing byproducts and their use in swine and poultry diets

7 Lee et al. (2016): Major Factors Affecting Global Soybean and Products Trade Projections

8 Toomer et al. (2023): Current Agronomic Practices, harvest & Post-Harvest Processing of Soybeans (Glycine max) – A Review

9 Kuepper, Stravens (2022): Mapping the European Soy Supply Chain: Embedded Soy in Animal Products Consumed in the EU27+UK

10 Gaffield et al. (2024) A review of soybean processing byproducts and their use in swine and poultry diets

11 Kuepper, Stravens (2022): Mapping the European Soy Supply Chain: Embedded Soy in Animal Products Consumed in the EU27+UK

12 Ruiz et al. (2020): A review: 100 years of soybean meal (SBM)

13 Yan et al. (2025): Anti-Nutritional Factors of Plant Protein Feeds for Ruminants and Methods for Their Elimination

14 Ruiz et al. (2020): A review: 100 years of soybean meal (SBM)

15 Ruiz et al. (2020): A review: 100 years of soybean meal (SBM)

16 Ruiz et al. (2020): A review: 100 years of soybean meal (SBM)

17 EU-Kommission (agriculture.ec.europa.eu, News: Feed Protein: overview of EU production and options to diversify sources; Artikel vom 24.05.2024; Zugriff: 01.10.2026)

18 Statistik Austria (2025): Tabelle: Feldfrucht- und Dauerwiesenproduktion – endgültiges Ergebnis 2025

19 Parrini et al. (2023): Soybean replacement by Alternative Protein Sources in Pig Nutrition and It’s Effect on Meat Quality

20 Rauw et al. (2023): Future farming: Protein production for livestock feed in the EU

21 Gebhardt et al. (2022): Ecologically and biophysically optimal allocation of expanded soy production in Bavaria, Germany

22 Rauw et al. (2023): Future farming: Protein production for livestock feed in the EU

23 Parrini et al. (2023): Soybean replacement by Alternative Protein Sources in Pig Nutrition and It’s Effect on Meat Quality

24 Penkov, Chobanova (2020): Metabolizable energy and true digestibility of the protein of extruded of bakery by-products (bread wastes) in balanced experiments with poultry

25 Parrini et al. (2023): Soybean replacement by Alternative Protein Sources in Pig Nutrition and It’s Effect on Meat Quality

26 Niode et al. (20269: Exploring the Potential of Whey as a Feedstuff for Livestock

27 Parrini et al. (2023): Soybean replacement by Alternative Protein Sources in Pig Nutrition and It’s Effect on Meat Quality