Soja-Anbau: Welche klimatischen und ökologischen Auswirkungen sind möglich
Ist Soja ein „Klimaretter“ oder Teil des Problems? Die Pflanze spart Stickstoffdünger und verträgt Hitze besser als Getreide – doch für ihren Anbau werden in Teilen der Welt, etwa dem Cerrado, Savannen und Wälder umgewandelt. Wie klima- und umweltfreundlich Soja wirklich ist …
Der Soja-Anbau wird oft mit Regenwaldrodung, hohem Pestizideinsatz und gentechnisch veränderten Pflanzen in Verbindung gebracht. Sind diese Annahmen berechtigt?
Der Anbau und die Nutzung von Soja haben mehrere Facetten, die sich je nach den spezifischen Begleitumständen unterschiedlich auswirken. Soja kann sowohl positive als auch gravierend negative ökologische Auswirkungen mit sich bringen. Diese allgemeine Feststellung trifft zwar grundsätzlich auf alle landwirtschaftlichen Kulturen zu, zeigt sich bei Soja allerdings in besonders gegensätzlichen Extremen. Die Art und Weise wie Soja etwa in Österreich angebaut wird, lässt sich kaum mit den Bedingungen vergleichen, wie sie zum Teil beispielsweise in Südamerika vorherrschen.
Die grundsätzlichen Vorzüge des Soja-Anbaus
Dient Soja zur Erweiterung der Fruchtfolge (wie oftmals in Österreich), dann vergrößert sich die Vielfalt bzw. die Biodiversität der in einer bestimmten Region angebauten Nutzpflanzen. Erweiterte Fruchtfolgen bedeuten generell, dass sich die zeitlichen Abstände zwischen den Jahren vergrößern, in denen eine bestimmte Kulturart auf demselben Feld angebaut wird. Weite Fruchtfolgen helfen, im Gegensatz zu engen Fruchtfolgen oder gar Monokulturen, den Druck durch Pflanzenkrankheiten zu mindern und so Pflanzenschutzmittel einzusparen. Zudem lockern die Pfahlwurzeln der Soja-Pflanzen den Boden tiefgründig und verbessern die Wasserspeicherfähigkeit und die Fruchtbarkeit des Bodens.
Sojapflanzen gehören zu den Leguminosen, die mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Um hohe Erträge zu erzielen, müssen sie nicht zusätzlich mit Stickstoff versorgt werden. Ihre Kultivierung trägt daher dazu bei, synthetischen Stickstoffdünger einzusparen, dessen Produktion große Mengen an fossiler Energie (großteils Erdgas) benötigt. Im Vergleich zu einer Eiweißfutterversorgung aus Nicht-Leguminosen wie Raps, kann der Anbau von Soja daher den CO2-Fußabdruck des Ernährungssystems verkleinern.
Soja verträgt Hitze besser
Vor dem Hintergrund des Klimawandels und steigender Durchschnittstemperaturen gewinnt der Anbau von Sojabohnen in Österreich an relativer Vorzüglichkeit gegenüber Getreide. Kurz gesagt, weil Soja Hitze besser verträgt.
„Steigende Temperaturen sind in der Landwirtschaft wohl das noch größere Problem als die Trockenheit“, erklärt Johann Birschitzky, Geschäftsführer der Saatzucht Donau. „Getreide wächst bei 20 bis 25 Grad am besten, ab 27 bis 30 Grad reduziert es seine Photosyntheseaktivität deutlich, was sich in Ertragseinbußen niederschlägt. Das Temperaturoptimum von Soja liegt hingegen bei 30 bis 33 Grad, Schäden treten erst ab rund 40 Grad auf. Auch deshalb könnte die Sojapflanze in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.“
Bislang hat sich der Klimawandel in Österreich nicht in Form von geringeren Gesamtniederschlagsmengen, wohl aber in einer veränderten Verteilung der Niederschläge über das Jahr bemerkbar gemacht. Auf längere Trockenphasen folgen häufig einzelne stärkere Regenfälle im Sommer. „Das passt für Soja ganz gut, vor allem auf tiefgründigen, speicherfähigen Böden, da die Pflanzen im Sommer ihren Hauptwasserbedarf haben“, so Birschitzky.
Kritisch betrachtet
Umwandlung von Savannen und RegenwäldernWenn für den Anbau von Soja – oder für jede andere landwirtschaftliche Kultur – Regenwälder oder natürliches Grünland in Ackerland umgewandelt werden, dann hat dies gravierende negative Auswirkungen. Dies gilt sowohl für die Biodiversität wild lebender Organismen vor Ort als auch für das Weltklima. Regenwälder, natürliches oder landwirtschaftlich genutztes Grünland (international auch als „Grasland“ bezeichnet) und vor allem Moore und andere Feuchtgebiete können in ihren Böden gigantische Mengen an Kohlenstoff speichern. Er liegt dort in Form von Humus und vor allem in Wäldern auch in Form von oberirdischer Biomasse vor. Wandeln Menschen diese Naturflächen in Äcker und Weiden um, entweicht der darin gespeicherte Humus über Jahrzehnte hinweg als CO2 in die Atmosphäre. Im Falle von Äckern geschieht dies zunächst unabhängig davon, welche Pflanzen in welcher Weise auf den neuen Äckern angebaut werden. Jedes Beackern des Bodens reichert ihn mit Sauerstoff an, mit dessen Hilfe Mikroorganismen organische Materie abbauen und zu CO2 umwandeln.
Unterschätzter Faktor: Landnutzung
Solche Landnutzungsänderungen stellen den bedeutendsten, wenn auch einen häufig übersehenen Faktor dar, wenn es um die Auswirkungen des globalen Ernährungssystems geht. Der Weltklimarat IPCC schreibt ihnen in seinem Bericht Klimawandel und Landsysteme 1 (2019) fünf bis 14 Prozent aller menschengemachten Treibhausgasemissionen zu. Sie stellen also neben der eigentlichen Landwirtschaft sowie den vor- und nachgelagerten Bereichen (Düngerproduktion, Kühlung, Transport, Verpackung u.v.m.) eine eigene Emissionskategorie dar.
Die Rodung von tropischen Regenwäldern zum Zweck des Anbaus von Soja, zum Beispiel im brasilianischen Amazonasgebiet, gehört zu den meistdiskutierten Landnutzungsänderungen der Gegenwart. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass diese direkten Effekte des Sojabooms eher eine weniger große Rolle spielen als die indirekten Effekte. So kamen im Jahr 2015 laut Statistik2 lediglich etwa 13 Prozent des brasilianischen Sojas aus dem Amazonasgebiet.
48 Prozent hingegen kamen aus dem Cerrado, einer von Natur aus hauptsächlich mit Gras und niederem, lockerem Baumbestand bedeckten Savannenlandschaft südlich des Amazonasgebiets. Auch der Cerrado fungiert als wichtiger Kohlenstoffspeicher und beherbergt eine große Vielfalt an Arten. Bislang diente er vor allem als Weideland, ist aber auf rund 20 Prozent seiner Fläche noch ungenutzt und naturbelassen. Der Cerrado, und nicht der Regenwald, ist jene Landschaft, in der sich der Sojaanbau innerhalb Brasiliens in jüngerer Vergangenheit am stärksten ausdehnt hat.
Und trotzdem wirkt sich der Sojaanbau im Cerrado – indirekt – auch auf den Amazonas aus. Den Zusammenhang erklärt Matin Qaim, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität in Bonn gegenüber Land schafft Leben: „In Brasilien beobachten wir, dass neue Sojaflächen sehr häufig durch die Umwandlung ehemaliger Weideflächen zu Ackerland gewonnen werden, während die Rinderhaltung dann ihrerseits weiter in Richtung Amazonas zieht. Dort wird dann Regenwald gerodet, um neues Weideland zu gewinnen.“
Dies bestätigt auch Ernst Langthaler, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Uni Linz: „Der größere Teil der Sojaexpansion findet eigentlich außerhalb des Regenwaldes statt, nämlich in den Savannengebieten des Cerrado. Und das trägt indirekt auch zur Entwaldung bei, weil die Sojaexpansion andere Formen der Landnutzung in den Regenwald hinein verdrängt.“
Schätzungen zufolge war die Ausweitung von Weideflächen im Jahr 2018 für rund 80 Prozent der Amazonas-Entwaldung verantwortlich. Wichtig festzustellen ist: Die Entwaldung ist in Brasilien in der Vergangenheit mit höchst unterschiedlichem Tempo vorangeschritten. Ernsthafte Anstrengungen zum Schutz der Regenwälder haben deutliche Wirkung gezeigt. Zu nennen ist etwa das 2006 in Kraft getretene sogenannte Amazonas-Soja-Moratorium. In seinem Rahmen sicherten die großen in Brasilien aktiven Sojahändler zu, kein Soja mehr aufzukaufen, das auf nach 2008 entwaldeten Flächen gewachsen ist. Laut WWF3 ist das Moratorium insofern als erfolgreich zu bewerten, als dass 2018/19 nur noch zwei Prozent der Sojaflächen gegen das Moratorium verstießen. Als Problem wird allerdings gesehen, dass das Moratorium auf den Amazonas und den Anbau von Soja beschränkt ist und die indirekten Effekte nicht verhindert. Forschende haben daher angeregt, das Moratorium auch auf den Cerrado auszudehnen.
Höchste Entwaldungsrate im Jahr 1995
Daten der brasilianischen Weltraumbehörde INPEiv dokumentieren seit 1988 anhand von Satellitenbildern die Entwaldung innerhalb der Region „Amazônia Legal“, also des Amazonas-Gebiets. In den Jahren 1995 und 2004 erreichten die Entwaldungsraten Spitzenwerte von 29.100 km2 beziehungsweise 27.800 km2 (mehr als das Doppelte der Fläche Tirols) und verlangsamte sich nach 2004 kontinuierlich bis auf ein vorläufiges Minimum von 4.600 km2 im Jahr 2012. Danach schritt die Regenwaldrodung wieder deutlich schneller voran, vor allem zu Beginn der Amtszeit des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro (2019 bis 2023). Im Jahr 2021 erreichte die Entwaldung Amazoniens mit 13.000 km2 erneut einen zwischenzeitlichen Höchststand (wenngleich weit unter den Werten von 1995 oder 2004). Seither zeigt die Amazonas-Entwaldung wieder eine deutlich rückläufige Tendenz. 2025 wurden mit 5.700 km2 weniger Amazonas-Regenwald gerodet als in den zehn davorliegenden Jahren.
Kritisch betrachtet
Landnutzungsänderungen vergrößern den CO2-Fußabdruck von SojaDer CO2-Fußabdruck eines Lebensmittels dient als Maßstab für die Gesamtmenge aller Treibhausgase (CO2-Äquivalente), die seine Bereitstellung verursacht. Forschende erstellen dazu sogenannte Lebenszyklusanalysen (oder Life Cycle Assessments), in die alle klimarelevanten Größen einfließen sollen – von Landnutzungseffekten über die Produktion und Ausbringung von Dünger bis zu Verarbeitung, Verpackung und Transport von Lebensmitteln.
Generell lässt sich sagen: Fließt Soja direkt in die menschliche Ernährung, dann verursacht es einen deutlich kleineren CO2-Fußabdruck als bei der Verwertung über den „Umweg“ der Verfütterung an Tiere. Dies zeigen globale Durchschnittswerte der Datenwebseite Our World in Data5: Bei der Produktion von 100 Gramm Protein in Form von Schweinefleisch – inklusive Anbau und Verfütterung von Getreide und Soja, Mast, Verpackung, Transport und aller anderen wichtigen Faktoren – entsteht demnach ein CO2-Äquivalent von acht Kilogramm. 100 Gramm Protein, aufgenommen durch den direkten Verzehr von Soja (Tofu) sind dagegen – ebenfalls über den gesamten Lebenszyklus betrachtet – lediglich zwei Kilogramm CO2-Äquivalente anzurechnen. Aufgrund einer effizienten Landwirtschaft liegen die durchschnittlichen Emissionswerte für Lebensmittel aus Österreich im Vergleich zum globalen Durchschnitt auf einem deutlich geringeren Niveau, siehe unten.
Wie oben erwähnt: Den mit Abstand größten CO2- sowie auch gesamtökologischen Fußabdruck hinterlässt Soja, wenn seinem Anbau Landnutzungsänderungen vorangehen. Einen gewissen Landnutzungsfaktor müsste man theoretisch auch in Europa angebauten Sojabohnen anrechnen. Schließlich wurde Ackerland auch hier einst durch die Rodung von Wäldern gewonnen. Würde man diese Flächen nicht weiter beackern, könnten dort erneut Wälder oder Grasflächen wachsen, die weit mehr Kohlenstoff binden als jedes bearbeitete Feld. Allerdings belegt man europäisches Ackerland, das schon seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten als solches genutzt wird, mit einem deutlich geringeren oder gar keinem Landnutzungsfaktor. Es gilt daher als bedeutend klimafreundlicher als sein Pendant in den Tropen.
Laut einer von der Organisation „Donau Soja“ beauftragten Studie6 des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) kann bei der Mast in Österreich ein Umstieg auf die Verfütterung von europäischem „Donau-Soja“, statt Soja aus Übersee, den CO2-Fußabdruck von Schweinefleisch um mehr als 40 Prozent reduzieren. Pro Kilogramm Fleisch betrage der Ausstoß von Treibhausgasen laut einer Beispielrechnung 2,5 Kilogramm CO2-Äquivalente statt 4,3 Kilogramm, also 1,8 Kilogramm weniger. Dies liegt in erster Linie am verminderten Landnutzungsfaktor der europäischen Sojabohnen.
Monokultur Soja
In Nord- und Südamerika werden nicht nur Sojabohnen angebaut, sondern auch andere wichtige Feldkulturen wie Mais, Weizen, Zuckerrohr oder Sonnenblumen. Diese werden in Reinkultur angebaut, so wie global die allermeisten landwirtschaftlichen Feldfrüchte. Das bedeutet, dass zu einem gegebenen Zeitpunkt nur diese eine Kulturpflanzenart auf dem Feld wächst. Wird darauffolgend eine andere Pflanzenart (in Reinkultur) angebaut, handelt es sich um eine Fruchtfolge. Auf manchen Farmen wird Soja als Teil einer Fruchtfolge angebaut, zum Beispiel abwechselnd mit Weizen oder Mais.
Aber: Der Anbau von Soja hat sich für die nord- und südamerikanische Landwirtschaft als eine der wirtschaftlich attraktivsten Optionen entwickelt. Wenn sich mit einer bestimmten Kulturart mehr Geld verdienen lässt als mit anderen, dann verstärkt dies den Anreiz, mehr von dieser und weniger von anderen Kulturen anzubauen. Wenn schließlich über etliche Anbausaisonen hinweg stets dieselbe Kultur auf einem Feld ausgesät wird, in diesem Fall also Soja auf Soja auf Soja usw., dann spricht man von einer Monokultur.
Warum Monokulturen Fruchtfolgen verdrängen
Der ökonomische Vorteil des Anbaus von Soja ergibt sich unter anderem auch dadurch, dass die Pflanzen als Leguminosen kaum oder gar nicht mit Stickstoff gedüngt werden müssen. Dies spart Kosten für Mineraldünger. Zusätzlich hat die Einführung von gentechnisch veränderten Sorten die Gesamtkosten für den Anbau gesenkt. Zwar ist das Saatgut etwas teurer und der Mengenaufwand für Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) im Schnitt etwas größer. Da aber in Verbindung mit den Gentechnik-Sorten oft ein einziger Herbizid-Wirkstoff ausreicht sinken die Gesamtkosten dennoch. Ein Beispiel dafür ist etwa der vergleichsweise preisgünstige und vielfach diskutierte Wirkstoff Glyphosat.
Dem Einspareffekt liegt eine sogenannte Herbizidresistenz der verwendeten Soja-Sorten zu Grunde. Mehr dazu weiter unten sowie im Artikel „Gentechnik-Soja: Was ist das?“
– Matin Qaim erklärt den zugrundeliegenden Effekt so.„Gentechnik-Sorten haben Soja für die Bauern noch lukrativer gemacht. Das hat gar nicht so viel damit zu tun, dass es Gentechnik ist. Aber plötzlich hatten sie eine Technologie, die es für andere Kulturarten in der Form erstmal nicht gab. Soja war damit eine Kulturart, wo die Nachfrage sowieso schon stark war und nun eine Technologie dazukam, die den Anbau noch einfacher gemacht hat. Damit wurde die relative Vorzüglichkeit von Soja gegenüber anderem, was dort angebaut werden könnte, noch einmal größer. Und es wuchs der Anreiz, anderes aus der Fruchtfolge rauszuwerfen und viel Soja als Monokultur anzubauen.“
Die Verfügbarkeit von wirtschaftlich attraktiven Kulturen, in diesem Fall GVO-Soja, führt allerdings nicht zwangsläufig zu mehr Monokulturen. So belegen zum Beispiel Daten des US-Landwirtschaftsministeriums, dass die Einführung von GVO-Saatgut im US-amerikanischen Hauptanbaugebiet von Soja und Mais nicht zu einer Zunahme von Monokulturen geführt hat. Zwar nimmt die Vielfalt der Fruchtfolgen in Bundesstaaten wie Iowa, Illinois oder Indiana ab – häufig werden die beiden Kulturen dort im Wechsel angebaut – aber diese Entwicklung begann bereits vor fast 100 Jahren und wurde durch GVO nicht weiter befeuert.7
Risiko durch höheren Schädlingsdruck und Resistenzen
Was ist überhaupt schlecht an Monokulturen? Mittelfristig erhöhen Monokulturen unter anderem den Druck durch Schädlinge und Krankheiten. Aufgrund der ständigen Verfügbarkeit ihrer Wirtspflanze – in diesem Fall Soja – können sich bestimmte Schädlinge leichter vermehren. Dies kann den vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmittel nach sich ziehen.
Abgesehen davon bringen Monokulturen beziehungsweise Reinkulturen aber weitere ökologische Nachteile mit sich. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie ausschließlich einem bestimmten Spektrum von Insekten und anderen Organismen zu einem bestimmten Zeitpunkt Nahrung oder Unterschlupf bieten. Wird die Kultur geerntet, fällt dies auf einen Schlag weg. Wächst die Monokultur auf sehr großen Feldern oder prägt ganze Landschaften, dann besteht danach kaum eine Ausweichmöglichkeit für diese Organismen.
Dadurch, dass Felder in den amerikanischen Anbauländern im Vergleich zu Österreich oft gigantisch groß sind, kann sich eine Art „Soja-Wüste“ mit geringer Artenvielfalt ergeben. In Österreich werden Feldkulturen in der Regel in Fruchtfolgen angebaut und die durchschnittliche Größe eines Feldes ist um ein Vielfaches geringer als etwa in Südamerika. Daher stehen beim österreichischen Soja-Anbau eher die am Beginn dieses Artikels genannten grundsätzlichen Vorzüge im Vordergrund.
Soja und Gentechnik: Mehr oder weniger Pflanzenschutzmittel?
In den Hauptanbauländern von Soja in Nord- und Südamerika liegt der Anteil von GVO am ausgebrachten Saatgut bei fast 100 Prozent. Genau genommen lag er im Jahr 2024 laut „AgbioInvestor“ in Argentinien und Brasilien jeweils bei 99 und in den USA bei 96 Prozent.
Die damit verbundene Nutzung von herbizidresistenten Sorten hat laut der Website „Transparenz Gentechnik“ (transgen.de)8 zu einem gesteigerten Pro-Hektar-Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln geführt. Herbizidresistente Sorten sind gegen bestimmte Herbizidwirkstoffe (Unkrautbekämpfungsmittel) immun bzw. resistent. Dabei geht es um sogenannte Total-Herbizide. Mit einem Total-Herbizid lassen sich aller Unkrautarten auf einmal bekämpfen, während die immun gemachte Kulturpflanze durch das Mittel keinen Schaden nimmt (mehr dazu im Artikel „Gentechnik-Soja: Was ist das?“).
Daten der US-Landwirtschaftsbehörde zeigen transgen.de zu Folge, dass die durchschnittliche Menge der eingesetzten Herbizide im Soja-Anbau in den USA nach Einführung herbizidresistenten Saatguts 1996 zunächst von unter 20 Kilogramm pro Hektar auf 15 Kilo zurückging. Danach stieg die Menge bis zum Jahr 2017 auf annähernd 35 Kilogramm an. Dies lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass die neuen Sorten besser für das sogenannte Direktsaatverfahren geeignet sind, dessen Anwendung sich zusammen mit den neuen Sorten verbreitete.
Was ist Direktsaat?
Bei der Direktsaat wird das Saatgut in den Boden gebracht, ohne ihn zuvor mechanisch, beispielsweise mit einem sogenannten Grubber, aufzubrechen und zu lockern. Das mechanische Lockern und Aufbrechen des Bodens mit unterschiedlichen Maschinen wird mit dem Begriff „Bodenbearbeitung“ zusammengefasst. Dazu gehört auch das Pflügen, bei dem die oberste Bodenschicht gewendet wird – ähnlich wie im Garten beim Umgraben von Hand mit dem Spaten. Bodenbearbeitung, vor allem mit dem Pflug, gehört zu den aufwändigsten und energieintensivsten Arbeiten im Ackerbau.
Der Verzicht auf solche Bodenbearbeitung bringt daher je nach Boden, Klima, Anbaukultur und weiteren Bedingungen mehrere Vorteile mit sich. Dazu gehören eine reduzierte Arbeitszeit sowie geringere Kosten für Maschinen und Treibstoff (Energie). Das Bodenleben, das durch intensive Bodenbearbeitung empfindlich gestört wird, erfährt umgekehrt eine Schonung: Pflugverzicht bzw. die Direktsaat fördern das Bodenleben, der Humusgehalt im Oberboden nimmt zu. Der Schutz des Bodens vor Wind- und Wassererosion verbessert sich.
Nachteil einer reduzierten oder gar gänzlich ausgelassenen Bodenbearbeitung ist, dass ihre unkrautbekämpfende Wirkung wegfällt, wodurch sich der Unkrautdruck erhöht. Wird ein Boden weniger bearbeitet, dann muss Unkraut zunehmend auf andere Weise in Schach gehalten werden. Ein Mehrverbrauch von Herbiziden ist daher ein häufig beobachteter Nebeneffekt der Einführung der Direktsaat, unabhängig von der Frage, ob dabei GVO-Sorten im Spiel sind oder nicht.
Risiko „resistentes Unkraut“
Zusätzlich zur Verbreitung des Direktsaatverfahrens kann ein zweiter Umstand zu einem Mehrverbrauch von Unkrautvernichtungsmitteln führen. Dieser zeigt sich, wenn über mehrere Jahre hinweg auf einem Feld häufig dieselbe Kulturpflanze – in diesem Fall Soja – wächst, während die typisch auftretenden Unkrautarten mit dem selben Herbizidwirkstoff bekämpft werden. Dies führt irgendwann nahezu zwangsläufig dazu, dass die Unkräuter selbst eine Resistenz gegen diesen Wirkstoff entwickeln. Wenn die landwirtschaftlichen Betriebe die resistenten Unkräuter schließlich mittels gesteigerter Aufwandmengen oder zusätzlicher anderer Wirkstoffe bekämpfen, wächst die insgesamt ausgebrachte Menge an Herbiziden.
Derselbe Effekt ist allerdings auch ganz unabhängig von Soja und Gentechnik im Ackerbau zu beobachten, auch in Europa. Bekämpft man Unkraut immer mit demselben Wirkstoff, zum Beispiel weil keine Alternativen (mehr) zugelassen sind oder ein regelmäßiger Wirkstoffwechsel versäumt wird, dann entstehen resistente Unkräuter.
Studie: insgesamt weniger Pestizide durch klassische Gentechnik
Auch eine vom deutschen Entwicklungshilfeministerium und der EU finanzierte Meta-Analyse9 aus dem Jahr 2014 kommt zu dem Schluss, dass herbizidresistente Kulturpflanzen zu einem Mehrverbrauch von Herbiziden geführt haben. Die vielzitierte Analyse spiegelt die Ergebnisse von 147 Originalstudien wider, die die generellen Auswirkungen der Einführung von Gentechnik-Sorten für Soja, Mais und Baumwolle untersucht haben. Beachtlich ist dabei die Schwankungsbreite der Auswirkung von Kulturpflanzen mit eingebauten Herbizidresistenzen in den einzelnen ausgewerteten Studien: Sie reichen von einer 20-prozentig verringerten Pestizidmenge bis zu einer 25-prozentigen Steigerung. Statistisch ergibt sich daraus eine Steigerung von 2,4 Prozent. Dieser Mehrverbrauch an Herbiziden (wie Glyphosat) begründet einen der wesentlichen Kritikpunkte an der Gentechnik in der Landwirtschaft.
Dabei wird allerdings häufig eine zweite wichtige Kategorie klassischer GVO ausgelassen: Pflanzen, die mittels Einbau eines Bakteriengens resistent gegen wichtige Insektenschädlinge gemacht wurden. (Mehr zu diesen Bt-Sorten findest du im Artikel „Gentechnik-Soja: Was ist das?“.) Durch die fachgerechte Nutzung dieser Art von Gentechnik kann der Aufwand für chemische Bekämpfungsmittel (Insektizide) teils erheblich reduziert werden.
Die beiden Autoren der genannten Meta-Analyse haben den Pestizid-Reduktionseffekt durch Bt-Pflanzen mit dem Steigerungseffekt durch herbizidtolerante Sorten verrechnet. Ergebnis: Insgesamt führte der Einsatz von klassischer Gentechnik zu einer Reduktion der eingesetzten Pestizidmenge um 37 Prozent. Zudem führte das Ganze laut Meta-Analyse zu rund 22 Prozent mehr Ertrag und 68 Prozent höheren Gewinnen für die Bäuerinnen und Bauern.
Auch eine neuere Übersichtsarbeit kommt zu ähnlichen Schlüssen. Die Studie ist 2024 im renommierten Wissenschaftsjournal Science erschienen und fasst die aktuelle Wissenschaft zu indirekten Umwelteffekten von Gentechnik-Sorten zusammen. Unter anderem ist darin von zahlreichen Studien die Rede, die zeigten, „dass die Einführung von Bt-Pflanzen mit einer signifikanten Reduktion von Insektiziden einhergeht“. Dies gelte sowohl für reichere als auch ärmere Länder. Auf der anderen Seite kommt zum Ausdruck, dass für herbizidresistente Gentechnik-Sorten „entweder insgesamt keine signifikante Reduktion des Pestizideinsatzes oder eine substanzielle Steigerung der Herbizidmengen“10 zu beobachten war.
Mehr zur wissenschaftlichen Bewertung der Gentechnik findest du in unserem Artikel „Was ist Gentechnik?“
Pestizid-Ausbringung per Flugzeug
Wenn es um einen nachhaltigen Anbau geht, spielt allerdings nicht nur die Menge der eingesetzten Pestizide, sondern auch deren jeweils spezifische Eigenschaften sowie die Art und Weise ihres Einsatzes eine zentrale Rolle. Auf einem Teil der Ackerflächen Südamerikas etwa werden die Mittel mit Flugzeugen statt wie üblich mit Feldspritzen ausgebracht. Durch Luftbewegungen können die ausgebrachten Wirkstoffe auch außerhalb der Zielflächen landen.
Ernst Langthaler von der Johannes-Kepler-Universität Linz stellt fest: „So eine Sojafarm hat typischerweise 1.000, 10.000 oder mehr Hektar. Da wird das Glyphosat nicht mehr von einem kleinen Spritzgerät, sondern von Flugzeugen großflächig aufgetragen. Hinzu kommt, dass oft noch stärkere Herbizide beigemischt werden, um jene Unkräuter zu bekämpfen, die nach jahrelanger Anwendung Resistenzen gegen Glyphosat entwickelt haben. Und es passiert immer wieder, dass Winde diese Herbizidwolken auf die Nachbargründe verwehen und dort die Pflanzen der Kleinbauern, die eben keine gentechnisch veränderten Sorten anbauen, abtöten, aber auch die Gesundheit der Tiere und Menschen schädigen. In der Nachbarschaft dieser Sojafarmen leiden die Bewohnerinnen und Bewohner vermehrt unter Atemwegs- und Hauterkrankungen und es verbreitet sich die Angst vor gehäuften Missbildungen bei Neugeborenen.“
Generell ist davon auszugehen, dass Gesetze zum Schutz von Umwelt und Gesundheit in Südamerika, wie fast überall auf der Welt, weniger streng sind als innerhalb der EU oder Österreichs. „Selbst wenn Sie ein Gesetz haben, braucht es irgendwen, der dessen Einhaltung kontrolliert. Auf den riesigen Ländereien, über die wir da reden, wäre es schwierig, überall regelmäßig Proben zu nehmen“, gibt Agrarökonom Qaim zu bedenken. „Ich kann mir schon vorstellen, dass es auch eine gewisse Lobby gibt, die darauf drängt, gar nicht so genau hinzuschauen.“
Die beschriebenen negativen Auswirkungen lassen sich allerdings nicht monokausal auf die Verwendung von Gentechnik an sich zurückführen. Schließlich wurden Pflanzenschutzmittel auch schon lange vor Einführung der Gentechnik per Flugzeug ausgebracht.
Quellen
1 IPCC (2019): Sonderbericht Klimawandel und Landsysteme, S. 476, Tab. 5.4;
2 Soterroni (2019): Expanding the Soy Moratorium to Brazil’s Carrado
3 WWF, 2021(forestsolutions.panda.org: Brazil’s Amazon Soy Moratorium, S.1; Zugriff: 30.04.2026)
4 Terra Brasilis – INPE (terrabrasilis.dpi.inpe.br, Deforestation rates – Legal Amazon; Zugriff: 20.04.2026)
5 Our World in Data (ourworldindata.org, Environmental Impacts of Food Production: Greenhouse gas emissions per 100 grams of protein; Zugriff: 20.04.2026)
6 Donau Soja (donausoja.org: CO2-Reduktion bei Schweinfleisch mit Donau Soja; Zugriff: 20.04.2026)
7 Steve Savage, Applied Mythology, 2014 (appliedmythology.blogspot.com: Do GMO Crops Foster Monoculture?; Zugriff: 22.03.2022)
8 Transparenz Gentechnik (transgen.de: Mehr Gentechnik, mehr spritzen? Ja und nein - die Erfahrungen in den USA; Zugriff: 21.04.2026)
9 Wilhelm Klümper, Matin Qaim (2014): A Meta-Analysis of the Impacts of Genetically Modified Crops
10 F. Noack et al. (2024) Environmental impacts of genetically modified crops, S. 4