Was fressen österreichische Masthühner?
Der Speiseplan des Haushuhns besteht von Natur aus nicht nur aus Körnern oder Gras, sondern auch aus Würmern, Insekten, Schnecken oder Mäusen. Und auch kleine Steinchen spielen bei der Verdauung eine zentrale Rolle. In der Mast sieht die Zusammensetzung des Futters jedoch anders aus – und ist vor allem auf eine zügige Gewichtszunahme ausgerichtet.
Wie verdauen Hühner ihre Nahrung?
Für Hühner sind der Geschmack und Geruch des Futters eher zweitrangig. Stattdessen muss es leicht mit dem Schnabel zu picken sein. Weil Hühner keine Zähne haben, müssen sie ihr Futter als Ganzes hinunterschlucken. Als Erstes landet es danach im Kropf, einer Erweiterung der Speiseröhre. Dort wird es zwischengelagert und eingeweicht.
Anders als wir Menschen hat das Huhn zwei Mägen. Zunächst kommt das Futter in den sogenannten Drüsenmagen, wo die Verdauung des Futters beginnt. Anschließend gelangt das Futter in den Muskelmagen. Seinen Namen hat er aufgrund seiner Wände, die von einer starken Muskelschicht durchdrungen sind. Im Muskelmagen vollzieht das Huhn einen vergleichsweise außergewöhnlichen „Verdauungstrick“, den körnerfressende Vögel im Laufe der Evolution erlernt haben: Da es keine Zähne hat, zerkleinert das Huhn feste Nahrungsbestandteile wie Körner mit der Hilfe von kleinen Steinchen. In der Fachwelt werden diese auch als „Grit“ bezeichnet. Den Grit nimmt das Huhn zusätzlich zu seiner Nahrung auf. Durch Muskelkontraktionen werden die Steinchen im Muskelmagen in Bewegung versetzt. Dabei zermahlen sie die Körner, sodass diese mit Hilfe von Verdauungssäften im Darm abgebaut werden können. Die Steinchen werden nach einiger Zeit unverdaut ausgeschieden.
Der Hauptteil der Verdauung findet in den zwei großen Blinddärmen statt.1 Insgesamt ist der Verdauungstrakt beim Huhn recht kurz und das Futter benötigt nur einige wenige Stunden, um ihn zu durchlaufen. Damit die Masthühner dennoch alle notwendigen Nährstoffe für eine gute Mastleistung aufnehmen können, ist konventionelles Futter sehr nährstoffreich und gut verdaulich.2
Hauptbestandteile des Hühnerfutters
In der Natur fressen Hühner hauptsächlich Insekten, Käfer und Schnecken, aber auch Samen, Beeren und junge Blätter.3 Auf Mastbetrieben besteht ihr Futter hauptsächlich aus Mais, Weizen, Soja, Erbsen und Sonnenblumenkernen.4 Dadurch hat es neben einem hohen Energie- auch einen hohen Eiweißgehalt. Das ist wichtig für einen schnellen Fleischansatz, ohne dass die Tiere verfetten.5 Wie genau sich das Futter zusammensetzt, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Entsprechende Empfehlungen geben die Zuchtunternehmen in ihren Handbüchern.6
Auch das AMA-Gütesiegel macht Vorgaben zur Fütterung: Entweder muss der Getreideanteil während der gesamten Mastdauer mindestens 65 Prozent oder der Maisanteil mindestens 50 Prozent betragen.7 Der Mais färbt das Hühnerfleisch gelb8, was bei den Österreicherinnen und Österreichern sehr beliebt ist.9
Weil die Masthühner in ihrem kurzen Leben sehr schnell wachsen, muss sich ihr Futter ständig an ihre wechselnden Bedürfnisse anpassen. Deshalb kommen pro Mastdurchgang und je nach Alter nacheinander drei bis vier verschiedene Futterrezepte zum Einsatz. Man spricht von einer „Phasenfütterung“. Als Eintagsküken bekommen sie ganz fein vermahlenes, pulverartiges Futter, später dann circa drei Millimeter große Pellets. Die Getreidekörner in den Pellets werden vorab aufgebrochen, wodurch die Masthühner, anders als in der Natur, keinen Grit zum Zerkleinern ihres Futters benötigen.
Meist eine Woche vor der Schlachtung, spätestens jedoch einen Tag vorher, erhalten die Hühner das Endmastfutter. In diesem ist ein Futterzusatz gegen die sogenannten Kokzidien, einem Parasiten, nicht mehr enthalten. Das ist wichtig, um Rückstände dieses Futterzusatzes zu vermeiden, da diese negative Folgen für die menschliche Gesundheit haben könnten.10,11
Was sind Kokzidien?
In konventionellen Mastbetrieben enthält das Futter für Masthühner Zusätze, die sie vor Kokzidien schützen sollen. Diese Zusätze werden als „Kokzidiostatika“ bezeichnet. Kokzidien sind einzellige Parasiten, die bei Hühnern starke Durchfälle verursachen und bis zum Tod führen können. Da diese Mittel schon seit relativ langer Zeit häufig im Einsatz sind, werden die Wirkstoffe regelmäßig gewechselt, um eine Resistenz der Kokzidien zu verhindern. Ohne sie wäre die konventionelle Masthühnerhaltung jedoch nur schwer möglich und die Ausfälle wären deutlich höher. Im Bio-Bereich ist der Einsatz von Kokzidiostatika verboten. In der Bio-Haltung stecken sich die Tiere seltener an, da sie seltener mit den Ausscheidungen ihrer Artgenossen in Kontakt kommen.12,13 Kommt es doch zur Ansteckung, erhalten sie im Bedarfsfall ein Medikament, das im Gegensatz zum vorbeugenden Futterzusatz akut wirkt. Eine Impfung gegen Kokzidien ist in Europa aktuell noch nicht zugelassen.14
Dem Hühnerfutter können darüber hinaus Aminosäuren zugesetzt werden, um das Verhältnis der Aminosäuren im Futter sowie die Verdaulichkeit zu verbessern. Außerdem können beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe oder Enzyme zugesetzt werden. Im Biobereich sind dabei gesonderte Regelungen zu beachten: So ist zum Beispiel der Einsatz synthetischer Aminosäuren verboten und eingesetztes Mineralfutter muss für die biologische Produktion zugelassen sein.15
1,6 Kilo Futter für ein Kilo Gewichtszunahme
Die moderne Züchtung ermöglicht in der konventionellen Mast eine Futterverwertung von bis zu 1 zu 1,6. Das heißt, ein Huhn der in Österreich in der konventionellen Mast vorherrschenden Rasse „Ross 308“ braucht also am Ende der Mast gerade einmal 1,6 Kilogramm Futter, um ein Kilogramm an Gewicht zuzunehmen. So kann innerhalb von viereinhalb Wochen aus einem rund 45 Gramm schweren Küken ein zwei Kilogramm schweres Masthuhn werden.16 Dieses schnelle Wachstum kann allerdings auch zu Gesundheitsproblemen, zum Beispiel des Bewegungsapparats, führen.17 Die Elterntiere unserer Masthühner bekommen deshalb oft nur restriktiv Futter, um das Wachstum zu bremsen. Dadurch kann das Huhn über einen längeren Zeitraum hinweg genutzt werden.18 Mehr zu diesen Themen erfährst du in unseren Artikeln „Welche Hühner werden gemästet?“ und „Woher kommen die Küken für die Hühnermast?“.
Fütterung in der Bio-Haltung
Bio-Hühner müssen circa 2,1 Kilogramm Futter fressen, um ein Kilogramm zuzulegen. Damit kommen sie nicht an die Futterverwertungsraten von konventionell gehaltenen Hühnern heran und werden erst mit dem etwa doppelten Alter geschlachtet.19,20 Eine weitere Besonderheit im Bio-Bereich ist, dass mindestens 30 Prozent der Futtermittel aus dem eigenen Betrieb beziehungsweise aus der Region stammen müssen.21
Warum wurde das Huhn zum Vegetarier?
Hühner sind von Natur aus Allesfresser und würden auch tierisches Eiweiß zu sich nehmen. Deshalb wurden ihnen in der Vergangenheit während der Mast beispielsweise Tiermehle verabreicht. Nach der BSE-Krise im Jahr 2000 wurde das Verfüttern von Tiermehl, das als Schlachtabfall anfällt, jedoch verboten.22
Seit 2021 ist das Verfüttern von Schweine-, Fisch- und Nutzinsektenmehl an Geflügel wieder möglich, sofern dies der zuständigen Behörde gemeldet wurde. In der Branche ist es allerdings weiterhin unüblich, während die weltweite Nachfrage nach Soja als Futtermittel wächst.23 Futtersoja wurde in den letzten Jahrzehnten ausführlich wissenschaftlich untersucht, weshalb es wesentlich mehr Daten zu den Effekten von Soja auf die Leistung der Tiere im Vergleich zu Tiermehlen gibt. Das Gleiche gilt für andere alternative Eiweißquellen, an welchen derzeit geforscht wird.24 Mehr dazu erfährst du im Artikel „Bedeutung von Soja als Futtermittel“.
Im AMA-Gütesiegel-Programm sowie im Biobereich ist das Verfüttern von Tiermehl weiterhin verboten.25,26 Hühnermastbetriebe setzen stattdessen weiterhin auf andere Eiweißquellen, vor allem auf Soja.27 Laut Brancheninformationen kommt Futtersoja großteils aus Europa und ist daher ohne klassische Gentechnik produziert.
Ist österreichisches Hühnerfutter gentechnikfrei?
Im Jahr 2012 einigte sich ein Großteil der österreichischen Masthühnerproduzenten auf gentechnikfreie Produktion. Dies umfasst auch die Züchtung selbst sowie die Produktion von Düngemitteln, die ohne Gentechnik erfolgen müssen. Seit 2017 ist die gesamte Geflügelbranche in Österreich gentechnikfrei.28 Im Biobereich ist Gentechnik grundsätzlich verboten.29
Mehr zu Gentechnik erfährst du in unserem Artikel „Was bewirkt die ‚gentechnik-freie‘ Produktion von Lebensmitteln?“
Quellen
1 Jeroch et al. (2020): Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere
2 Ländliches Forschungsinstitut Österreich (2023): Mastgeflügelhaltung
3 Siegmann, Neumann (2012): Kompendium der Geflügelkrankheiten
4 AMAinfo (amainfo.at; Masthühner: Haltung und Bedürfnisse; zugriff: 06.08.2026)
5 Jeroch et al. (2020): Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere
6 Aviagen (aviagen.com; Ross 308: Nutrition Specifications; Zugriff: 13.08.2026)
7 AMA Gütesiegel (2019): AMA-Gütesiegel-Richtlinie Hendlmast
8 Campo, Mur (2025): Carcass Color in Broilers When Replacing Wheat with Corn in the Diet
9 Niederschick, Josef (2016), Hofer, im EG mit RS
10 Ländliches Forschungsinstitut Österreich (2023): Mastgeflügelhaltung
11 Roila et al. (2019): Occurrence and residue Concentration of Coccidiostats in feed and Food of Animal Origin; Human Exposure Assessment
12 Mehlkorn (2012): Die Parasiten der Tiere
13 Bio Austria (2025): Produktionsrichtlinien
14 Rautenschlein, Ryll (2014): Erkrankungen des Nutzgeflügels
15 Ländliches Forschungsinstitut Österreich (2023): Mastgeflügelhaltung
16 Aviagen (aviagen.com; Ross 308: Performance Objectives; Zugriff: 13.08.2026)
17 Hartcher, Lum (2020): Genetic selection of broilers and welfare consequences: a review
18 Hartcher, Lum (2020): Genetic selection of broilers and welfare consequences: a review
19 Ländliches Forschungsinstitut Österreich (2023): Mastgeflügelhaltung
20 Bio Austria (2025): Produktionsrichtlinien
21 EU-Verordnung Nr. 2018/848 (Anhang 2, Teil II, Abschnitt 1.9.4.2 a); Zugriff: 13.08.2026)
22 BGBl. I Nr. 143/2000: Tiermehl-Gesetz
23 EU-Verordnung Nr. 2021/1372 (Zugriff: 14.08.2026)
24 Parrini et al. (2023): Soybean Replacement by Alternative Protein Sources in Pig Nutrition and its Effect on Meat Quality
25 Pastus+ (2023): Negativliste der im AMA-Gütesiegel verbotenen Einzelfuttermittel
26 EU-Durchführungsverordnung Nr. 2021/1165 (Anhang III)
27 Ländliches Forschungsinstitut Österreich (2023): Mastgeflügelhaltung
28 Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (ohnegentechnik.org; Das österreichische Geflügel ist komplett gentechnikfrei; Zugriff: 11.08.2026)
29 EU-Verordnung Nr. 2018/848 (Artikel 11); Zugriff: 08.10.2026)