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Was macht Hühnerfleisch beliebt?

Der Lebensmitteleinzelhandel bezieht Hühnerfleisch fast nur aus heimischer Produktion. In Fertigprodukten und der Gastronomie spielt österreichisches Hühnerfleisch hingegen eine geringere Rolle. Lies weiter, um zu erfahren, warum Hühnerfleisch weltweit so beliebt ist.

Drei Personen sitzen am Tisch im Gasthaus, schauen auf Speisekarten und nutzen Smartphones, Getränk mit Minze steht da. Drei Personen sitzen am Tisch im Gasthaus, schauen auf Speisekarten und nutzen Smartphones, Getränk mit Minze steht da.

Am frühen Morgen kommt das Fleisch in den Zentrallagern des Lebensmitteleinzelhandels an. Die Mitarbeiter kontrollieren Stückzahl und Fleischtemperatur. Noch am selben Tag stellen sie die Bestellungen der einzelnen Filialen zusammen. Zwei Tage nachdem das Huhn den Stall verlassen hat und geschlachtet wurde, liegt es als Fleischprodukt im Supermarkt.  

Bei der Auswahl der Lieferanten spielen nach Angaben der Einkäufer Preis, Herkunft und Qualität und damit verbundene Zertifikate und Siegel wie das des „International Featured Standards Food“ (IFS Food) oder das AMA-Gütesiegel eine Rolle. Österreichische Lebensmitteleinzelhändler kaufen das frische Hühnerfleisch fast ausschließlich aus österreichischer Produktion. Bei Fertigprodukten und in der Gastronomie hat heimische Ware einen geringeren Stellenwert.  

Hühner- und Putenfleisch haben seit Jahren den größten Anteil an der Gesamtmenge des in Österreichs Lebensmitteleinzelhandel (LEH) angebotenen Frischfleischs. Laut AMA-Marketing.1 entfielen zusammengenommen 38 Prozent der Menge im Jahr 2025 auf diese beiden Fleischarten (30 Prozent auf Hühner- und 8 Prozent auf Putenfleisch) – Tendenz steigend. An zweiter Stelle rangierte Schweinefleisch mit 26 Prozent und Rind- beziehungsweise Kalbfleisch mit 11 Prozent.

Hier findet du mehr Informationen zum anonymen Markt bei Fertigprodukten und in der Gastronomie.

Warum ist Hühnerfleisch weltweit so beliebt?

Auch weltweit betrachtet wächst der Konsum von Geflügel- und damit in erster Linie Hühnerfleisch. Mehr als 370 Millionen Tonnen Fleisch wurden im Jahr 2024 global produziert. Laut der Datenwebsite Our World in Data entfielen 39 Prozent davon auf Geflügelfleisch. Im Jahr 2000 lag dieser Anteil noch bei 30 und 1990 sogar bei „nur“ 23 Prozent.2 Diese Entwicklung hängt unter anderem auch damit zusammen, dass Geflügelfleisch von keiner der großen Weltreligionen unter Tabu gestellt wird – wenn man vom nach strenger Auslegung vegetarisch orientierten Buddhismus absieht. Menschen muslimischen und jüdischen Glaubens dürfen den religiösen Regeln nach kein Schwein essen und Hindus ist die Kuh „heilig“.

Auch die heimische Geflügelbranche macht spezielle Angebote für diese wachsende Zielgruppe. Ein Beispiel ist halal geschlachtetes Fleisch. Umgekehrt findet die Branche in der Döner-Kebab-Gastronomie einen willkommenen Großabnehmer für bestimmte Teile des Huhns wie etwa der Keule. Solche Teilstücke sind nämlich am Inlandsmarkt und bei der heimischen Gastronomie weniger beliebt.

Warum ist ein bereits zerlegtes Huhn beliebter als ein ganzes Huhn?

Ein ganzes Huhn als Sonntagsbraten oder als Grillklassiker – mittlerweile könnte man das bereits fast als „Auslaufmodell bezeichnen. Fast essfertig zubereitete Hühnerteile sind vermutlich eines der beliebtesten Convenience-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel. Hier macht sich eine große gesellschaftliche Veränderung in Sachen Ess- und Kochgewohnheiten bemerkbar. Single- und Kleinhaushalte sind heute längst in der Überzahl und das gemeinsam eingenommene Essen im großen Familienkreis ist eher die Ausnahme geworden. Ein ganzes Huhn liefert daher mehr Fleisch als in vielen Haushalten im Zuge einer Mahlzeit verbraucht werden kann.

Fachleute auf dem Gebiet der Ernährungspsychologie stellen darüber hinaus eine weit verbreitete Abneigung gegenüber Fleisch fest, welches in Form und Aussehen noch an das geschlachtete Tier erinnert. Die meisten Menschen haben keinen Bezug mit dem Herstellungsprozess des Hühnerfleisches, beispielsweise der Schlachtung. Es scheint nahezu „unmöglich“, sie damit zu konfrontieren, indem ihnen ein ganzes Huhn vorgelegt wird. Viel leichter verkäuflich sei dagegen steril verpacktes, handlich zerkleinertes und von allen erkennbaren Auswirkungen der Produktionsschritte befreites Fleisch. Auch aus diesem Grund sei die Brust, zerlegt oder als fast essfertiges Convenience-Produkt verpackt, Teilen wie der Keule überlegen. Letztere weisen immer auch Knochen auf.

Alles in Allem ist dies für eine Branche, die ganze Hühner aufziehen, schlachten und vermarkten muss, mit Herausforderungen verbunden. Gerade die Keule, von allen Gourmets als das wesentlich schmackhaftere Teil geschätzt, sei zusehends schwieriger zu vermarkten.

Quellen

1 AMA-Marketing (b2b.amainfo.at, 2026: RollAMA: Hühnerfleisch wird immer gefragter, Download: RollAMA Trends 2025 [Geflügel]; Zugriff: 01.04.2026)

2 Our World in Data (ourworldindata.org: Meat production by livestock type; Zugriff: 01.04.2026)