Woher kommen die Küken für die Hühnermast?
Die moderne Hühnerfleischproduktion ist in mehrere Produktionsschritte unterteilt, die auf unterschiedlichen Betrieben stattfinden. Bevor ein Küken gemästet werden kann und schlachtreif wird, muss es zunächst schlüpfen. Wo das passiert und welche Rolle die Großeltern der Masthühner dabei spielen, erfährst du in diesem Artikel.
Welche Stationen durchläuft ein Mastküken?
Lange bevor die Küken in spezialisierten Mastbetrieben gemästet werden, beginnt ihre Produktion. Diese Masthühnerproduktion hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bis heute zu einer weltweiten Großindustrie entwickelt. Dabei stehen am Anfang der Produktionskette einige wenige Zuchtunternehmen. Sie halten die Vorfahren unserer Masthühner bis zu deren Großeltern.
Die Großeltern der Masthühner werden weltweit in einigen wenigen Betrieben gehalten. Ihre Nachkommen, also die Elterntiere der späteren Masthühner, werden an sogenannte Elterntierbetriebe verkauft. Solche Elterntierbetriebe gibt es auch in Österreich. Dort legen die Elterntiere die Eier, aus denen später die Masthühner schlüpfen. Das Schlüpfen passiert allerdings nicht auf dem gleichen Betrieb, auf dem die Elterntiere leben, sondern in eigenen Brütereien. Dort werden nach dem Schlüpfen die Masthuhnküken noch am ersten Lebenstag zum Mastbetrieb transportiert.1
Elterntier-Küken fliegen um die Welt
Das Unternehmen Aviagen, ein Teilkonzern der niedersächsischen EW Group GmbH, ist einer der weltweit führenden Mastgeflügelzüchter. Zusammen mit der US-amerikanischen Firma Tyson Foods erzeugen sie 95 Prozent der Elterntiere weltweit.2
Die Großeltern der Masthühner und -puten von Aviagen leben an verschiedenen Standorten weltweit, darunter auch einige in Europa. Dort leben sie normalerweise in Bodenhaltung auf Einstreu. Ihre Eier werden in der Regel allerdings nicht vor Ort bebrütet, sondern kommen dafür in eine Brüterei (wie eine Brüterei organisiert ist, erfährst du weiter unten). Kurz nachdem die Elterntier-Küken geschlüpft sind, werden sie weitertransportiert: Sie fliegen in Frachtflugzeugen oder fahren in LKWs an ihren Bestimmungsort.
Ihre Küken schickt Aviagen dabei an Elterntierbetriebe in 130 Ländern weltweit, darunter an alle Länder Europas. Großeltern und Elterntiere leben in der Regel bis zu 65 Wochen bis sie zur Fleischgewinnung geschlachtet werden. In der EU dürfen sich die Zuchttiere normalerweise auf natürlichem Wege paaren. Anders als bei Puten, wo bei den Elterntieren die künstliche Besamung verbreitet ist (mehr dazu im Artikel „Wie wird ein Küken zur Pute?“)3,4,5
Was passiert mit den Elterntieren?
Die Gesundheit der Elterntiere ist für die Gesundheit der Mastküken entscheidend. Ein sensibler Umgang mit den Elterntieren und eine stärkere Abschirmung zur Außenwelt sind deshalb besonders bedeutend: Die Tiere sollen sich nicht mit Krankheitserregern anstecken, die ihnen oder ihren Nachkommen schaden könnten.6
In Österreich gibt es rund 90 Elterntierbetriebe (Stand 2024).7 Dort leben Hennen und Hähne zusammen in einem Stall, wo sie sich paaren können. Nach der Novelle der 1. Tierhaltungsverordnung 2017 darf die Anzahl der in einem Stall gehaltenen Elterntiere den Wert von 30 Kilogramm pro Quadratmeter nicht übersteigen.8 Da die Legeleistung der Tiere mit dem Alter abnimmt, wird die Elterntierherde nach etwas über einem Jahr geschlachtet und zu Suppenhühnern verarbeitet.9
Weniger Futter wegen Züchtung
Konventionelle Masthühner wurden so gezüchtet, dass sie innerhalb eines Monats mit der entsprechenden Futtermenge zur Schlachtreife heranwachsen. Für die Elterntiere kann dieses schnelle Wachstum aber zum gesundheitlichen Problem werden, da sie über ein Jahr alt werden. Die Tiere erhalten daher meist weniger Futter, als sie es bei freiem Zugang zu Futter tun würden. Ein daraus potenziell entstehendes chronisches Hungergefühl kann zu Verhaltensstörungen, Aggression und schlechterer Fruchtbarkeit führen.10
Daher müssen die Tiere genau beobachtet und häufig gewogen werden.11 Ein anderer Ansatz wäre, zukünftig auf langsamer wachsende Rassen zu setzen, wie es heute bereits im Biobereich der Fall ist.12
Was macht eine Brüterei?
In Ägypten wurden bereits vor 2000 Jahren Eier künstlich ausgebrütet. Seit ungefähr 1900 gibt es Brutschränke, die mit den heutigen vergleichbar sind.13 Seit den 1950er Jahren haben Brütereien den Stellenwert, den sie heute haben. In Österreich gibt es insgesamt fünf Brütereien für konventionelle und Bio-Masthühner.14
Laut Statistik Austria wurden 2025 in Österreich über 121 Millionen Eier bebrütet, aus denen über 95 Millionen Küken schlüpften. Das entspricht einem Anteil von rund 79 Prozent.15 Dass einige der Küken nicht schlüpfen, liegt daran, dass die Eier während der Brut sehr empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind. Die gesamte Brutzeit, die 21 Tage dauert, findet daher bei rund 38 Grad in streng kontrollierten Brutschränken statt. In den ersten 18 Tagen der Brut, der sogenannten Vorbrut, werden die Eier täglich mehrfach gewendet.
Anschließend gelangen sie in die Schlupfbrut, wo für das Schlüpfen ideale Bedingungen herrschen. Zu festgelegten Zeitpunkten, häufig beim Umlagern von der Vor- in die Schlupfbrut, werden die Eier durchleuchtet (geschiert), sodass nicht befruchtete Eier oder abgestorbene Embryonen früh erkannt werden können. Die Küken schlüpfen fast alle gleichzeitig innerhalb von 24 Stunden. Das liegt daran, dass sie sich beim Schlüpfen mit Pieplauten durch die Eischale mit den anderen „absprechen“. Anders als bei den Legehennen wird bei den Masthühnern nach dem Schlüpfen nicht das Geschlecht bestimmt, weil später ohnehin beide Geschlechter im selben Stall gemeinsam gemästet werden. Nach dem Schlüpfen werden bereits erste Schutzimpfungen durchgeführt.16,17,18
Kranke oder schwache Tiere werden aussortiert und sachgerecht gemäß Tierschutzgesetz getötet, zum Beispiel mit Kohlendioxid. Danach werden sie entweder als Futtermittel verwendet oder über die Tierkörperverwertung entsorgt.19
Wie kommen die Küken zum Mastbetrieb?
Küken dürfen in den ersten 72 Stunden ihres Lebens maximal 24 Stunden ohne Futter transportiert werden. In dieser Zeit können sie noch vom Dottersack zehren.20 Laut Brancheninformationen ist der Kükentransport innerhalb Österreichs für gewöhnlich deutlich kürzer und findet vollklimatisiert statt.21
Wenn die Küken am Mastbetrieb eintreffen, ist der Stall bereits für sie vorbereitet.22 Wie es für die Küken im Mastbetrieb weitergeht, erfährst du im Artikel „Wie werden Masthühner in Österreich gehalten?“.
Quellen
1 Rautenschlein, Ryll (2014): Erkrankungen des Nutzgeflügels
2 Tak, Karamchedu (2022): Identifying economic and financial drivers of industrial livestock production – the case of the global chicken industry
3 Aviagen (2015), im E-Mail-IV mit MP
4 Aviagen (aviagen.com, Aviagen Global Export Overview; Zugriff: 05.08.2026)
5 EFSA (2010): Scientific Opinion on welfare aspects of the management and housing of the grandparent and parent stocks raised and kept for breeding purposes
6 Rautenschlein, Ryll (2014): Erkrankungen des Nutzgeflügels
7 Geflügelwirtschaft Österreich (2025): Daten und Fakten der österreichischen Geflügelwirtschaft
8 BGBl. II Nr. 485/2004: 1. Tierhaltungsverordnung (Anlage 6, Abschnitt 4.2; Zugriff: 13.08.2026)
9 Stachel, Josef (2015), Stachel Bruteier, Elterntierhaltung konv., Stmk., im EG mit RS
10 Hartcher, Lum (2020): Genetic selection of broilers and welfare consequences: a review
11 Aviagen (aviagen.com; Broiler Handbook; Zugriff: 05.08.2026)
12 Hartcher, Lum (2020): Genetic selection of broilers and welfare consequences: a review
13 Geflügelzeitung (geflügelzeitung.de; Die Kunstbrut – die Kunst des Brütens; Zugriff: 11.08.2026)
14 Geflügelwirtschaft Österreich (2025): Daten und Fakten der österreichischen Geflügelwirtschaft
15 Statistik Austria, Eingelegte Hühnerbruteier und geschlüpfte Küken in Brütereien mit einer Mindesteinlagekapazität von 1 000 Bruteiern: Zahlen aus 2025
16 Rautenschlein, Ryll (2014): Erkrankungen des Nutzgeflügels
17 Siegmann, Neumann (2012): Kompendium der Geflügelkrankheiten
18 Geflügelwirtschaft Österreich (2025): Daten und Fakten der österreichischen Geflügelwirtschaft
19 EU-Verordnung Nr. 1069/2009 (Artikel 9 und 10; Zugriff: 13.08.2026)
20 Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz (https://www.tierschutzkonform.at/; Handbuch Tiertransporte - Kurzstrecke; Zugriff: 10.08.2026)
21 Skreinig, Wolfgang (2015), Skreinig Brüterei, im EG mit RS
22 Ländliches Forschungsinstitut Österreich (2023): Mastgeflügelhaltung