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Welche Hühner werden gemästet?

Zum Mästen wird nicht jedes Huhn verwendet, im Gegenteil: Über Generationen hinweg wird das „perfekte“ Tier dafür gezüchtet. Welche Eigenschaften dieses Huhn hat und welche Problematiken sich daraus ergeben, erfährst du in diesem Artikel.

Viele Masthühner stehen und sitzen auf Stroh in einem hellen Stall mit Tränken und Futterspendern. Viele Masthühner stehen und sitzen auf Stroh in einem hellen Stall mit Tränken und Futterspendern.

Was sind Rassen und Linien bei Hühnern?  

Ob ein Huhn zum Eierlegen oder zur Mast gehalten wird, ist bereits lange vor dem Schlüpfen festgelegt. Seit den 1960er-Jahren gibt es separate Rassen für Legehennen- und Masthühner.1

Die einen werden gezüchtet, um viele Eier zu legen, die anderen, um schnell Fleisch, sprich Muskelmasse anzulegen. Neben einem mehrere Tage alten Mastküken wirkt ein gleichaltriges Legehennen-Küken klein und schmächtig. 

Im Gegensatz zu den Brüdern von konventionellen Legehennen werden männliche Mastküken nicht sofort nach dem Schlüpfen getötet, sondern zusammen mit den weiblichen Küken aufgezogen, gemästet und letztendlich gegessen. Alle bedeutenden Rassen – auch in der biologischen Mast – sind Hybridrassen oder, wissenschaftlich korrekt bezeichnet, „Linien“.

Über mehrere Generationen werden von den Zuchtunternehmen mehrere Reinzuchtlinien gekreuzt, um deren Eigenschaften schließlich in den gemästeten Hühnern zu vereinen. Dieser mehrjährige Zuchtprozess beinhaltet in der Regel fünf Generationen, und mit jeder Generation vervielfacht sich die Anzahl der Tiere bis zum Masthuhn.2

Würden die Landwirtinnen und Landwirte die Hühner selbst vermehren, würden die Nachkommen daher nicht die gewünschte Fleischleistung erbringen. Die Großeltern und weiteren Vorfahren der Mastküken kommen deshalb von speziellen Zuchtbetrieben. Dort werden in einem aufwändigen Verfahren jene Elterntiere gezüchtet, die jene Eier legen, aus denen optimierte Mastküken schlüpfen.3 Mehr dazu erfährst du im Artikel „Woher kommen die Küken für die Hühnermast?“

Infografik: Hühnerfleischproduktion in Österreich 2026 mit Icons und Zahlen zu Betrieben, Brütereien, Mast- und Schlachtbetrieben.

© Land schafft Leben 2026

Welche Hühnerrassen werden in Österreich gemästet?

Österreichs konventionelle Hühnermastbetriebe setzen fast ausschließlich auf eine einzige Rasse.4 Das internationale Zuchtunternehmen Aviagen züchtet Masthühner und -puten und verkauft diese in 130 Länder. Die Linie der Masthühner, die auf Österreichs konventionellen Bauernhöfen vorherrschen, nennt sich „Ross 308“.

Für „Ross 308“ gibt es ein 144-seitiges Handbuch. Dieses erklärt unter anderem, welches Futter und welche Stalleinrichtung die Tiere benötigen, wie sie gesund bleiben und wie man sie einfängt.5

Tierschutzorganisationen weisen jedoch auf gesundheitliche Probleme durch die Zucht mit dem Ziel schneller Gewichtszunahme hin.6 Bei den männlichen Küken der Linie „Ross 308“ sind das bis zu 100 Gramm Zunahme pro Tag.7 Das Zuchtunternehmen selbst betont, dass gesundheitliche Aspekte zu den Hauptzielen in der Züchtung zählen.

Schlachthöfe kontrollieren Gesundheit

Die Masthühnerhalterin oder der Masthühnerhalter muss für Probennahmen und Gesundheitskontrollen des Hühnerbestandes eine Betreuungstierärztin oder einen Betreuungstierarzt heranziehen. Unter anderem gibt es eine verpflichtende tierärztliche Kontrolle innerhalb von drei Tagen vor der geplanten Schlachtung.8

Die Schlachthöfe geben in Verträgen mit den Mastbetrieben unter anderem die Schlachttermine aber auch die zu verwendenden Rassen vor. Grund dafür ist, dass sich die Produktionszyklen mit langsamer wachsenden Rassen verlangsamen. Die Tiere würden dann weniger Ertrag und weniger des begehrten Brustfleischs liefern. Hühnerfleisch wäre dann nicht zum derzeitigen Preis produzierbar.

Bei der Schlachtung wird unter anderem kontrolliert, ob die Hühner Fußballenverletzungen, blaue Flecken oder Knochenbrüche aufweisen. Wenn solche Verletzungen auftreten, beanstandet sie der Schlachthof beim Mastbetrieb.  

Wenn du mehr über die Schlachtung von Masthühnern erfahren möchtest, lies unseren Artikel „Wie Masthühner und Puten geschlachtet werden“.

Zucht auf schnelles Wachstum 

Die Masthühner wurden darauf gezüchtet, möglichst schnell viel Fleisch anzusetzen, besonders im Brustbereich. Diese genetische Veranlagung der Hühner hat zur Folge, dass sich ihr Gangbild verändert und sie sich am Ende der Mast kaum noch bewegen können. Wenn die Tiere dann vermehrt auf feuchter Einstreu liegen, kann dies zu Hautentzündungen, den sogenannten Brustblasen, führen.

Aufgrund des schnellen Wachstums ist das Skelett- und das Kreislaufsystem zudem besonders gefordert. Die Züchtung bewegt sich dabei auf „einem schmalen Grat“ zwischen Wachstum und Tiergesundheit.9 

Das schnellere Wachstum führt allerdings nicht nur zu einer größeren Fleischmenge in einem kürzeren Zeitraum. Die Tiere verbrauchen auch weniger Futter, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren. Dadurch ist ihr Ressourcenverbrauch pro Kilogramm Lebensmittel geringer. Dies zeigt sich unter anderem in einem geringeren CO2-Fußabdruck pro Kilogramm Fleisch im Vergleich zu älteren, langsam wachsenden Rassen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Ziele des Tierwohls mit Nachhaltigkeitszielen in Konflikt stehen können.10

Auch Bio verwendet Hybridrasse

Österreichische Bio-Betriebe setzen zum Großteil auf eine Rasse, die als langsam wachsende Rasse anerkannt ist. Die Hühner nehmen weniger als 40 Gramm pro Tag zu.11

Gezüchtet wird diese Rasse vom internationalen Unternehmen Hubbard. Zwei Linien des Typs „JA“ kommen für die erwerbsmäßige Bio-Mast in Österreich in Frage.12

Hubbard gehört genau wie Aviagen zur „EW Group“, einer deutschen Familien-Holding mit Sitz in Visbek im deutschen Bundesland Niedersachsen.13

Regionale Hühnerrassen als Spezialitäten 

Rassen, die nicht für den Weltmarkt gezüchtet werden, können bei der Futterverwertung auch nicht mit der Bio-Rasse von Hubbard mithalten und wurden weitgehend vom Markt verdrängt.14 Dabei handelt es sich häufig um inzwischen seltene Nutztierrassen und Liebhabertiere. Das Sulmtaler Huhn ist zum Beispiel eine Zweinutzungsrasse und eine regionale Spezialität. Ursprünglich stammt es aus der Umgebung des Sulmtals südlich von Graz und wird in Freilandhaltung aufgezogen.15 Das Sulmtaler ist nur im Ab-Hof-Verkauf erhältlich (Stand 2022).16

Mehrere Hühner picken auf einem Hof Boden Salatblätter, daneben steht ein kleiner Baum.

Quellen

1 Willam, Simianer (2011): Tierzucht

2 EFSA (2023): Welfare of broilers on farm

3 Rautenschlein, Ryll (2014): Erkrankungen des Nutzgeflügels

4 Ulrike Mitsch (2025) Geflügelwirtschaft, im EG mit CP

5 Aviagen (https://aviagen.com/eu/brands/ross/products/ross-308; Zugriff: 05.08.2026)

6 Vier Pfoten (https://www.vier-pfoten.at/kampagnen-themen/themen/nutztiere/masthuehner; Zugriff: 05.08.2026)

7 Aviagen (2022): Ross 308 Performance Objectives

8 Rechtsinformationssystem des Bundes, RIS (ris.gv.at, Bundesrecht konsolidiert: Geflügelhygieneverordnung, (§§ 3 u. 37) Zugriff: 24.09.2026)

9 Hartcher, Lum (2020): Genetic selection of broilers and welfare consequences:  a review

10 Tallentire et al. (2018): Artificial selection for improved energy efficiency is reaching its limits in broiler chickens;

11 Bio Austria (2025) Produktionsrichtlinien

12 Austria Bio Garantie – Landwirtschaft GmbH (2026): 2000760 INFO-Blatt Haltung von Bio-Masthühnern

13 Hubbard (hubbardbreeders.com; Welcome to Hubbard; Zugriff: 14.08.2026)

14 Willam, Simianer (2011): Tierzucht

15 Arche Austria (https://www.arche-austria.at/index.php?id=75; Sulmtaler Huhn; Zugriff: 05.08.2026)

16 Bundesministerium Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (bmluk.gv.at: Sulmtaler Huhn; Zugriff: 24.09.2026)