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So werden Zuckerrüben in Österreich angebaut

Bis eine Zuckerrübe zur Verarbeitung in die Zuckerfabrik geliefert wird, sind viele Arbeitsschritte notwendig. Von der Aussaat über Pflege und Pflanzenschutz bis zur Ernte haben wir zusammengefasst, wie der Zuckerrübenanbau in Österreich abläuft und welche Herausforderungen es für Rübenbäuerinnen und –bauern gibt.

Anbau in Österreich und im internationalen Vergleich

Weltweit wird auf mehr als knapp sechsmal so viel Fläche Zuckerrohr wie Zuckerrüben angebaut. In der europäischen Landwirtschaft spielt hingegen nur die Zuckerrübe eine Rolle. Laut der Webseite der Europäischen Kommission macht Rübenzucker knapp 20 Prozent der Weltzuckerproduktion aus, der Rest wird aus Zuckerrohr gewonnen. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind nach Anbaufläche Brasilien, Indien und Thailand die weltgrößten Rohrzuckererzeuger.

Der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich nahm in den vergangenen Jahren ab. In Zentralamerika wird am meisten Zucker pro Kopf verbraucht, am wenigsten in Afrika. Weltweit nimmt der Konsum pro Erdbewohnerin und Erdbewohner weder stark zu noch ab, durch die steigende Bevölkerungszahl wächst aber insgesamt die Nachfrage. Knapp drei Viertel der Flächen, auf denen im Jahr 2024 in Österreich Zuckerrüben angebaut waren, liegen in Niederösterreich. Dort wiederum hat das Weinviertel die größte Bedeutung. In Oberösterreich werden vor allem im Zentralraum sowie im Eferdinger Becken Zuckerrüben angebaut. Der Bio-Zuckerrübenanbau spielt eine untergeordnete Rolle und beansprucht drei Prozent der gesamten Zuckerrübenanbaufläche in Österreich.  Die Anbaufläche von Zuckerrüben in Österreich hat in den vergangenen 25 Jahren stark geschwankt. Insgesamt ist sie aber zurückgegangen. Gleichzeitig zeigt sich beim Ertrag ein leicht positiver Trend: Auf einem Hektar Fläche können heute tendenziell mehr Tonnen

Besonderheiten in Österreich

Fruchtfolge bei Rüben: Vielfalt am Acker

Zwei Felder mit Mais links und Zuckerrüben rechts, getrennt durch einen schmalen Weg, unter blauem Himmel.

Bauern, die Zuckerrüben kultivieren, bauen immer mehrere Pflanzenarten an, nie nur Rüben. Schon die breite Fruchtfolge – die Abwechslung von Kulturarten über die Jahre am selben Feld – erfordert von den Bauern Vielseitigkeit. Ackerbauern setzen ohnehin nie nur auf eine Pflanzenart. Österreichs Rübenbauern kultivieren im Schnitt auf rund acht Hektar Zuckerrüben (Stand 2023). Deutsche Betriebe haben durchschnittlich rund 18 Hektar Rübenfläche (Stand 2023).

Königin des Ackers

Ackerboden mit kleinen grünen Pflänzchen in Reihen, einige Steine liegen zwischen der jungen Vegetation.

Die Zuckerrübe wächst in warm-gemäßigten Klimazonen am besten. Zu heiß soll es nicht sein, dann wird die Wasserversorgung der Pflanze zur großen Herausforderung. Es soll aber auch nicht zu viel regnen. Die Rübenpflanze ist frostempfindlich, das Anbaudatum im Frühjahr muss sorgfältig gewählt werden. Am besten geeignet sind nährstoffreiche und tiefgründige Böden, die nicht zu steinig sind. Die Zuckerrübe gilt als „Königin des Ackers“. Sie erfolgreich zu kultivieren ist besonders herausfordernd. In allen Bereichen ist die Zuckerrübe eine anspruchsvolle Kultur, die in guten Jahren ein gutes Einkommen liefern kann, wenn auch die Preislage passt.

Bauern an Zuckerfabrik beteiligt

Verschneiter Fabrikhof mit Schienen, Zuckerfabrik im Hintergrund, große Rübenberge im Vordergrund.

Die Rübenbäuerinnen und Rübenbauern in Österreich sind in Landesverbänden organisiert, die wiederum zu einem bundesweiten Verband zusammengeschlossen sind – über den Verband sind sie an der AGRANA, dem Unternehmen hinter der österreichischen Zuckerfabrik, beteiligt und können so auch auf Ebene der Verarbeitung und Vermarktung mitentscheiden.

In der Zuckerrübenkampagne 2024/25 verarbeitete AGRANA in Österreich an den beiden Standorten Tulln und Leopoldsdorf rund 3,3 Millionen Tonnen Zuckerrüben. Daraus wurden rund 410.000 Tonnen Zucker hergestellt. Für die darauffolgende Kampagne 2025/26 wurde die Zuckerproduktion am Standort Leopoldsdorf eingestellt – produziert wurde somit nur noch in Tulln. Eine exakte Produktionsmenge für 2025/26 hat AGRANA bisher nicht veröffentlicht. Öffentlich bekannt ist, dass in Österreich rund 1,9 bis 2,0 Millionen Tonnen Zuckerrüben verarbeitet bzw. geerntet wurden; bereits im Vorfeld wurde ein Rückgang der Zuckerproduktion auf rund 300.000 Tonnen erwartet.

© Land schafft Leben 2026

Wie in anderen landwirtschaftlichen Bereichen nimmt die Anzahl der Bäuerinnen und Bauern kontinuierlich ab. Vor 20 Jahren gab es noch fast doppelt so viele Rübenbetriebe in Österreich wie heute. Die durchschnittliche Rübenanbaufläche je Betrieb hat gleichzeitig zugenommen. Das liegt daran, dass die Zahl der Betriebe zurückging, während die Anbaufläche trotz starker Schwankungen und der Bedarf an Zuckerrüben für die Zuckerproduktion insgesamt relativ stabil blieben.

 Aussaat immer früher möglich

Eine Sämaschine zieht über ein Feld und legt in mehreren Reihen Saatgut in die Erde.

Die Aussaat von Zückerrüben erfolgt im März oder Anfang April. Der Trend geht in Richtung eines früheren Zeitpunktes. Vorteil eines früheren Termins ist mehr Ertrag. Andererseits ist das Risiko höher, dass Frostnächte die jungen Pflanzen schädigen. Die Aussaat erfolgt maschinell und ist viel präziser als früher. Wichtig ist ein eher trockener Boden. Viele Rübenbetriebe setzen beim Anbau auf Mulch- und Direktsaatverfahren. Dabei verbleiben Pflanzenreste von Vor- oder Zwischenfrüchten bis zur Aussaat im Frühjahr auf dem Feld. Die Pflanzenreste werden in den Boden eingearbeitet und das Zuckerrübensaatgut wird anschließend eingesät. Ist die Anwendung dieses Verfahrens aus betrieblichen oder standörtlichen Gründen nicht möglich, sind in der Regel eine intensivere Bodenbearbeitung sowie zusätzliche Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich.

Breite Fruchtfolge und hoher Bedarf an Nährstoffen

Zuckerrüben sind relativ selbstunverträglich, das heißt, die Anbaupause auf demselben Feld sollte mindestens vier Jahre betragen. Dies ist vor allem aus phytosanitären Gründen wichtig: Ohne ausreichende Unterbrechung der Fruchtfolge können sich Schaderreger wie Wurzelzystennematoden (Fadenwürmer) oder verschiedene Pilzkrankheiten ungehindert vermehren und ausbreiten. Als Vorfrucht eignet sich Getreide besonders gut, da es nicht von den für Zuckerrüben wichtigsten Schaderregern befallen wird. Bestimmte Zwischenfrüchte können dem Befall mit Wurzelzystennematoden sogar entgegenwirken. Kartoffeln und Mais hingegen sind für den Anbau vor der Zuckerrübe weniger geeignet. Kartoffelpflanzen, die am Feld zurückbleiben, konkurrieren mit den Rübenpflanzen um Platz und Licht. Mais fördert einen Pilz, der Rüben angreift. Wichtig ist auch eine Gründüngung vor dem Rübenanbau, damit sich der Boden auf natürlichem Weg mit Nährstoffen und Humus versorgt.

Grünes Rübenfeld an einem Feldweg mit rotem Traktor, im Hintergrund sanfte Hügel und Felder.

Phosphor, Kalium, Bor und Stickstoff: was Rüben aus dem Boden ziehen

Die Zuckerrübe braucht im Vergleich zu Getreide mehr Phosphor und deutlich mehr Kalium. Zudem haben Zuckerrüben einen besonders hohen Bedarf am Spurenelement Bor. Wenn dem Betrieb kein organischer Dünger wie Mist oder Gülle zur Verfügung steht, wird Mineraldünger benötigt, um Nährstoffe in den Boden zu bringen. Ein weiterer wichtiger Hauptnährstoff neben Phosphor und Kalium ist Stickstoff. Stickstoff wird im Rübenbau verhältnismäßig wenig gedüngt, weil zu viel Stickstoff die Zuckerproduktion in der Rübe reduzieren würde. Nitrateinträge ins Grundwasser sind daher beim Rübenanbau eher kein großes Thema. Die Rübe entzieht dem Boden viel Wasser, was für die darauffolgende Kultur problematisch sein kann. In einem trockenen Folgejahr leiden diese Kulturen daher oft unter Trockenstress.

Die Rübenpflanze baut viel Blattmasse auf, diese bleibt mitsamt dem obersten Teil der Rübe am Feld und wird wieder zu Humus. Rübenbauern lassen vergleichsweise oft eine Bodenuntersuchung durchführen, um genau zu wissen, welche Nährstoffe der Boden und die Pflanzen brauchen.

So düngen Bio-Betriebe

Bio-Betrieben steht die breite Palette an präzisen Mineraldüngern nicht zur Verfügung. Dafür kommen beispielsweise Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung oder organische Handelsdünger zum Einsatz. Bio-Betriebe setzen bei der Nährstoffversorgung aber vor allem auf langfristig wirksame Maßnahmen innerhalb einer vielfältigen Fruchtfolge. Beim Anbau von Leguminosen (Hülsenfrüchten) wird beispielsweise Stickstoff nicht verbraucht, sondern zusätzlich in den Boden eingebracht. Möglich wird dies durch Bodenbakterien, die in Symbiose mit den Wurzeln der Leguminosen leben und Stickstoff aus der Luft binden sowie für Pflanzen verfügbar machen.

Pflanzenschutz bei Zuckerrüben

Um im Herbst eine erfolgreiche Ernte einzufahren, müssen die Bauern die Rüben vor Schädlingen und Schaderregern aller Art schützen. Es sind nur Pflanzenschutzmittel erlaubt, deren Wirkstoffe und Mischungen ein aufwändiges Zulassungsverfahren durchlaufen haben. Pestizidrückstände im Zucker sind ausgeschlossen, weil es sich um eine reine Substanz handelt, die in der Verarbeitung von allen anderen Substanzen getrennt wird. Neben der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln auf die Rübenpflanze sind das Behandeln von Saatgut mit Beizmitteln und vorbeugende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Sortenwahl entscheidend für den Ertrag.

Wettlauf mit dem Unkraut

Die Rübenpflanze wächst im Jugendstadium vergleichsweise langsam. Im Wettlauf gegen andere Pflanzen um begrenzte Ressourcen wie Licht, Platz und Nährstoffe, ist das ein entscheidender Nachteil. Die Bäuerinnen und Bauern müssen den keimenden und heranwachsenden Rübenpflanzen helfen, indem sie gegen ihre Konkurrenten vorgehen.  Unkräuter im Zuckerrübenanbau können sowohl mechanisch, etwa durch Hacken, als auch mit chemisch-synthetischen Herbiziden bekämpft werden. Entscheidend ist dabei, Methode und Zeitpunkt so zu wählen, dass die jungen Rübenpflanzen nicht geschädigt werden. Herbizide müssen in der Regel mehrfach ausgebracht werden, ebenso sind auch mechanische Maßnahmen häufig zu wiederholen. Da in der biologischen Landwirtschaft keine Herbizide eingesetzt werden dürfen, kommen dort ausschließlich mechanische Verfahren zum Einsatz, die teilweise auch Handarbeit umfassen. Dies ist deutlich zeit- und arbeitsintensiver als in der konventionellen Landwirtschaft, weshalb Bio-Betriebe in diesem Bereich stärker auf Saisonarbeitskräfte angewiesen sind.

Kritisch betrachtet

„Wetterbericht“ warnt vor Pilzbefall

Es gibt Pilze, die Rübenpflanzen befallen und diese schädigen oder vernichten können. Auch dagegen gehen die Bäuerinnen und Bauern vor, um umfangreiche Ernteausfälle zu vermeiden. Die bedeutendsten Pilzkrankheiten sind die Cercospora-Blattflecken und der Echte Mehltau. Bei der Entscheidung, ob und wann ein Fungizid eingesetzt wird, können Pflanzenschutz-Warndienste unterstützen. Diese Warndienste basieren auf Prognosemodellen, die den Zusammenhang zwischen Wetterbedingungen und der Entwicklung von Schaderregern auswerten. Deuten die aktuellen oder erwarteten Witterungsverhältnisse auf ein erhöhtes Befallsrisiko hin, geben die Systeme eine Warnung aus. Rübenbetriebe erhalten so eine fundierte Entscheidungsgrundlage, um rechtzeitig und gezielt Maßnahmen zu ergreifen. Das geschieht vor allem in den Sommermonaten. Problematisch können Resistenzen sein, die Pilze gegen einzelne Wirkstoffe entwickeln. Darum ist es wichtig, nicht immer mit demselben Wirkstoff und denselben Wirkstoff-Kombinationen zu arbeiten.

Möglichst gezieltes Bekämpfen von Schädlingen

Neben der Behandlung des Saatguts (wie im folgenden Absatz beschrieben) gibt es die Möglichkeit, schädliche Insekten mit einer Insektizid-Anwendung zu bekämpfen, während die Zuckerrüben am Feld stehen. So werden zum Beispiel Blattläuse oder Schmetterlingsraupen bekämpft. Gegen manche Schädlinge, etwa Nematoden (Fadenwürmer), gibt es keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel. In diesem Fall sind vorbeugende Maßnahmen wie Fruchtfolgeplanung oder die Verwendung von nematodenresistenten Sorten besonders wichtig. Bio-Betriebe dürfen keine chemisch-synthetischen Insektizide anwenden und haben dementsprechend oft größere Verluste. Es gibt zwar biologische Pflanzenschutzmittel, diese wirken aber nur begrenzt und müssen daher oft in einer höheren Frequenz angewendet werden.

Neonicotinoide gänzlich verboten

Eigentlich seit dem Jahr 2018 verboten, gab es für den Einsatz von Neonicotinoiden als Beizmittel unter bestimmten Umständen immer wieder sogenannte Notfallzulassungen. Seit Anfang 2023 sind aber auch diese verboten, was die landwirtschaftlichen Betriebe vor große Herausforderungen stellt. Sie müssen nun auf andere Beizmittel oder zeitintensive Pheromonfallen zurückgreifen, um die Rübenpflanzen vor Schädlingen wie Erdfloh und Rüsselkäfer zu schützen. Nach anfänglichen Bedenken hinsichtlich möglicher Ertragsverluste durch den Wegfall dieser wichtigen Wirkstoffgruppe in der Beizung zeigen die bisherigen Ertragsentwicklungen derzeit keine eindeutig negativen Auswirkungen. Offenbar gelingt es den Betrieben bislang, den Wegfall durch alternative Maßnahmen auszugleichen. Ob sich diese Einschätzung auch in Jahren mit höherem Schädlingsdruck bestätigt, bleibt abzuwarten.

Wie wurden Neonicotinoide eingesetzt?

„Beizen“ nennt sich der Vorgang, bei dem die Samenkörner der Zuckerrübe mit einer Schicht überzogen werden, die Pflanzenschutzmittel gegen Insekten und Pilze enthält. Vor dem Verbot von Neonicotinoiden zur Saatgutbeizung waren in den Beizmitteln oft Wirkstoffe aus dieser Gruppe enthalten. Die Schicht schützt die Samen und jungen Rübenpflanzen davor, von Insekten gefressen und von Pilzen befallen zu werden. Im Bio-Bereich ist das Beizen mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich verboten – daher hatte das Neonicotinoid-Verbot keine direkten Auswirkungen auf die biologische Landwirtschaft.

Schädlich für Insekten: Fluch und Segen

Umweltschutzorganisationen machen Neonicotinoide mitverantwortlich für eine Reduktion der Artenvielfalt. Vertreterinnen und Vertreter aus der Landwirtschaft weisen darauf hin, dass Neonicotinoide am Saatgut gezielt nur auf Schädlinge wirken und ein generelles Verbot im Rübenanbau Schädlingen wie Erdfloh und Rüsselkäfer Tür und Tor öffnen.

Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher von Greenpeace, sagt: „Das Problem bei Neonicotinoiden ist, dass es für eine ganze Reihe von Insekten giftig ist. (...) Das zweite Problem ist, dass sie von der ganzen Pflanze aufgenommen und verteilt werden.“ Dass Neonicotinoide für Insekten giftig sind, ist nicht umstritten. Expertinnen und Experten aus der Landwirtschaft betonen aber, dass sie im Rübenanbau nur beim Beizen des Saatguts verwendet wurden und die Wirkung bereits Mitte bis Ende Mai nachgelassen hätte. Neonicotinoide, so versichert uns die Expertise aus der Landwirtschaft, wirken demnach nur auf Insekten, die die Saatkörner und die heranwachsende Pflanze fressen.

Eine Blüte entwickelt die Rübenpflanze bis zur Ernte nicht. Insekten wie Bienen, die sich nur für die Blüten interessieren, würden daher im Rübenanbau nicht gefährdet. Dass ein Ausbringen von Neonicotinoiden auf blühende Pflanzen weitreichende Folgen für Insekten und die weitere Nahrungskette haben würde, ist unbestritten.

Kritisch betrachtet

Erntezeit von Zuckerrüben

Die Zuckerrübe wird ab Mitte September bis Mitte November geerntet. Im Lager bleibt sie nur so lange bis sie zu Zucker verarbeitet wird. Der genaue Erntezeitpunkt wird dann nach Bedarf der Zuckerfabrik abgestimmt und die Planung innerhalb bäuerlicher Gemeinschaften organisiert. Diese Gemeinschaften sind wichtig, denn die notwendigen Erntemaschinen sind sehr teuer. Daher werden sie in der Regel gemeinschaftlich gekauft und von mehreren Betrieben in Absprache genutzt. Eine weitere Möglichkeit, um hohe Investitionskosten für Erntetechnik zu vermeiden, sind Lohnunternehmen. Diese bieten gegen Bezahlung an, Maschinen und Arbeitskraft für die Ernte zur Verfügung zu stellen.

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Bodenverdichtung durch Erntemaschinen

Die schweren Zuckerrüben-Erntemaschinen können den Boden unter Umständen verdichten und damit weniger durchlässig für Luft und Wasser machen. Je feuchter der Boden zur Ernte, desto problematischer ist es. Ist das Feld nach Tagen und Wochen mit wenig Niederschlag trocken, kann es sein, dass gar keine Verdichtung entsteht. Rübenbäuerinnen und -bauern achten „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ auf den richtigen Erntezeitpunkt, denn der Boden ist ihr wichtigstes Kapital.

Bodenlebewesen fühlen sich wohl, wenn sie in einem luftigen, lockeren Boden Platz haben. Wurzeln, vor allem die für die Nährstoffversorgung der Pflanze wichtigen Feinwurzeln, können verdichtete Schichten schwer oder gar nicht durchdringen. Zudem besteht die Gefahr von Staunässe, die bestimmte Wurzelkrankheiten begünstigen kann. Wenn Niederschläge nicht ausreichend in den Boden einsickern, steigt außerdem das Risiko von Verschlämmung und Bodenerosion, da der Oberboden mit dem Wasserabfluss abgetragen wird. Eine Verdichtung ist viel mehr als die sichtbare Reifenspur auf der Erde. Die großen Schäden entstehen unter der Oberfläche. Denn im Gegensatz zur Verdichtung im Oberboden ist eine Verdichtung im Unterboden nur sehr schwer korrigierbar und kann sich somit über mehrere Jahre und sogar Jahrzehnte negativ auf Bearbeitbarkeit des Bodens und Ernteerträge auswirken.

Sorgfalt „im Rahmen des Möglichen“

Um die 30 Tonnen wiegt eine Rübenerntemaschine durchschnittlich. Sie kann zusätzlich bis zu 30 Tonnen frisch geerntete Rüben transportieren, wiegt dann also rund 60 Tonnen. Das Erntefahrzeug ist so konstruiert, dass die Reifen nicht notwendigerweise hintereinander in einer Spur fahren und doppelt verdichten. Besonders an der Stelle, wo die Rüben auf einen Traktoranhänger abgeladen werden, kommt im Laufe der Ernte immer wieder ein großer Druck auf den Boden.

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Der Vergleich der vergangenen Jahre zeigt klar, wie sehr die Ernteerträge von Jahr zu Jahr schwanken. Das Wetter während einer Anbausaison ist einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung der Erntemenge. Pflanzenbau-Experte Gernot Bodner von der Universität für Bodenkultur schätzt, dass das Wetter 80 Prozent des Erfolgs ausmacht, die agrarische Praxis hingegen nur 20 Prozent.

Verarbeitung im Winter

Beleuchtete Zuckerfabrik bei Nacht, mit dampfendem Schornstein, Waggon und gelbem Licht, industrielles Ambiente.

Die Zuckerfabriken verarbeiten ausschließlich im Herbst und Winter Rüben. Die 120 bis 140 Tage der Verarbeitung werden als „Kampagne“ bezeichnet. In dieser Zeit wird 24 Stunden täglich und an sieben Tagen in der Woche gearbeitet. In Österreich gibt es einen Standort zur Zuckerrübenverarbeitung in Tulln. Ein weiterer Standort in Leopoldsdorf wurde 2025 geschlossen und dient nun als Logistik- und Verpackungszentrum. Im Frühjahr und Sommer wird die Fabrik gewartet und gereinigt. Die Verpackung läuft mit Zucker aus den Silos weiter.

Besonderheiten in Österreich

Rübentransport: im Schnitt 80 Kilometer

Tulln liegt mitten im Rübenanbaugebiet, Leopoldsdorf im Marchfeld. Obwohl es nur diese beiden Standorte gibt, sind die Transportwege überschaubar. Im Schnitt wird eine österreichische Zuckerrübe laut Brancheninformation über 80 Kilometer transportiert. Etwa die Hälfte der Rüben kommt per LKW, die andere Hälfte per Bahn. In der Nacht und am Wochenende transportiert wegen des LKW-Fahrverbots nur die Bahn. Bei der Ankunft im Werk oder noch auf einem Rübensammelplatz werden die Rüben stichprobenartig auf Qualität und Zuckergehalt überprüft. 

Güterzug steht auf schneebedecktem Gleis unter einer Verladeanlage, im Hintergrund Industriegebäude und klarer Himmel.

Wo kommt das Saatgut her?

Die Zuckerrübe gehört zur selben Pflanzenart wie Mangold und Rote Rübe. Ihre Vorfahren enthielten ursprünglich deutlich weniger Zucker. Durch gezielte Züchtung wurde der Zuckergehalt über viele Jahre hinweg erhöht, um höhere Erträge zu erzielen.

Heute verfolgen Züchtungsprogramme neben einem hohen Zuckerertrag noch viele weitere Ziele. Dazu gehört vor allem, die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge zu machen und sie besser an unterschiedliche Standortbedingungen anzupassen. Neue Zuckerrübensorten werden weltweit nur noch von wenigen großen Züchtungsunternehmen entwickelt. Die eigentliche Produktion des Saatguts von zugelassenen Sorten ist jedoch breiter verteilt.

Auch in Österreich wird Zuckerrübensaatgut regional vermehrt. Rund um Tulln gibt es zahlreiche Vermehrungsflächen der Österreichischen Rübensamenzucht Ges.m.b.H., auf denen etwa 20 bis 25 verschiedene Sorten produziert werden – sowohl für den österreichischen Markt als auch für den internationalen Vertrieb.

In Österreich sind laut der offiziellen Sortenliste des Bundesamts für Ernährungssicherheit (BAES) im Jahr 2026 mehr als 50 Zuckerrübensorten zugelassen. Diese Sorten wurden ohne den Einsatz von Gentechnik gezüchtet.

Wie verbreitet sind gentechnisch veränderte Zuckerrüben weltweit?

Grundsätzlich ist der Anbau gentechnisch veränderter Kulturpflanzen in der Europäischen Union möglich – allerdings nur, wenn eine Sorte zuvor ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchläuft. Während der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Österreich derzeit grundsätzlich nicht erlaubt ist, werden solche Sorten in anderen Ländern durchaus angebaut. In der EU sind zwei gentechnisch veränderte Zuckerrübensorten zugelassen – sie wurden so verändert, dass sie gegenüber bestimmten Herbiziden tolerant sind.

Weltweit spielen gentechnisch veränderte Pflanzen in der Landwirtschaft bereits eine große Rolle. Laut dem International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) gehören die USA, Japan und Kanada zu den Ländern mit den meisten zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzensorten. Die meisten Sortenzulassungen betreffen dabei Mais, Sojabohne und Baumwolle. Aber die Gentechnik ist auch für die Zuckerrübe von Bedeutung: in den USA werden beispielsweise fast ausschließlich gentechnisch veränderte Zuckerrübensorten angebaut – ihr Anteil liegt bei etwa 95 bis 99 Prozent.

Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt wurden oder solche enthalten, dürfen grundsätzlich in die EU importiert und hier verkauft werden. Voraussetzung ist, dass sie zuvor ein EU-Zulassungsverfahren durchlaufen haben. Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt wurden – etwa Zucker aus entsprechenden Zuckerrüben – müssen dann als „gentechnisch verändert“ gekennzeichnet werden.

Ende der Zuckerquote

Nachdem die EU die Milchquote abgeschafft hatte, war der Zuckermarkt der letzte Agrarmarkt, der durch eine Quote geschützt wurde. Die Produktionsmengen wurden durch die Quote limitiert, der Import beschränkt und Mindestpreise festgelegt. Ziel war es, stabile Preise zu gewährleisten und die regionale Versorgung zu sichern. Im September 2017 endete diese Quote, der Zuckermarkt ist seither der freien Marktwirtschaft ausgesetzt. Die Statistiken im Herbst 2017 zeigten direkt erste Auswirkungen, auch auf Österreichs Zuckerrübenanbau.

Preise werden bekanntlich von Angebot und Nachfrage bestimmt. Steigt das Angebot, fällt der Preis. Genau das verhinderte die Zuckerquote der EU. Jedes Land bekam ein Kontingent, für das ein Mindestpreis von 26,29 Euro pro Tonne Rüben gelten musste. Jede weitere Tonne galt als Überlieferung der Quote und musste meistens deutlich billiger verkauft werden. So wurde verhindert, dass ökonomisch unvernünftige Übermengen Zucker produziert wurden. Auf Druck der Welthandelsorganisation WTO ließ die EU die Zuckerquote fallen. Für das Anbaujahr 2017 war die Quote nicht mehr relevant, weil sie im September und damit noch vor der Ernte fiel.

Europäische Reaktion auf sinkende Preise: mehr Produktion

Die Entwicklung der Anbauflächen vom letzten Jahr mit Quote, 2016, auf das erste ohne, 2017, zeigt ganz klar die Reaktion auf den zu erwartenden Preisfall. In fast allen EU-Ländern wurde deutlich mehr angebaut. Das hat erst recht zum Preisfall beigetragen. Allein Deutschland hat von 2016 auf 2017 auf mehr zusätzlicher Fläche Rüben angebaut als die gesamte österreichische Rübenanbaufläche ausmachte. Dazu trug auch bei, dass aufgrund einer auslaufenden Handelsvereinbarung mit Entwicklungsländern wieder weniger Rohrohrzucker für die Verarbeitung in europäischen Zuckerfabriken importiert wurde. Insgesamt kam es also zu einem Überangebot an Zucker und naturgemäß fallenden Preisen – eine besonders erfolgreiche Ernte im Herbst 2017 förderte dieses Marktphänomen noch weiter.

Im Gegensatz zum EU-Durchschnitt reduzierte Österreich sogar als einziges Anbauland die Rübenfläche und damit die zu erwartende Erntemenge. Eine Ausweitung der Flächen machte aus Sicht der österreichischen Rübenbranche keinen Sinn. Ernst Karpfinger, Präsident des Rübenbauern-Verbandes, erinnert an die positiven Effekte der Zuckerquote. Sie habe zu einer Produktion geführt, „die dem Markt entsprochen hat“. Karpfinger befürchtete, dass die Situation schwierig bleiben würde, „bis die Landwirte europaweit vernünftig werden und ihre Anbauplanung wieder ihrem Markt entsprechend ordnen“. 2018 wurden in Europa wieder weniger Zuckerrüben angebaut – die Marktsituation blieb aber schwierig. In Österreich war 2018 bis 2020 ein deutlicher Rückgang der Anbauflächen zu beobachten. Nach einem vorübergehenden Rückgang der Zuckerrübenfläche wurden im Jahr 2024 wieder rund 43.000 Hektar Zuckerrüben angebaut. Damit liegt die Anbaufläche etwa auf dem Niveau von 2016 – also vor dem Ende der Zuckerquote.

© Land schafft Leben 2026

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Österreich verkauft mehr Zucker in andere Länder als es selbst erzeugt. Grund dafür sind Zuckerimporte, die zu Produkten wie Süßwaren verarbeitet und dann exportiert werden. Die heimische Landwirtschaft und Zuckerfabriken erzeugen zudem mehr Zucker als die Bevölkerung verbraucht.