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Ist Zucker ungesund?

Zucker gibt es als Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker, die überwiegend im Darm zu Traubenzucker (Glukose) abgebaut werden – einem lebenswichtigen Energieträger. Trotz seiner Bedeutung steht Zucker seit Jahren in der Kritik, da er mit Zivilisationskrankheiten wie Adipositas oder mit Diabetes mellitus Typ 2 in Verbindung gebracht wird. Übergewicht ist jedoch multifaktoriell bedingt, auch Bewegungsmangel, psychische Faktoren und Gene tragen wesentlich dazu bei. Wie hängen Zucker und die Zuckerkrankheit wirklich zusammen?

Wie wirkt Zucker auf unseren Körper?

Es gibt Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker. Bei den Einfachzuckern gibt es unter anderem den Traubenzucker (Glukose), den Fruchtzucker (Fruktose) und den Schleimzucker (Galaktose). Jeder Zucker wird im Darm mithilfe von Verdauungsenzymen in seine Einzelbausteine, wie Glukose, Fruktose oder Galaktose, zerlegt. Glukose ist ein wichtiger Energieträger, den der Körper bei Bedarf auch selbst herstellen kann. Besonders das Gehirn und andere Körperzellen und Organe, wie die Nieren, sind auf eine ausreichende Versorgung mit Glukose als Energiequelle angewiesen. Eine Tägliche Mindestaufnahme von etwa 150 bis 200 Gramm Kohlenhydraten ist aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll und notwendig.

Hand öffnet mit Löffel einen Schokokuchen mit flüssigem Kern, daneben Eiscreme und rote Beeren auf schwarzem Teller.

Eine Sonderstellung nimmt Fruchtzucker ein1 Fruktose wird im Darm aufgenommen, aber im Unterschied zu Glukose vor allem in der Leber weiter verstoffwechselt. Dort kann er unter anderem in Glukose umgewandelt werden. Aus diesem Grund steht ein zu hoher Konsum von Fruchtzucker im Verdacht, eine sogenannte Fettleber zu begünstigen. Denn wenn der Körper den Fruchtzucker nicht sofort als Energiequelle braucht, dann kann er die Bildung von Fett in der Leber begünstigen. Auch Mehrfachzucker, die zum Beispiel in Kartoffeln und Nudeln enthalten sind, bestehen aus Traubenzucker. Unser Körper braucht also nicht unbedingt den herkömmlichen Haushaltszucker.

Für den Körper macht es einen Unterschied, in welcher Form Kohlenhydrate aufgenommen werden. Einfachzucker wie Traubenzucker können schnell verfügbar sein, während komplexe Kohlenhydrate oft langsamer verdaut werden und häufig länger sättigen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch auch von Verarbeitung, Ballaststoffen und der Zusammensetzung der Mahlzeit ab.2,3

Was ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus?

Unser Körper zerlegt alle Kohlenhydrate in ihre Bestandteile, unter anderem in Traubenzucker. Dieser gelangt über den Darm ins Blut. Unsere Bauchspeicheldrüse erzeugt Insulin, das dafür sorgt, dass der Traubenzucker zu den Zellen gelangt und dort als Energiequelle zur Verfügung steht.

Insulin ist ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, das hilft, Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu schleusen, wo er als Energie genutzt oder gespeichert werden kann. So reguliert Insulin den Blutzuckerspiegel.

Erwachsene mit gesundem Stoffwechsel haben einen Nüchternblutzucker von unter 100 Milligramm pro Deziliter; nach dem Essen ist der Blutzuckerspiegel etwas höher, sollte aber maximal zwei Stunden danach wieder unter 140 Milligramm pro Deziliter sein. Ist die Bauchspeicheldrüse in ihrer Funktion eingeschränkt – produziert der Körper zu wenig Insulin oder die Insulinwirkung ist eingeschränkt – dann funktioniert dieser Stoffwechsel nicht oder nur reduziert. Dem Körper fehlt dann die Fähigkeit, den Zucker im Blut richtig zu verarbeiten. Ein Diabetes liegt dann vor, wenn der Nüchternblutzuckerwert wiederholt 126 Milligramm pro Deziliter oder höher ist, oder bei Gelegenheitsblutzuckerwerten von 200 Milligramm pro Deziliter. Dann spricht man von der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus4. Der lateinische Ausdruck bedeutet frei übersetzt „honigsüßer Durchfluss“.5 Früher diagnostizierte man Diabetes durch das Kosten von Urin. Schmeckte dieser süß, bestand Verdacht auf die Zuckerkrankheit.6

Typ-2-Diabetes: Häufigkeit, Auslöser und Therapiemöglichkeiten

Die häufigste Diabetes-Form ist Typ 2 und macht circa 90 Prozent der Diabetesfälle aus. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung des Zuckerstoffwechsels, bei der das Insulin zunächst nicht mehr richtig wirkt. Im weiteren Verlauf kann auch die Insulinproduktion zunehmend abnehmen.7 Diabetes-Typ 2 tritt besonders erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Der daher entstandene Begriff „Altersdiabetes“ ist überholt, weil sich Typ 2 oft schon früher bemerkbar macht. Auslöser können Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Bewegungsmangel sein.8 Die Therapie besteht aus mehreren Säulen. Oft genügt es, bestimmte Ernährungsempfehlungen zu beachten und regelmäßige Bewegung zu betreiben, um das Körpergewicht zu normalisieren. Ist dies nicht ausreichend, kann eine ergänzende medikamentöse Therapie in Form von Tabletten oder dem Spritzen von Insulin notwendig sein. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist wichtig.9

Andere Diabetes-Typen: Häufigkeit und Therapiemöglichkeiten

 Typ-1-Diabetikerinnen und -Diabetiker haben hingegen eine Stoffwechselerkrankung. Sie leiden unter Insulinmangel und müssen lebenslang Insulin verabreichen.10

 Außerdem gibt es noch Gestationsdiabetes, dass bei manchen Frauen während der Schwangerschaft aufgrund einer Insulinresistenz auftritt. Beachten Betroffene bestimmte Ernährungsempfehlungen sowie medizinische Anweisungen, hat der vorübergehende Diabetes für das ungeborene Kind keine Konsequenzen. Nach der Geburt normalisiert sich der Stoffwechsel im Normalfall wieder. Dennoch haben betroffene Frauen ein höheres Risiko, im höheren Alter an Diabetes-Typ 2 zu erkranken.11

Wie hängen „Globesity“ und Diabetes zusammen?

 Die globale Gesundheitssituation ist nicht befriedigend. Laut Schätzungen der FAO leiden 638 bis 720 Millionen Menschen 2024 an Hunger und sind von Unterernährung betroffen, während 890 Millionen Erwachsene weltweit adipös sind (Stand 2022). Das wird in dieser Erhebung mit einem Body-Mass-Index ab 30 definiert.

Mit Übergewicht oder Adipositas verbundene gesundheitliche Auswirkungen sind beispielsweise Herzkreislauferkrankungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates, sowie Diabetes mellitus Typ 2. An dieser Krankheit litten 2022 weltweit 830 Millionen Menschen.

Im Jahr 2021 starben über zwei Millionen Menschen an Diabetes oder Nierenerkrankungen aufgrund von Diabetes. Die Bezeichnung „Globesity“ (Aus „global“ und engl. „obesity“, also Fettleibigkeit) verdeutlicht diese epidemischen Ausmaße. Laut Ernährungsbericht Österreich 2017 liegt die Aufnahme von freiem Zucker bei Frauen bei etwa dem 1,8-Fachen und bei Männern beim rund 1,6-Fachen der von der WHO empfohlenen maximalen Anteile an der Gesamtenergiezufuhr. Diese Tatsache führt dazu, dass oft Zucker allein für die Übergewichtsproblematik verantwortlich gemacht wird. Jedoch spielen viele weitere Faktoren wie der gesamte Lebensstil oder die Gene eine Rolle bei der Entstehung von Übergewicht.

1 Stehle und Ellinger (2024): Einführung in die Humanernnährung, S. 108ff.

2 Stehle und Ellinger (2024): Einführung in die Humanernnährung, S. 114ff.

3 Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (fet-ev.eu:  Kohlenhydrate: Funktionen, Mythen und Wissenschaft im Fokus; zugriff: 28.04.2026)

4 Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at: Diabetes: Diagnose; Zugriff: 28.04.2026)

5 Elmadfa und Leitzmann (2023): Ernährung des Menschen, S.677ff.

6 Universität Heidelberg (uni-heidelberg.de: Honigsüßer Durchfluß; Zugriff: 2804.2026)

7 Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at: Diabetes; Zugriff: 28.04.2026)

8 Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (fet-ev.eu: Diabetes mellitus: Essen gegen den Zucker; Zugriff: 28.04.2026)

9 Elmadfa und Leitzmann (2023): Ernährung des Menschen, S. 681ff.

10 Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at: Diabetes; Zugriff: 28.04.2026)

11 Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at: Diabetes; Zugriff: 28.04.2026)