Warum heimische Lebensmittel oft klimafreundlicher sind, aber kurze Transportwege selten den Grund darstellen
Der Transport von Lebensmitteln trägt zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. Allerdings wird dieser Zusammenhang oftmals überschätzt. Wesentlich bedeutsamer ist die Frage, ob es um tierische oder pflanzliche Produkte geht. Und auch die näheren Produktionsumstände in Ställen und auf Feldern haben mit-entscheidenden Einfluss.
Egal, wie man es dreht und wendet: Tierische Lebensmittel verursachen im Vergleich zu pflanzlichen in aller Regel einen vielfach erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen. Geht man allerdings davon aus, dass Fleisch, Milch und Eier aus verschiedenen Gründen auch in Zukunft einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Ernährung ausmachen, dann zeigt sich die Relevanz unterschiedlicher Produktionssysteme beziehungsweise Herkünfte dieser Produkte. Die Bandbreite der CO2-Fußabdrücke ist enorm, je nachdem, wie genau das Lebensmittel hergestellt wird.
So schreibt etwa die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO in einer groben Annäherung über Treibhausgas-Intensitäten: „Die Intensitäten unterscheiden sich signifikant zwischen den Weltregionen, wodurch die starken Unterschiede bei der Effizienz der Produktion widergespiegelt werden. So ist zum Beispiel die Emissionsintensität von Rindfleisch in Afrika (66 kg CO2-Äq./kg) doppelt so groß wie im globalen Durchschnitt und liegt in Europa ungefähr bei dessen Hälfte (17 kg CO2-Äq./kg).“24
Unterschiede finden sich allerdings auch innerhalb Europas beziehungsweise zwischen den Ländern der Europäischen Union. Dies zeigt eine auch heute noch viel zitierte Studie des Wissenschaftsdienstes der EU-Kommission JRC aus dem Jahr 201025. In deren Rahmen haben Forschende die Klimawirkung von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch sowie von Milch und Eiern untersucht. Sie berücksichtigten dabei alle wesentlichen Emissionen, die im direkten Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Produktion stehen, auch solche, die in Drittstaaten entstehen oder anderen Sektoren angerechnet werden, also etwa Landnutzungsänderungen für die Futterproduktion in Südamerika oder Transportemissionen.
Großer Pluspunkt der Studie: An alle Herkunftsländer wurde derselbe Maßstab angelegt, sodass sich ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Studien mit möglicherweise abweichenden Berechnungsmethoden erübrigt. Es zeigt sich: Tierische Lebensmittel aus Österreich sind, verglichen mit anderen EU-Staaten, häufig klimafreundlicher. Bei Rindfleisch, Milch und Eiern wurden für Produkte aus Österreich die niedrigsten CO2-Fußabdrücke aller EU-Staaten errechnet.
Darum schneiden heimische Lebensmittel oft besser ab
Es gibt mehrere Gründe dafür, dass insbesondere tierische Lebensmittel aus Österreich im Vergleich zu anderen Herkunftsländern meist besser abschneiden. Dazu gehören ganz allgemein die eher modernen Produktionsmethoden sowie der Einsatz von Wissen und Technologie beschrieben am Beispiel der Düngerausbringung.
Die tierhaltenden Betriebe in Österreich bauen zudem einen Großteil ihres Futters selbst an oder beziehen ihn aus der näheren Umgebung. Durch den weitgehenden Verzicht auf Soja aus Regenwaldgebieten fallen kaum Emissionen aus Landnutzungsänderungen (wie Savannenumwandlungen) und geringe Transport-Emissionen an – lediglich bei Mastschweinen kann ein kleinerer Teil der Futterration auch aus solchen Sojalieferungen mit größerem CO2-Fußabdruck bestehen. Mehr dazu findest du im Artikel „Soja-Anbau: Welche klimatischen und ökologischen Auswirkungen sind möglich“.
Speziell die heimische Rinderwirtschaft liefert vergleichsweise emissionsarme Milch- und Fleischprodukte, weil sie außerdem stark auf das Zweinutzungsrind der Rasse „Fleckvieh“ setzt. Fleckvieh zeigt sowohl bei Milch als auch bei Fleisch gute Leistungen, wodurch sich die Emissionen im Gesamtsystem auf eine größere Produktmenge verteilen. Zudem leben die Kühe hierzulande durchschnittlich länger als in vielen anderen Ländern. Durch die längere Nutzungsdauer fallen proportional weniger Emissionen für die Aufzuchtphase an, in der das weibliche Rind (die Kalbin) noch keine Milch gibt. Mehr dazu im Artikel „Klimawandel: Wie groß ist der Anteil der Landwirtschaft wirklich)“ (Abschnitt „3. Blickwinkel: die Emissionen der österreichischen Landwirtschaft“) sowie im Artikel „Feld, Wald und Moor: Was hat Landnutzung mit dem Klima zu tun?“ (Abschnitt „Vom Wert des Grünlands“).
Welche Rolle spielt der Transport von Lebensmitteln bei der Klimabilanz?
Lebensmittel seien besonders klimaschädlich, wenn sie von weit her nach Österreich importiert werden, heißt es oft. Und in der Tat: Unter ansonsten gleichen Produktionsbedingungen kann die Entfernung zwischen dem Produktionsort und dem Ort des Konsums den entscheidenden Unterschied bei der Treibhausgasbilanz ausmachen.
Wahr ist allerdings auch, dass der Transport eher selten hauptverantwortlich für eine schlechte Klimabilanz von Lebensmitteln ist. Insgesamt kommen im globalen Durchschnitt, laut der Studie von Poore und Nemecek, gerade mal sechs Prozent der Treibhausgasemissionen der Lebensmittelproduktion aus dem Transport. Der Löwenanteil entsteht dagegen durch das Wirtschaften auf den Feldern, Weiden und in den Ställen.
Bei tierischen Lebensmitteln mit ihrer generell größeren Kimawirkung fällt der Transport prozentuell noch deutlich weniger ins Gewicht als bei pflanzlichen. Wenn Rindfleisch aus Südamerika also schlecht abschneidet, dann nicht wegen des Transports von Argentinien oder Brasilien nach Österreich. Vielmehr kommen dann Faktoren zum Tragen wie lange Wachstumsphasen, Rodung von Regenwald oder ausschließliche Nutzung der Rinder zur Fleischproduktion statt der Doppelnutzung für Rindfleisch und Milch. Bei ausschließlicher Fleischproduktion verteilen sich die Emissionen auf eine viel kleinere Gesamtmenge Lebensmittel. Allerdings: Auch in Brasilien gibt es verschiedenartige Produktionssysteme, von denen manche sehr effizient sind und einen relativ geringen CO2-Fußabdruck verursachen.
Der Grund für die vergleichsweise geringe Bedeutung der Transportemissionen von Lebensmitteln liegt unter andrem darin, dass weltweit weniger als 0,2 Prozent26 aller Lebensmittel-Kilometer im Flugzeug zurückgelegt werden. Lebensmittel-Kilometer (food miles) sind das Produkt aus der Menge eines Lebensmittels mit der zurückgelegten Distanz.
Der Transport per Flugzeug ist zwar in der Tat äußerst klimaschädlich, betrifft aber nur einen marginalen Anteil unseres Essens. Neben dem Bahn- und LKW-Transport fällt der allergrößte Anteil (fast 60 Prozent) der globalen Lebensmittel-Kilometer auf den Wasserweg. Die auf den Weltmeeren kreuzenden Frachtschiffe können bis zu mehrere hunderttausend Tonnen Waren laden, sodass der Treibstoffverbrauch pro Kilogramm Lebensmittel verschwindend gering bleibt. Dennoch verursacht jeder Transport selbstverständlich Emissionen und die Frage nach der Sinnhaftigkeit weltumspannender Lebensmitteltransporte bleibt legitim, vor allem dann, wenn Alternativprodukte ebenso gut aus der Region zu haben sind, oder, wenn die Massenproduktion einen übermäßigen und verschwenderischen Konsum ermöglicht. Auch darf all dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verkehrs- beziehungsweise Transportsektor insgesamt eine bedeutende Rolle spielt. In Österreich war die Beförderung von Waren und Personen im Jahr 2020 laut Klimaschutzbericht für zweieinhalb-mal so viele Emissionen verantwortlich (28 Prozent aller Emissionen) wie der Sektor Landwirtschaft (11 Prozent).
Fleischkonsum und Fliegen im Vergleich
Übrigens: Wie sehr der Transport per Luftfracht auf die Klimabilanz drückt, zeigt sich auch dann, wenn wir uns selbst per Flugzeug transportieren lassen. So verursacht der Flug einer Person von Wien nach Rom und zurück ungefähr dieselbe Klimawirkung wie der Verzehr von 80 Rindersteaks aus österreichischer Produktion á 250 Gramm. Wer seine Flugreise statt in die italienische Hauptstadt in Richtung des Surf- und Badeparadieses Bali antritt, der verursacht rechnerisch sogar fast die vierzehnfache Klimawirkung einer Rom-Reise. Der Beitrag zur globalen Erwärmung ist dann genauso groß, wie der Verzehr von 1.112 Rindersteaks.
An dieser Stelle wurde bewusst ein sehr plakativer Vergleich angestellt. Anhand einer groben Berechnung wurden zwei Formen des Konsums gegenübergestellt, die man im Grunde nicht vergleichen kann, die aber beide real existierende menschliche Bedürfnisse abdecken und Treibhausgasemissionen verursachen. Während bei den Emissionen des Steaks Faktoren wie Kühlung oder Zubereitung in der Pfanne unberücksichtigt bleiben, sind auch bei den Flugreisen zusätzlich anfallende Aktivitäten zwischen Hin- und Rückflug, wie etwa Autofahrten oder Bootstouren, nicht inkludiert.
Können spanische Tomaten klimafreundlich sein?
Selbst der LKW-Transport von Südeuropa nach Österreich muss einem Klimavorteil nicht im Wege stehen. Dies zeigt sich etwa, wenn man österreichische Tomaten, die im Winter in einem mit Erdgas beheizten Gewächshaus heranwachsen, mit spanischen Tomaten vergleicht. Die spanischen benötigen selbst im Winter keine oder kaum Heizenergie, sodass sie in Sachen Klimabilanz – trotz des weiten Weges – besser abschneiden als die heimischen.
Der entscheidende Faktor ist hier die Heizenergie und nicht der Transport. Der Zusammenhang zeigte sich im Winter 2022/23 eindrücklich. Die außergewöhnlich hohen Gaspreise haben heimische Gemüseproduzenten zur vorrübergehenden Einstellung der Produktion27 bewegt, sofern sie ihre Gewächshäuser nicht mit Geothermie oder anderen regenerativen Energien warmhalten konnten. Zu hoch wären die Preise, die man vom Kunden für eine kostendeckende Produktion hätte verlangen müssen.
Zum schlagenden Faktor der Tomatenproduktion in Sachen Klimabilanz wird der Transport allerdings im Sommerhalbjahr. Dann muss auch in Österreich nicht beheizt werden, sodass der Transport von Südeuropa die Import-Tomaten in der Regel zur schlechteren Wahl in Sachen Klimabilanz macht. Unsere Grafik zeigt Zahlen am Beispiel Deutschland, die aufgrund ähnlicher Bedingungen mit der Situation in Österreich vergleichbar sind. Dieser Zusammenhang macht klar: Lebensmittel werden nicht allein aufgrund regionaler Herkunft klimafreundlicher, vielmehr braucht es in der Regel das Zusammentreffen von Regionalität und Saisonalität. Als saisonal kann ein Produkt gelten, wenn es zum jeweiligen Zeitpunkt an einem bestimmten Ort geerntet oder – im erweiterten Sinne – aus der Lagerhaltung regionaler Produktion bezogen werden kann.
Auch dieses Beispiel zeigt, wie wichtig genaues Hinsehen beim Klimafußabdruck sein kann. Gänzlich unabhängig vom Treibhausgasausstoß können aber auch weitere Produktionsbedingungen wie etwa der Umgang mit lokalen Wasserressourcen oder die Arbeitsbedingungen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsbewertung insgesamt, so wie natürlich den Verkaufspreis des Produkts nehmen.
„Vergessener“ Transport – die Grenzen der Ökobilanz
Wie akribisch die Ökobilanz auch erstellt wurde, irgendwo stößt sie immer an Grenzen. Eine dieser Grenzen liegt ganz am Ende der Betrachtungskette. Wie erwähnt schließen die meisten Kalkulationen entweder am Hoftor des landwirtschaftlichen Betriebs oder an der Ladentheke. An diesem Punkt liegt das Lebensmittel aber längst noch nicht auf dem Teller vor uns. Dennoch bleibt der Weg zwischen Regal und Küchentisch bei gängigen Ökobilanzen außen vor. Dabei hat er das Potenzial, die individuelle Klimabilanz des Lebensmitteleinkaufs maßgeblich zu beeinflussen.
Ein grob gerechnetes Beispiel: Angenommen jemand lebt auf dem Land und erledigt seine Einkäufe mit dem Auto, so wie es in diesem Fall häufig unumgänglich ist. Wie würde es sich auf die Einkaufsbilanz dieser Person auswirken, wenn sie eigens für zwei Tassen Erdbeeren (500 Gramm) einen zusätzlichen Weg von fünf Kilometern fährt? Laut CO2-Rechner28 wird auf diesen fünf Kilometern mit einem Mittelklasse-Benziner (Verbrauch 7 Liter/100 km) ein Kilogramm CO2 ausgestoßen, während das halbe Kilo Erdbeeren rund 0,3 Kilogramm29 CO2-Äqivalente an produktionsbedingten Treibhausgasen verantwortet (Mittelwert mehrerer Herkunftsländer). Der Umweg zum Hofladen oder Selbstpflücker-Feld hat in diesem Fall also den dreifachen Klimaabdruck der Erdbeeren.
Auf jeden Topf gehört ein Deckel
Dem Durchschnittsmenschen lässt sich in Österreich für das Jahr 2021 ein offizieller Treibhausgas-Ausstoß von 8,7 Tonnen zuschreiben (dieser liegt deutlich höher, wenn man den gesamten Konsum berücksichtigt, siehe oben). Im Vergleich damit erscheinen sowohl das Kilogramm für die Autofahrt als auch die 300 Gramm für die Erdbeeren gering. Dennoch zeigt das Beispiel, wie individuelles Verhalten die Klimabilanz beeinflussen kann. Längere Autofahrten zum Einkauf nur weniger, wenn auch regional produzierter Lebensmittel, schaden dem Klima mehr als der Einkauf vergleichbarer Produkte im Laden nebenan.
Und das eigene Verhalten rund ums Essen bietet weitere wirksame Stellschrauben. So lassen sich laut österreichischer Umweltberatung30 etwa beim Kochen 20 Prozent der Energie dadurch einsparen, dass auf dem Topf ein Deckel liegt. Bei jedem Öffnen des heißen Backrohrs würden 20 Prozent der Wärmeenergie verloren gehen, die dann wieder nachgeheizt werden muss. Und das Verwenden eines Wasserkochers soll gegenüber der Wassererhitzung per Topf auf dem Herd 60 bis 80 Prozent Energieersparnis bringen. Insgesamt, so schätzt die Umweltberatung, lässt sich beim Kochen und Backen rund die Hälfte der Energie einsparen.
Auch das Verwerten von Essensresten am Folgetag kann viele Ressourcen und ganz konkret CO2-Emissionen einsparen. Nämlich dann, wenn es den Neukauf der entsprechenden Lebensmittelmenge ersetzt. Dann muss für jedes Kilo nicht verschwendetes Lebensmittel ein Kilo weniger produziert werden, wodurch sich Landflächen, Dünger oder Energie einsparen lassen. Auch die abzutransportierende Müllmenge verkleinert sich. All diese Dinge kann eine allgemeingültige Ökobilanz von Lebensmitteln nicht sinnvoll abbilden.
„Klimaneutrale“ Lebensmittel – zukunftsweisend oder Greenwashing?
Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Das bedeutet, dass die Staatengemeinschaft spätestens ab dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen darf, wie im Gegenzug wieder gebunden beziehungsweise der Atmosphäre entzogen werden können.
Während die EU und einzelne Staaten in der Zukunft klimaneutral sein möchten, reklamieren bereits heute immer mehr Unternehmen Klimaneutralität für manche ihrer Produkte – auch für bestimmte Lebensmittel. Allerdings ist kaum ein landwirtschaftlicher Produktionsprozess denkbar, der völlig ohne Treibhausgasemissionen auskommt. So ist es nahezu unmöglich, ein Feld zu beackern, ohne dass zumindest geringe Mengen an Lachgas aus dem Boden oder CO2 aus dem dieselbetriebenen Traktor freiwerden. Auch die Haltung von Nutztieren ohne jede Methanemission ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem sind im Handel etwa Fleisch, Butter oder Milch erhältlich, deren Verpackung ein Pickerl mit der Aufschrift „klimaneutral“ oder „CO2-neutral“ trägt. Wie lässt sich das rechtfertigen? Ist Klimaneutralität realistisch oder doch eher Wunschdenken? Oder handelt es sich sogar um Greenwashing, mit dem die Klimawirkung unserer Ernährung verschleiert werden soll?
Klimaneutral durch Kompensation?
In der Regel sind es zwei Arten von Maßnahmen, mit denen Unternehmen die Klimaneutralität ihrer Produkte begründen:
die Reduktion der im Produktionsprozess anfallenden Emissionen
Kompensation der als unvermeidlich betrachteten Rest-Emissionen mittels CO2-Bindung
Ersteres kann durch eigene Maßnahmen bzw. solche der zuliefernden landwirtschaftlichen Betriebe erreicht werden. So kann etwa der Verzicht auf Importfuttermittel mit hoher Landnutzungsbelastung oder die Umstellung auf regenerative Energien in der Lebensmittelverarbeitung den CO2-Fußabdruck eines Produkts verkleinern. Solche Reduktionsmaßnahmen lassen sich vergleichsweise leicht überprüfen und nachvollziehen.
Schwieriger ist dies bei der Kompensation von Emissionen. In der Regel soll dies durch den Kauf von Zertifikaten gewährleistet werden. Mit solchen Zertifikaten erwirbt man eine Art Anteil an einem Klimaschutzprojekt, zum Beispiel einem Aufforstungsprojekt. Firmen, die solche Zertifikate verkaufen, werben damit, dass die Wirksamkeit der Projekte von unabhängigen Dritten laufend kontrolliert wird. Neben Aufforstung können über den Zertifikatankauf viele andere Klimaschutzmaßnahmen finanziert werden. Auch die Renaturierung eines Moores, der Aufbau einer regenerativen Energieversorgung oder die Finanzierung von Solarkochern für in Dörfern lebende Menschen in Afrika können dazugehören.
Die Kompensation eigener Emissionen über den Ankauf von Zertifikaten steht allerdings immer wieder in der Kritik. Vor allem deshalb, weil einheitliche Standards fehlen und nicht klar geregelt ist, wann ein Produkt tatsächlich als klimaneutral betrachtet werden kann. So mag etwa der Bau einer Windkraftanlage sinnvoll sein, de facto werden dadurch aber lediglich künftige Emissionen vermieden, nicht aber CO2 aktiv aus der Atmosphäre geholt. Auch ob eine von Österreich aus finanzierte Aufforstung auf fernen Kontinenten tatsächlich dauerhaft erfolgreich ist oder welche Kohlenstoffmengen damit genau gebunden werden, ist oftmals schwer nachvollziehbar.
Schwierig wird es auch, wenn Werbebotschaften suggerieren, dass der Konsum eines „klimaneutralen“ Schnitzels so etwas wie aktiven Klimaschutz bedeutet. Menschen könnten sich dadurch ermuntert fühlen, umso mehr dieses Produkts zu konsumieren. Aus reiner Klimaschutzperspektive wäre es aber immer sinnvoller, sparsamer zu konsumieren und Emissionen erst gar nicht zu verursachen.
Auf EU-Ebene wird derzeit an einer neuen Richtlinie gearbeitet, die „grüne Werbeversprechen“ regulieren soll. Die sogenannte Green-Claims-Verordnung soll auch regeln, unter welchen Bedingungen ein Produkt als klimaneutral beworben werden darf.
Quellen
24 FAO (2022): Statistical Yearbook 2022, S. 43
25 Leip et al. (2010): Evaluation of the livestock sector's contribution to the EU greenhouse gas emissions (GGELS)
26 ourworldindata.org (2020): Very little of global food is transported by air; this greatly reduces the climate benefits of eating local; abgerufen 23.5.2023
27 orf.at (2022): Energiekrise wirft langen Schatten; abgerufen 2.5.2023
28 CO2-Rechner der Webseite myclimate.org; abgerufen am 22.3.2023
29 Wolbart (2019): Treibhausgasemissionen österreichischer Ernährungsweisen im Vergleich, Reduktionspotentiale vegetarischer Optionen
30 umweltberatung.at (2022): Strom sparen beim Kochen; abgerufen 22.3.2023
Dieser Artikel ist Teil unseres Reports „Landwirtschaft, Ernährung und Klima“.