Klimawandel: Was mit „CO2-Ausstoß“ eigentlich gemeint ist
Der Begriff „CO2“ (Kohlenstoffdioxid) steht nicht selten stellvertretend für die Gesamtheit aller Treibhausgase. Aber was genau verbirgt sich hinter entsprechenden Maßzahlen?
Beim Thema Klimawandel geht es schnell um die Frage der Schuld. Oder, um es weniger religiös zu formulieren: Alle wollen wissen, wer oder was wie viel zur Erderwärmung beiträgt. Bei der ernsthaften Auseinandersetzung mit solchen Fragen kann es schnell zu rauchenden Köpfen kommen. Der Teufel liegt, wie so oft, im Detail.
Eine der wichtigsten Botschaften lautet: Wer oder was wie stark zum Klimawandel beiträgt, lässt sich sehr unterschiedlich darstellen. Der Zweck eines CO2-Fußabdrucks bzw. einer CO2-Bilanz liegt darin, die Klimawirkung von Produkten, Ländern, Organisationen, Personen oder auch der gesamten Menschheit in Zahlen zu gießen. Das Maß aller Dinge ist dabei – in der Regel – die Menge der ausgestoßenen Treibhausgase, ausgedrückt in CO2-Äquivalenten.
So soll beispielsweise beantwortet werden, in welchem Ausmaß Fleisch, Getreide, Schuhe, Mallorca-Flüge, Stahlkonzerne, der Staat Österreich oder die in Österreich lebenden Menschen zur Klimaerwärmung beitragen. Häufig werden globale, nationale oder Unternehmens-Durchschnittswerte genannt, während es ein anderes Mal um absolute Treibhausgas-Mengen geht, die einzelne Länder, Wirtschaftszweige, Unternehmen oder die gesamte Welt innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ausstoßen.
Gesprochen wird umgangssprachlich meist von „CO2-Ausstoß, -Bilanz, -Fußabdruck“ oder auch einfach von „Klima-Bilanz“. Hinter dem Begriff CO2 verbirgt sich aber meistens weit mehr als nur das Klimagas Kohlenstoffdioxid (CO2). Gemeint sind meist die sogenannten CO2-Äquivalente. In die Summe der CO2-Äquivalente ist auch die Wirkung weiterer Klimagase wie Methan (CH4) oder Lachgas (N2O) mit eingerechnet. Mehr dazu im Artikel "Die Kuh und das Methan: eine Frage der Bewertung".
Nicht selten kommt es vor, dass etwa in den Medien wesentliche Zahlen und Fakten zum Klimawandel verwechselt werden oder es im Unklaren bleibt, worauf genau sich eine Zahl bezieht. Wenn zum Beispiel nur von der Landwirtschaft die Rede ist, bleibt offen, ob die globale Landwirtschaft als Ganzes oder vielleicht die österreichische oder steirische Landwirtschaft gemeint ist. Immer wieder kommt es auch zu Verwechslungen zwischen den Begriffen Landwirtschaft und Ernährungssystem. Letzteres umfasst mehr als Landwirtschaft, zum Beispiel auch die Verarbeitung und Kühlung von Lebensmitteln. Wenn zusätzlich Angaben zur Quelle der Zahlen fehlen, lässt sich nur schwer nachvollziehen, was wirklich Kern der Aussage ist. Problematisch ist das nicht zuletzt deshalb, weil es einen erheblichen Unterschied machen kann, ob sich prozentuale Anteile auf den nationalen oder globalen Gesamt-Ausstoß an Klimagasen oder etwa auf den nationalen oder globalen Anteil an den landwirtschaftlichen Emissionen beziehen.
Und weil in all dem noch nicht genug Verwirrungspotenzial zu stecken scheint: In Detailfragen können Regeln und Grundsätze für solche Berechnungen auch noch von Quelle zu Quelle oder im Laufe der Zeit variieren. Seriöse und realitätsnahe Berechnungen lassen sich nicht immer leicht von Studien unterscheiden, bei denen Wünsche oder Idealvorstellungen maßgeblichen Einfluss hatten. Einer der Gründe dafür ist die begrüßenswerte Tatsache, dass die Wissenschaft frei ist. Nur so kann sie ihre Aufgabe erfüllen und bestehende Ansätze in Frage stellen und kontinuierlich verbessern. Neue Ansätze und Ergebnisse einer Gruppe von Forschenden erhalten irgendwann Einzug in den wissenschaftlichen Mainstream, wenn sie sich durch die Ergebnisse anderer Gruppen bestätigen lassen. Verlässliche Zahlen zum Klimawandel, die den Stand der Wissenschaft widerspiegeln, gibt es bei anerkannten wissenschaftlichen Institutionen, wie zum Beispiel dem Umweltbundesamt oder dem Weltklimarat IPCC, oder bei Organisationen, die solche wissenschaftlichen Institutionen als Quelle nutzen und angeben.
Grundsätzlich sollte man aber jede Form der CO2-Bilanz mit Adleraugen betrachten und sich stets fragen, was genau eine Zahl aussagt.
Dieser Artikel ist Teil unseres Reports „Landwirtschaft, Ernährung und Klima“.