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Sind hohe Erträge in der Landwirtschaft gut fürs Klima? – Das Fazit aus dem Landnutzungs-Problem (Landnutzung III)

Folgt man dem Weltklimarat IPCC und anderen Forschenden, dann sind hohe Erträge auf bestimmten Agrarflächen wichtiger Bestandteil eines nachhaltigen Ernährungssystems. Erst sie ermöglichen es, andere Flächen für Klimaschutzmaßnahmen zu reservieren, etwa durch Renaturierung. Aber was genau bedeutet das? Lies dazu diesen dritten von insgesamt drei Artikeln zum Thema „Landnutzung“. 

Bei allen Diskussionen um lokale Landwirtschaft gilt es, die globalen Zusammenhänge im Auge zu behalten. Sowohl die Forschenden des IPCC als auch des Weltbiodiversitätsrats geben uns dazu implizit folgende Botschaft mit: Neben der Frage, wie Landwirtschaft betrieben wird, lautet die mit Abstand wichtigste Frage ob überhaupt Landwirtschaft auf einem Stück Land betrieben wird. Im globalen Zusammenhang ist das Ob sogar noch wichtiger als das Wie. 

Anders ausgedrückt: Wie viel Dünger oder Pflanzenschutzmittel auf einem Hektar Agrarland ausgebracht werden, wie viele Rinder auf einer Weide grasen oder ob Kulturen dort in Fruchtfolge oder als Monokultur angebaut werden, hat natürlich einen großen und keinesfalls zu vernachlässigenden Einfluss auf den Treibhausgasausstoß und andere Umweltwirkungen am Ort des Geschehens. Aber den allergewichtigsten Einfluss auf Weltklima und globales Artensterben hat eine andere Frage: Wie viel Land, vor allem Ackerland, beansprucht die Produktion von Futter- und Lebensmitteln sowie anderer agrarischer Rohstoffe? Dabei gilt: Höhere Erträge pro Hektar vermindern den Landbedarf pro Kilogramm Ernteprodukt. 

Infografik: Steigende Getreideerträge sparen weltweit Land; seit 1961 mehr als doppelt so viel Land eingespart wie genutzt. © Land schafft Leben 2026

Maßnahmen zum Schutz der Umwelt vor Ort sollten sich deswegen laut Ansicht vieler Agrarwissenschaftlerinnen stets auch an ihrer Auswirkung auf den Ertrag und damit auf den Landbedarf messen lassen. Über den Landbedarf sind die lokalen Umweltwirkungen der Landwirtschaft an globale Umweltwirkungen gekoppelt. Schließlich führen Mindererträge – bei gleichbleibendem oder wachsendem Konsum – dazu, dass die Verluste durch Mehrproduktion an einem anderen Ort ausgeglichen werden müssen. Entweder durch die Intensivierung der Produktion (mehr Dünger, mehr Pflanzenschutzmittel, besseres Saatgut etc.) oder durch die Ausweitung der Agrarflächen, sprich Landnutzungsänderungen. Bestätigt werden solche grundsätzlichen Zusammenhänge unter anderem durch eine aktuelle Studie der Uni Wageningen42 zu möglichen Auswirkungen des Green Deals der EU sowie eine Studie des Wissenschaftsdienstes der EU-Kommission JRC43. 

Mit Blick auf die EU ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Trend zur Teil-Auslagerung der Produktionsflächen zu beobachten. Laut eines Artikels im Wissenschaftsmagazin Nature hat sich hier die Fläche des Waldes zwischen 1990 und 2014 um die Fläche Griechenlands44 oder 12,6 Millionen Hektar ausgedehnt. Im selben Zeitraum gingen vor allem in Brasilien, Argentinien, Indonesien und anderen Staaten 11,3 Millionen Hektar Wald allein dafür verloren, dass auf den gewonnenen Flächen Feldfrüchte für den Export in die EU angebaut werden können. Auch in Österreich ist die Waldfläche laut Waldbericht 2023 in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich sechs Hektar pro Tag angewachsen und bedeckt inzwischen 48 Prozent der Staatsfläche. 

IPCC: Steigende Lebensmittelpreise fördern die Entwaldung 

Der Zusammenhang zwischen der landwirtschaftlichen Produktionsmenge und deren Klimawirkung ist auch an einer Grafik abzulesen, die der Weltklimarat IPCC in seinen sechsten Sachstandsbericht aufgenommen hat. Sie spiegelt das Ergebnis einer Meta-Analyse wider, in deren Rahmen vorhandene Studien über den Zusammenhang von Entwaldung und ihren Antriebskräften untersucht worden waren. Ergebnis der Meta-Analyse: Höhere Preise für Agrargüter sind der mit Abstand wichtigste Auslöser für höhere Entwaldungsraten. Da Preise vor allem durch Nachfrage und Angebot beeinflusst werden ist klar: Eine Drosselung der Produktion führt, bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen, über steigende Preise zu größerem Waldverlust und verschlimmert dadurch den negativen Klima-Einfluss des ohnehin schon wichtigsten Faktors des Ernährungssystems: Landnutzungsänderungen. 

Pflanzen für den Teller und Pflanzen für den Trog 

Im Kapitel über die CO2-Fußabdrücke von Lebensmitteln haben wir bereits darüber gesprochen, dass tierische Produkte in aller Regel eine deutlich größere Treibhausgasmenge verursachen als pflanzliche. Grund dafür sind zwei wesentliche Aspekte. 

1. Veredlung & Veredlungsverluste 

Sogenannte Veredlungsverluste sind immer dann unvermeidlich, wenn Pflanzen an Tiere verfüttert werden, die für den Menschen grundsätzlich essbar wären. Sie entstehen dadurch, dass ein beträchtlicher Teil der Energie des Futters in den Aufbau und Erhalt des gesamten Tierkörpers fließen, also neben den Zielprodukten Fleisch oder Milch auch in Knochen, Innereien, Haare oder andere Körperteile, die später nicht auf dem Teller landen. Außerdem braucht das Tier auch Energie, um sich zu bewegen, zu atmen, seinen Blutkreislauf aufrecht zu erhalten und für andere Körperfunktionen. Ohne den Umweg über den Tiermagen würde ein Großteil dieser Energie direkt dem menschlichen Organismus zukommen. 

Aber nicht jede Art von Futter könnte automatisch direkt in die menschliche Ernährung fließen. Gras ist zum Beispiel unverdaulich für den Homo Sapiens. Um es dennoch für die Ernährung nutzbar zu machen, stellt der „Umweg“ über den Wiederkäuermagen eine Art „Upcycling“ von ansonsten nicht nutzbaren Ressourcen dar. Hinzukommt, dass dieses Gras vor allem auf dem reichlich vorhandenen Dauergrünland wächst, das einen wichtigen Kohlenstoffspeicher darstellt und in puncto Klima keinesfalls mit Ackerland gleichzusetzen ist (siehe Kapitel „Vom Wert des Grünlands). Das Gras-Upcycling gleicht also umgekehrt einer Veredlung. Ähnlich verhält es sich mit als Futter genutzten Koppelprodukten, wie etwa den Schalenbestandteilen des Getreidekorns (Kleie), dem Getreidestroh oder den Getreideresten, die beim Bierbrauen übrig bleiben (Treber), für die es nur wenig oder keine Nachfrage zur Verwertung in Lebensmitteln gibt. 

Tierfutter lässt sich demnach in essbare und nicht-essbare Biomasse unterscheiden. Laut des viel zitierten Tierernährungsexperten Wilhelm Windisch von der Technischen Universität München kommen auf jedes Kilogramm pflanzlicher Lebensmittel vier Kilogramm nicht-essbare Biomasse, die auf den Agrarflächen heranwachsen oder im Zuge der Weiterverarbeitung von Ernteprodukten anfallen.45 Dazu zählen auch Produkte, die nicht den Qualitätsanforderungen der Menschen entsprechen. So hängt etwa die Qualität von Weizen stark vom jeweiligen Witterungsverlauf ab. Regnet es zur Erntezeit häufig, kann das Getreide weniger tauglich oder gänzlich untauglich für den Backprozess werden, aber sich noch immer gut zur Verwendung als Tierfutter eignen. 

Die ausschließliche Verwertung von nicht-essbarer Biomasse stellt so etwas wie ein von vielen Seiten propagiertes Nachhaltigkeitsideal dar, das in der Realität in unterschiedlichen Ausmaßen vorkommt. Ein nicht unerheblicher, wenn auch schwer bestimmbarer Anteil der Erntemengen von Getreide, Mais oder Soja, die heute an Tiere verfüttert werden, könnte – jedenfalls in der Theorie – direkt der menschlichen Ernährung dienen. Eine volle Umsetzung dieses Potenzials würde jedenfalls auch die Veränderung von Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten voraussetzen, die in den Augen mancher wohl auch einem „Herunterschrauben von Ansprüchen“ gleichkämen. So könnten wir etwa vermehrt Maisprodukte wie Polenta konsumieren oder Backwaren akzeptieren, die wegen schlechterer Mehlqualität im Ofen weniger aufgegangen, also „platter“ sind. 

Veredlungsverluste bei der Fütterung von Nutztieren bedeuten den anteiligen Verlust an jenen Ressourcen, die etwa in Form von Land, Dünger, Diesel oder Pflanzenschutzmitteln bei der Produktion des Tierfutters aufgewendet wurden. 

Demgegenüber steht das Bestreben, nicht für den menschlichen Verzehr geeignete oder nachgefragte Biomasse über den Tiermagen zu verwerten. 

2. Der Flächenanspruch der Tierhaltung 

Von der gesamten weltweit vorhandenen Agrarfläche wird der allergrößte Anteil zur Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere verwendet. Zählt man das Grünland (zwei Drittel der Agrarflächen) sowie die für den Futteranbau genutzte Ackerfläche zusammen, ergibt sich ein Anteil von annähernd 80 Prozent. Bei dieser Rechnung ist allerdings zu beachten, dass der weit überwiegende Anteil dieses Futters nicht für die Ernährung von Menschen nutzbar ist, da es sich um das Gras des Grünlandes handelt. Warum die wesentlichen Unterschiede zwischen Grünland (wichtiger Kohlenstoffspeicher und Lebensraum) und Ackerland (Anbaufläche für Getreide und viele andere Feldkulturen) stets beachtet werden sollten, kannst du ausführlich im Abschnitt „Vom Wert des Grünlands“ innerhalb des Artikel „Feld, Wald und Moor: Wie der unterschätzte Faktor ‚Landnutzung‘“ das Klima beeinflusst lesen.

Grünland kann, sofern es nachhaltig bewirtschaftet wird, ein wichtiger Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für eine große Vielfalt an Arten sein. Beides spricht dagegen, Grünland großflächig in Ackerland umzuwandeln. 

Ackerland stellt im Vergleich zum Grünland ganz grundsätzlich eine intensivere Form der Landnutzung dar. Selbst extensiv bewirtschaftetes Ackerland (das zum Beispiel wenig gedüngt wird) speichert deutlich weniger Kohlenstoff als Grünland oder Wald und wird in der Regel unter deutlich höheren Treibhausgasemissionen bewirtschaftet. Auch der Austrag von Stickstoff in Form von Nitratauswaschung ist auf Ackerland viel höher als auf Grünland. 

Schaut man separat auf das weltweite Ackerland, dann werden annähernd 40 Prozent dieser Flächen für die Produktion von Tierfutter verwendet. Besonders klimaschädlich ist es, wenn Ackerflächen durch die Umwandlung von Savannen oder die Rodung von Regenwäldern neu gewonnen werden (Stichwort Landnutzung, siehe oben.) Zum Teil werden dort gewonnene Produkte wie Soja auch nach Österreich geliefert, um hier beispielsweise als Teil des Futters von Mastschweinen Verwendung zu finden. Soja für Geflügel oder Milchkühe stammt dagegen im Rahmen einer Branchenvereinbarung aus Österreich oder anderen europäischen Ländern. So oder so: Ein maßvoller beziehungsweise reduzierter Konsum tierischer Produkte kann dabei helfen, den Druck auf die globalen Landflächen zu verkleinern. Dies gilt insbesondere dann, wenn die konsumierten Produkte zusätzlich aus klimaeffizienter und standortangepasster Produktion stammen. 

Kreisdiagramm: 50 % Ackerfläche für Lebensmittel, 38 % Futtermittel, 12 % Non-Food-Produkte weltweit. © Land schafft Leben 2026

Land teilen oder Land sparen? 

Geht man davon aus, dass die globale Landwirtschaft, deren Teil auch die österreichische ist, eine definierte Menge an Nahrungsmitteln und anderen Rohstoffen liefern muss, dann stellt sich folgende Frage: Soll diese Menge mittels einer möglichst gering-intensiven Landwirtschaft, salopp gesagt mit wenig oder gar keinem Einsatz von "Kunstdünger" und Pflanzenschutzmitteln, produziert werden? Diese Variante käme zwar im Schnitt mit weniger Treibhausgasemissionen, insgesamt geringeren negativen Umwelteffekten und größerer Artenvielfalt auf den betrachteten Produktionsflächen einher, benötigt aber wegen kleinerer Erträge auch zum Teil deutlich mehr Fläche, um die angestrebte Menge zu liefern. 

Ein Beispiel: Angenommen eine extensive Form des Getreideanbaus erwirtschaftet durchschnittlich 35 Prozent geringere Erträge pro Hektar als eine intensivere Form des Anbaus, die mit Betriebsmitteln wie synthetischem Stickstoffdünger oder Pflanzenschutzmitteln arbeitet. Das bedeutet umgekehrt, dass der extensive Anbau für dieselbe Erntemenge 54 Prozent mehr Fläche benötigt als die Intensivvariante. Würde man diese Form des Anbaus global verwirklichen, ohne dass sich andere Voraussetzungen ändern, dann ginge der erhebliche Mehrbedarf an Ackerfläche, wie beschrieben, zu Lasten von Naturflächen und würde die Emissionen durch Landnutzungsänderungen in die Höhe treiben. 

Sollte die Landwirtschaft also eher intensiv arbeiten, um die Zielmenge auf möglichst geringer Fläche zu erwirtschaften? Auf diese Weise ließen sich andere Flächen „freischaufeln“, die dann gezielt dem Klima- oder Umweltschutz gewidmet werden könnten. Zum Beispiel, indem man Moorflächen wieder vernässt, Wälder aufforstet, Heckenstreifen anlegt, mehr Flächen zeitweise brachliegen lässt oder speziell für Insekten und andere Wildtiere Blühflächen anlegt. 

In der Wissenschaft werden derartige Fragen unter der Überschrift „land sparing or land sharing“ (Land sparen oder Land teilen?) diskutiert. Viele Forschende argumentieren dabei auch für eine Mischform aus beiden Ansätzen. Dabei haben sowohl intensive als auch extensive Formen der Landwirtschaft ihre Berechtigung und ergänzen sich gegenseitig. 

Was sagt der Weltklimarat dazu? 

Der Weltklimarat hat bereits in mehreren Berichten festgestellt, dass er eine „nachhaltige Intensivierung“ der globalen Landwirtschaft als einen wichtigen Baustein zur Bekämpfung der Erderwärmung betrachtet. Angesprochen sein dürften dabei vor allem Weltregionen, in denen heute noch eine kaum technologisierte und wenig fortschrittliche Landwirtschaft vorherrscht. Nachhaltige Intensivierung kann helfen, den Druck auf Naturflächen, und damit auf Kohlenstoffspeicher, zu mindern. So hält der Weltklimarat etwa in seiner Anfang März 2023 veröffentlichten Zusammenfassung des sogenannten Syntheseberichts seines Sechsten Sachstandsberichts fest, dass es im Bereich Landwirtschaft und Landnutzung viele Optionen zur Minderung von Treibhausgasen und zur Anpassung an den Klimawandel gibt. Im folgenden Satz46 wird er konkret: 

Der Schutz, die verbesserte Bewirtschaftung und die Wiederherstellung von Wäldern und anderen Ökosystemen bieten den größten Anteil an ökonomischem Minderungspotenzial, wobei die Verringerung der Entwaldung in tropischen Regionen das höchste Gesamtminderungspotenzial aufweist.

Einen Satz47 weiter ist zu lesen:

Maßnahmen auf der Nachfrageseite (Wechsel zu nachhaltiger und gesunder Ernährung und Reduzierung von Lebensmittelverlusten/-verschwendung) und nachhaltige landwirtschaftliche Intensivierung können die Umwandlung von Ökosystemen sowie Methan- und Lachgasemissionen reduzieren und Flächen für Aufforstung und Ökosystemrestaurierung freisetzen.

Was die Expertinnen und Experten des IPCC48 unter einer nachhaltigen und gesunden Ernährung verstehen, erklären sie so: 

Nachhaltig gesunde Ernährung' fördert alle Dimensionen der Gesundheit und des Wohlbefindens von Menschen. Sie hat einen geringen ökologischen Fußabdruck, ist zugänglich, erschwinglich, sicher und gerecht sowie kulturell akzeptabel, wie von der FAO und der WHO beschrieben. Das damit verbundene Konzept der 'ausgewogenen Ernährung' bezieht sich auf eine Ernährung, die auf pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse, Nüssen und Samen sowie tierischen Lebensmitteln basieren, die in resilienten, nachhaltigen und kohlenstoffarmen Produktionssystemen hergestellt werden, wie im SRCCL (Sonderbericht Klimawandel und Landsysteme, Anmerkung) beschrieben.

Der Faktor Landnutzung kann auch Einfluss auf die Bewertung des Ausbaupotenzials der Bio-Landwirtschaft als bekannteste Form der extensiven Landwirtschaft haben. Bio- bzw. Ökolandwirtschaft kann laut Sechstem IPCC-Sachstandsbericht als „Form der Agrarökologie“ betrachtet werden, die durch „spezifische Prinzipien und damit verbundene Regeln bestimmt wird“. Die Bio-Regeln gewähren zum Beispiel Nutztieren mehr Platz. Die Verwendung synthetischer Dünger und Pflanzenschutzmittel ist explizit ausgeschlossen. Auch bestimmte Formen der Gentechnik sind in der Bio-Produktion verboten. 

Bezüglich der Klimawirkung der Bio-Landwirtschaft ist beim Weltklimarat49 zu lesen: 

Es gibt Hinweise darauf, dass der ökologische Landbau in der Regel geringere Emissionen pro Flächeneinheit verursacht, während die Emissionen pro Produkteinheit variieren und vom Produkt abhängen.

Und weiter50: 

Der ökologische Landbau erwirtschaftet in der Regel geringere Erträge. (...) Eine weitreichende Umstellung ohne fundamentale Veränderungen in Ernährungssystemen und Ernährungsweisen (...) kann zu einem Anstieg der absoluten Emissionen aus Landnutzungsänderungen führen, der durch einen größeren Flächenbedarf zur Aufrechterhaltung der Produktion bedingt ist.

Welches Fleisch beansprucht weniger Ressourcen: Huhn, Schwein, oder Rind? 

Angenommen jemand isst gerne Fleisch, möchte aber durch seinen Fleischkonsum eine möglichst geringe Klimawirkung auslösen. Sollte die Person dann eher Rindfleisch oder doch lieber das von Schweinen und Hühnern essen? Auf dem Papier ist die Antwort eindeutig, denn nach aktuell gängigen Berechnungsmethoden verursacht ein Kilo Rindfleisch deutlich mehr Treibhausgase als ein Kilo Schweine- oder Geflügelfleisch. Vor allem deshalb, weil Rinder als Wiederkäuer bei der Verdauung das Klimagas Methan produzieren. Außerdem leben sie bis zur Schlachtung länger als Hühner oder Schweine und fressen daher mehr Futter pro Kilogramm Fleisch, das sie am Ende liefern. Vor allem die Bereitstellung des Kraftfutter-Anteils verursacht Treibhausgase, also von Getreide und anderen Pflanzen, die auf Äckern statt auf Grünland wachsen. 

Und trotzdem argumentieren etliche Stimmen aus der Wissenschaft dafür, eher den Bestand an den vermeintlich klimaeffizienteren Schweinen und Hühnern zu verkleinern und den von Wiederkäuern sogar noch etwas zu erweitern. Der Grund für die Argumentation: Schweine und Hühner fressen fast ausschließlich Ackerfrüchte wie Weizen, Mais oder Soja, die wir Menschen, zumindest theoretisch, weitgehend selbst essen könnten. Ihr Futter steht also in direkter Nahrungskonkurrenz zum Menschen – im Gegensatz zu einem Rind, das, abhängig von der Fütterungsweise, hauptsächlich Gras frisst. 

In Österreich wächst dieses Gras an Standorten, die sich aufgrund des Klimas und der Topografie ohnehin nicht für den Anbau von Lebensmitteln eignen und die oft schon seit Jahrhunderten und länger als Grünland genutzt werden. Nebenbei handelt es sich bei annähernd der Hälfte des heimischen Grünlandes um artenreiches extensives Grünland, das auch Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet, die in einem reinen Wald keine Überlebenschance hätten. Mehr dazu findest du im Abschnitt „Vom Wert des Grünlands“ innerhalb des Artikel „Feld, Wald und Moor: Wie der unterschätzte Faktor ‚Landnutzung‘“ das Klima.

Was also nun: Rind oder doch besser Schwein und Huhn? Im Gespräch mit Land schafft Leben verweist Werner Zollitsch, Nutztierwissenschaftler und Nachhaltigkeitsexperte der Universität für Bodenkultur (BOKU) unter anderem auf die Welt-Landwirtschafts-Organisation FAO: „Die FAO hat schon vor 20 Jahren gesagt, dass wir Tiere eigentlich nur auf Basis von Biomasse ernähren sollten, die wir Menschen selbst nicht verwerten können. Aus diesem Grund scheiden Schwein und Geflügel zwar nicht völlig, aber doch weitgehend aus.“ 

Eine etwas andere Sichtweise vertritt Peter Breunig. Der Professor für Landwirtschaftliche Marktlehre von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sagt im Interview mit Land schafft Leben in Bezug auf die Klimawirkung von Fleisch: „So, wie wir die Tiere heute halten, gibt es eigentlich keine Diskussion, dass ein Huhn oder ein Schwein deutliche Vorteile gegenüber einem Rind hat.“ Das von vielen vorgebrachte Argument, wonach man ohne Wiederkäuer das vorhandene Grünland nicht verwerten könne, ist für ihn zu kurz gegriffen. „Dahinter steckt die Vermutung, dass viele Flächen auf der Erde keinen Nutzen bringen, außer man verwertet sie für die Tierernährung. Da ist aber nicht ganz richtig. In Wahrheit gibt es kaum Flächen, die durch landwirtschaftliche Nutzung nicht zu einem Klimanachteil führen.“ Gemeint ist damit die Überlegung, dass das Grünland weniger Kohlenstoff speichern kann, als wenn an gleicher Stelle ein Wald wachsen würde. Damit würde durch die Wiederkäuerhaltung auf dem Grünland Speicherleistung für Kohlenstoff verloren gehen. 

Aus der Sicht von Breunig gibt es trotz allem gute Gründe, die Rinderwirtschaft an dafür geeigneten Standorten wie Österreich zu erhalten. Zum Beispiel, weil sie seit Jahrtausenden das Aussehen der Kulturlandschaft prägt und dadurch zur wichtigen Stütze für Biodiversität gewachsen ist. Oder weil hier produziertes Fleisch und Milchprodukte noch immer eine viel bessere Klimabilanz haben als die gleichen Produkte aus anderen Regionen. Solange der globale Konsum wächst, wäre es zum Nachteil des Klimas, diesen mit Produkten zu decken, die mehr statt weniger Treibhausgase verursachen. „Das kann aber nicht heißen, dass wir die entgangene Kohlenstoffspeicherung ausblenden. Das wäre ja, als ob eine Firma ihre Personal- und Stromkosten ausblendet, nur weil sie ein großartiges und gefragtes Produkt herstellt.“ 

Entgangene Kohlenstoffspeicherung als Klima-Kostenfaktor? 

Peter Breunig spielt dabei unter anderem auf eine im Jahr 2018 im Wissenschaftsjournal Nature veröffentlichte Studie an. Darin haben vier Wissenschaftler unter der Leitung von Timothy D. Searchinger von der US-Universität Princeton einen vielbeachteten Vorschlag gemacht. Dieser sieht vor, für jedes Stück bewirtschaftetes Land die entgangene Kohlenstoffspeicherung zu berücksichtigen. Hintergrund ist die Überlegung, dass auf jedem Acker theoretisch auch natürliche Vegetation, in der Regel Wald, wachsen und dadurch mehr Kohlenstoff gespeichert werden könnte. Baut man stattdessen Weizen an, dann verursacht dies Klimakosten in Form der entgangenen Kohlenstoffspeicherung. Und diese müsste man bei der Berechnung von CO2-Fußabdrücken mitberücksichtigen. 

Die Forscher treffen dieselbe Annahme allerdings auch für das Grünland und gehen davon aus, dass ein Wald aus Klimasicht gegenüber Wiesen und Weiden bedeutende Vorteile brächte. Dadurch würden die CO2-Kosten der Rinderwirtschaft noch einmal deutlich größer werden als derzeit angenommen. Auch Veganismus-Aktivisten argumentieren damit, dass es für das Klima besser wäre, auf Almen und anderen Grünlandflächen würde sich der Wald ausbreiten.51 Ob Wald allerdings tatsächlich wesentlich mehr Kohlenstoff speichern kann als eine Weide an derselben Stelle, ist innerhalb der Wissenschaft umstritten. 

Thomas Guggenberger, Leiter des Instituts für Nutztierforschung an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, ist nicht der Ansicht, dass eine weitere Verwaldung Österreichs einen wesentlichen Klimanutzen brächte: „Grünlandböden sind in aller Regel sehr humusreich und haben hohe Kohlenstoffgehalte“, erklärt er. „Wächst dort ein Wald, kann dieser nur wenig zusätzlichen Kohlenstoff speichern. Der Kohlenstoff, der im Holz gebunden wird, unterschiedet sich vom Kohlenstoff im Gras lediglich in der Zeitspanne eines Umtriebs. Auf lange Sicht gesehen hält sich deshalb auch die Bindungsmöglichkeit des Waldes in Grenzen.“ 

Würde die zusätzliche Außernutzungsstellung von Grünlandflächen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Sophie Zechmeister-Boltenstern, Leiterin des Instituts für Bodenforschung an der BOKU, beantwortet die Frage so: „Die Frage ist nicht banal. Die kurze Antwort lautet: jein. Man kann im Rahmen von einigen wenigen Jahrzehnten zusätzlich Kohlenstoff in der oberirdischen Baummasse im Wald binden, diese Bindung schwächt sich aber mit der Zeit hin zu einem Gleichgewicht ab. Ab dann wird genauso viel CO2 frei, wie gebunden wird.“ 

Auch Sophie Zechmeister-Boltenstern sieht in den Grünlandböden einen „sehr effektiven unterirdischen Kohlenstoffspeicher“. Daher sei vor allem auch die Umwandlung von Ackerland in Grünland eine wichtige Maßnahme zur zusätzlichen Kohlenstoffspeicherung, die in mehreren Ländern propagiert werde. 

Ungeachtet der Klimawirkung ist allerdings unbestritten, dass das gänzliche Verwaisen, sprich die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung von Grünland und seine damit einhergehende Verwaldung speziell in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft einen erheblichen Nachteil für die Biodiversität bedeutet. Dieser Nachteil wiegt laut EU-Umweltagentur im Vergleich mit anderen Einflussfaktoren schwerer als beispielsweise der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Mehr dazu findest du im Abschnitt Grünland als wichtiger Faktor für die Biodiversität.  

Eine Rolle spielt dabei auch, dass eine abwechslungsreiche und strukturierte Kulturlandschaft von vielen Menschen als schön empfunden wird. Die Mischung aus Wäldern und Wäldchen, Wiesen und Weiden, Feldern, Gärten und Landschaftselementen wie Hecken, Obstbaumwiesen und vielem anderen lässt sich auch im Tourismus besser nutzen als reine, geschlossene Wälder. 

Egal ob oder in welcher Höhe man den Flächenanspruch der Lebensmittelproduktion in Rechnung stellt: Die Produktion tierischer Lebensmittel verursacht alles in allem deutlich höhere globale Umwelt- und Klimakosten als die Produktion pflanzlicher. Gleichzeitig liefern Fleisch und Milchprodukte im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung hochwertige und leichtverdauliche Eiweiße und Mikronährstoffe und ermöglichen die standortgerechte und nachhaltige Nutzung vorhandener Ressourcen, etwa in Form des Up-Cyclings von für Menschen unverdaulichem Grünlandaufwuchs.  

Die globale Nachfrage nach Lebensmitteln inklusive tierischer wächst. Und auch in Österreich sind tierische Produkte Teil des Speiseplans eines Großteils der Bevölkerung. Würden die heimischen Betriebe aufhören, tierische Produkte zu produzieren, dann müsste der Bedarf durch Importe gedeckt werden, solange solche Produkte konsumiert werden. Diese Importe würden zu großen Teilen unter ökologischen und sozialen Standards produziert, die unterhalb der österreichischen liegen. 

Global gesehen rechnet die FAO damit52, dass die Produktion von Lebensmitteln bis zum Jahr 2050 um rund die Hälfte gegenüber dem Jahr 2013 gesteigert werden muss, um den erwarteten Bedarf decken zu können. Würde dies dadurch geschehen, dass die globalen Agrarflächen im selben Ausmaß erweitert würden, hätte dies dramatische Folgen für bestehende Kohlenstoffspeicher, sprich das Klima, genauso wie für die Biodiversität. Nicht zuletzt deshalb kommt auch eine Studie im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums im Jahr 2021 in Bezug auf Rindfleisch zu Schluss, dass die globalen Rindfleisch-Emissionen nicht zurückgehen, sondern vielmehr anwachsen würden, wenn Österreich seine Exporte einstellt und das Fleisch stattdessen andernorts produziert wird.53 

Überschrift

42 Bremmer et al. (2021): Impact assessment of EC 2030 Green Deal Targets for sustainable crop production. 

43 JRC (2021): Modelling environmental and climate ambition in the agricultural sector with the CAPRI model 

44 Fuchs, Brown, Rounsevell (2020): Europe’s Green Deal offshores environmental damage to other nations 

45 HBLFA Raumberg-Gumpenstein (2022): 49. Viehwirtschaftliche Fachtagung, ab S. 34 

46 IPCC (2022): Synthesebericht zum 6. IPCC-Sachstandsbericht, Zusammenfassung f. politische Entscheidungsträger, S. 29 

47 IPCC (2022): Synthesebericht zum 6. IPCC-Sachstandsbericht, Zusammenfassung f. politische Entscheidungsträger, S. 29 

48  IPCC (2022): 6. Sachstandsbericht, Working Group III, Mitigation of Climate Change, S. 798 

49 IPCC (2022): 6. Sachstandsbericht, Working Group III, Mitigation of Climate Change, S. 798 

50 IPCC (2022): 6. Sachstandsbericht, Working Group III, Mitigation of Climate Change, S. 798 

51 martinballuch.com (2020): Ein kritischer Blick auf Almen; abgerufen 30.3.2023 

52 FAO (2017): The future of food and agriculture – Trends and challenges 

53 Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (2021): RESILIENZ – Corona-Krise und landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten, Lessons learnt, S. 46 

Dieser Artikel ist Teil unseres Reports „Landwirtschaft, Ernährung und Klima“.