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Klimawandel: Stoßen Kühe mehr Treibhausgase aus als Autos?

Selbst renommierte, wissenschaftlich arbeitende Organisationen sind nicht frei von Fehlern. Liefert eine veröffentlichte Berechnung scheinbar spektakuläre Ergebnisse, dann ist sie – trotz Rückruf der Urheber – schwer wieder aus der Welt zu schaffen. Dies gilt auch für einen Vergleich der Klimawirkung von Kühen und Autos. 

Vor allem in früheren Medienberichten wurde häufig behauptet, dass Kühe beziehungsweise die Tierhaltung für eine größere Menge an Treibhausgasen verantwortlich seien als Autos beziehungsweise der Verkehr als Ganzes. Zurück geht diese Behauptung auf eine längst zurückgezogene Aussage der Weltlandwirtschafts-Organisation FAO aus dem Jahr 2006. Dennoch geisterte die Falschbehauptung jahrelang durch die Medienlandschaft. Aber welchen Anteil an den Emissionen hat die Tierhaltung wirklich? 

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn auch hier kommt es sehr darauf an, was genau man vergleicht, in welcher Weise einzelne Parameter wie die Auswirkungen des Treibhausgases Methan oder der Landnutzung einberechnet werden (mehr dazu findest du in den folgenden Kapiteln) und welche Zeiträume man betrachtet. 

Mehrere braun-weiß gefleckte Kühe stehen auf einer Weide hinter einem Elektrozaun unter blauem Himmel.

Die FAO hat ihre Angaben dazu im Laufe der Zeit immer wieder angepasst. Laut eines FAO-Berichts aus dem Jahr 2006 betrug der Anteil der globalen Tierhaltung an allen menschengemachten Treibhausgasemissionen rund 18 Prozent. Direkt verknüpft wurde diese Aussage mit dem Satz „Dieser Anteil ist größer als der des Transports“13. Dieser Satz gilt als der Ursprung zahlreicher Medienberichte, obwohl er kurz danach zurückgenommen werden musste. Was war passiert? Zugrunde liegt der Aussage ein unsachgemäßer Vergleich, bei dem die Emissionen der Tierhaltung inklusive aller damit in Zusammenhang stehenden Emissionsquellen berechnet wurden, also inklusive Futteranbau, Landnutzung, Kühlung, Transport, usw., während beim Verkehr wichtige Emissionsquellen wie die Produktion von Autos, Treibstoff oder der Bau von Straßen ausgeklammert wurden. 

Eine FAO-Veröffentlichung aus dem Jahr 2013 bezifferte den Anteil der globalen Tierhaltung auf 14,5 Prozent14 aller menschengemachten Treibhausgase – diese Zahl wird noch immer häufig genannt. Und schließlich präsentiert die FAO auf ihrer Webseite im Jahr 2022 einen Anteil der Tierhaltung von 11 Prozent an den Gesamt-Emissionen des Jahres 201515. 

All die genannten Zahlen stammen von der FAO, also grundsätzlich von einer seriösen und fundierten Quelle, beziehen sich aber auf unterschiedliche Zeiträume, in denen man auch für den Verkehr auf unterschiedliche Zahlen kommt. Laut den IPCC-Zahlen ist der Transport-Sektor für 15 Prozent der globalen Gesamtemissionen 2019 verantwortlich, wobei sich auch hier ein Vergleich zwischen FAO- und IPCC-Zahlen aufgrund der Unterschiedlichkeit ihres Zustandekommens eigentlich verbietet. 

Schaut man einfach nur auf die Zahlen für Österreich, wie sie im offiziellen Klimaschutzbericht 2022 festgehalten sind, dann zeigt sich, dass der gesamte Sektor Landwirtschaft für 11 Prozent und der Sektor Verkehr für 28 Prozent der nationalen Emissionen verantwortlich ist. Beachtenswert ist außerdem, dass der Treibhausgasausstoß des Verkehrssektors zwischen 1990 und 2020 um satte 51 Prozent angewachsen ist, während die Emissionen der Landwirtschaft im selben Zeitraum um 16 Prozent zurückgegangen sind.16 

Keine Frage ist: Die Haltung von Nutztieren verursacht Treibhausgase – liefert aber eben auch wertvolle Lebensmittel. Und während der natürliche idealtypische Lebensraum des Rindes das Grünland ist, bewegt sich das Auto auf asphaltierten Straßen, die den Boden als Humusspeicher vernichten und verbrennt dabei zumeist noch immer fossile Energieträger. 

Quellen

13 FAO (2006): livestock's long shadow, S. xxi 

14 FAO (2013): Tackling Climate Change through Livestock, S. xxi 

15 foodandagricultureorganization.shinyapps.io (2022): GLEAM v3.0 dashboard, Global emissions from livestock; abgerufen Juni 2023 

16 UBA (2022): Klimaschutzbericht 2022, S. 78 

Dieser Artikel ist Teil unseres Reports „Landwirtschaft, Ernährung und Klima“.