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Wie wird Kren in Österreich angebaut?

Kren ist in Österreich eine beliebte Beilage zu verschiedenen Gerichten. Was viele nicht wissen: Handarbeit ist im Anbau der scharfen Wurzel immer noch üblich und macht den Kren zu einer relativ zeitintensiven Kulturpflanze. In diesem Artikel erklären wir, warum beim Anbau kein Saatgut verwendet wird, was es bedeutet, den Kren zu heben, und welche Herausforderungen es für Erzeugerinnen und Erzeuger geben kann.

Was ist Kren?

Kren, oder auch im deutschen Raum als Meerrettich bezeichnet, gehört zu der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Verwandt ist er zum Beispiel mit Raps, Kohl und Senf und stammt ursprünglich vermutlich aus Südosteuropa und Westasien. Seine oberirdisch wachsenden Blätter können eine Länge von bis zu einem Meter erreichen. Zum Verzehr nutzen wir die Wurzeln, die der mehrjährigen Pflanze als Speicher für Reservestoffe, wie zum Beispiel Kohlenhydrate, dienen.1

Die Wurzel der Krenpflanze wird auch Wurzel-Dauerrübe genannt: Werden die in der Krenwurzel gespeicherten Stoffe für das erneute Austreiben der Pflanze verbraucht, können im Laufe des Pflanzenwachstums wieder Reservestoffe eingelagert werden. Dieselbe Wurzel kann deshalb mehrere Jahre als Speicherorgan dienen. Bei anderen Pflanzen, beispielsweise bei der Möhre, wird das Speicherorgan nur einmalig für das Austreiben der Pflanze genutzt. Obwohl die Pflanze dadurch mehrjährig ist, hat sich in der Verwendung als Lebensmittel die Ernte im Spätherbst des Anbaujahres oder die Frühjahrsernte im Folgejahr etabliert.2

Aus Kren wird Kren: Vermehrung ohne Samen

Für den Anbau von Kren wird in der Praxis kein Saatgut verwendet, da die Schoten der Pflanze nur sehr wenige Samen enthalten, die zudem meist nicht keimfähig sind. Deswegen wird Kren über die sogenannten Fechser vermehrt: Dabei handelt es sich um die Seitenwurzeln, die sich an der größeren Hauptwurzel bilden. Im Herbst werden die Fechser auf eine bestimmte Länge zugeschnitten, überlicherweise auf 25 bis 35 Zentimeter. Die vorbereiteten Seitenwurzeln können bis zur Pflanzung im Frühjahr gelagert werden.

Viele lange, schmutzige Meerrettichwurzeln liegen in einer schwarzen Kunststoffkiste gestapelt.

Aus den gepflanzten Fechsern wachsen dann neue Hauptwurzeln und schließlich auch oberirdisch die Pflanzen heran. Diese Art der Vermehrung wird auch vegetativ genannt, da keine geschlechtlichen Fortpflanzungsorgane wie beispielsweise Blüten oder Früchte an der Vermehrung beteiligt sind. Sie wird unter anderem auch beim Anbau von Kartoffeln angewendet, bei dem statt Samen Pflanzkartoffeln verwendet werden.2

Wie läuft der Krenanbau ab?

Der Anbau von Kren umfasst mehrere Arbeitsschritte, die teilweise sehr zeitintensiv sein können und oftmals händisch ausgeführt werden. Die grundlegenden Schritte umfassen die Vorbereitung des Bodens, das Pflanzen der Fechser, das Entfernen der Seitenwurzeln, die Versorgung der Pflanze mit Nährstoffen und schließlich die Ernte der Krenstangen. Bei Bedarf werden außerdem Maßnahmen zum Schutz vor Schadorganismen ergriffen.3 Insgesamt wurden in Österreich im Jahr 2025 über 300 Hektar Kren angebaut und rund 3.200 Tonnen geerntet.4

Kren setzen

Bevor die Fechser gepflanzt werden, kann der Boden mit Maschinen gelockert werden, um eine geeignete Struktur für das Pflanzenwachstum zu schaffen. Die im Herbst vorbereiteten Fechser können von Mitte März bis Mitte April entweder händisch oder maschinell gepflanzt werden. Dafür werden sie mit einem bestimmten Abstand fast waagerecht in die vorbereiteten Furchen gelegt.

Fünf Personen sitzen auf einer Pflanzmaschine hinter einem Traktor und setzen Kren auf ein Feld. Im Hintergrund Waldrand.

Anschließend werden sie wieder mit Erde bedeckt, die leicht angehäufelt werden kann. Die waagerechte Pflanzung ist traditionell für die Produktion von „Steirischem Kren g.g.A.“, der am Gütezeichen für geschützte geografische Angabe zu erkennen ist. Fechser, die senkrecht geplanzt werden, dürfen das Gütezeichen nicht tragen. Mehr zu Steirischem Kren g.g.A. erfährst du in unserem Artikel „Wo wird Kren angebaut?“.5,6

Düngen

Wie bei allen Kulturpflanzen kann auch der Kren mit Nährstoffen versorgt werden. Das kann das Wachstum der Pflanzen positiv beeinflussen und die Wahrscheinlichkeit steigern, höhere Erträge zu erzielen.

Die Hauptnährstoffe sind vor allem Stickstoff, Phosphor und Kalium. Auch Schwefel kann zusätzlich auf das Feld ausgebracht werden, da er in der Pflanze an der Bildung von Senfölglykosiden beteiligt ist. Diese Stoffe sind unter anderem für die typische Schärfe des Kren verantwortlich.

Ein Traktor mit Düngerstreuer fährt durch ein Feld mit jungen Pflanzen, zwei Personen bedienen die Maschine.

Als Düngemittel kann beispielsweise Stallmist auf den Feldern ausgebracht werden. Die benötigte Düngemenge hängt neben anderen Faktoren auch von der bereits vorhandenen Menge der einzelnen Nährstoffe im Boden ab. Diese können beispielsweise durch die vorangegangene Kultur verbraucht oder eingetragen werden.7

Kren heben

Das „Kren heben“ ist ein wichtiger Arbeitsschritt im Anbau und sorgt für die gewollte Optik der Wurzel. Denn erst durch den Prozess bildet sich die gleichmäßige, glatte Hauptstange mit dem leicht gebogenen Kopf, wie wir sie aus dem Handel kennen. Im österreichischen Anbau ist bei diesem Arbeitsschritt Handarbeit immer noch üblich.

Ab Juni, also etwa drei Monate nach der Pflanzung der Fechser, werden die Krenstangen einzeln aus der Erde gehoben. Anlass hierfür sind dünnere Seitenwurzeln und -triebe, die sich an der Hauptwurzel bilden. Diese werden im nächsten Schritt beispielsweise durch Abreiben entfernt. Anschließend werden die Fechser wieder zurück ins Feld zurückgelegt und mit Erde bedeckt. Nach einigen Wochen kann der Vorgang wiederholt werden. Neben dem Kren heben ist ab etwa Mitte Mai auch das Freilegen der unterirdischen Wurzelköpfe sowie das Ausbrechen der Seitentriebe bis auf den stärksten Trieb ein wichtiger Arbeitsschritt. Dadurch wird verhindert, dass sich mehrköpfige Krenstangen bilden, die im Handel eher unerwünscht sind. Anschließend werden die Fechser wieder zurückgelegt und mit Erde bedeckt.8

Kren ausbauen

Die Ernte des Kren wird auch „Kren ausbauen“ genannt. Im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen erfolgt sie recht spät, da die Wurzeln im September und Oktober nochmals besonders an Größe zulegen. Wenn die Blätter gelblich werden und absterben, erfolgt die Ernte ab Ende Oktober und im November. Die Krenstangen können aber auch im Boden überwintern und erst im Frühjahr, etwa im Februar und März, geerntet werden. So kommt der Kren als österliche Tradition frisch geerntet zum Osterfest in den Handel. Welche Produkte aus Kren hergestellt werden, kannst du in unserem Artikel „Worauf kann man beim Einkauf von Kren achten?“ nachlesen.9,10

Herausforderungen im Kren-Anbau

Diverse Schadorganismen können die Krenpflanzen befallen und so beispielsweise zu Ernteeinbußen führen. Deswegen sind vorbeugende oder auch bekämpfende Maßnahmen wichtig, um die Pflanzen zu schützen und die Ernte zu sichern. Eine wichtige Maßnahme im Krenanbau ist eine geeignete Fruchtfolge: Bevor Kren erneut auf dem gleichen Feld angebaut wird, sollte eine vierjährige Pause eingehalten werden, um den Druck durch Schadorganismen zu verringern. Eine weite Fruchtfolge kann außerdem dazu beitragen, dass sich bodenbürtige Krankheitserreger weniger stark im Boden anreichern und der Infektionsdruck sinkt.11

Verschiedene Krankheiten können durch Krankheitserreger wie beispielsweise Algenverwandte, Pilzen, Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Auch Tiere können die Pflanzen beschädigen und so Ernteeinbußen verursachen, zum Beispiel durch Fraß an den Blättern. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Arten von Käfern, die auch an anderen Pflanzen der Kreuzblütler auftreten können. Manche dieser Arten werden aufgrund ihrer Fähigkeit zu springen auch Erdflöhe genannt. Um die Käferanzahl und die möglichen Schäden im Blick zu behalten, kann eine regelmäßige Kontrolle der Pflanzen ein wichtiger Arbeitsschritt sein.12

Zudem stehen natürlich auftretende Beikräuter mit dem Kren in Konkurrenz um begrenzte Ressourcen wie etwa Licht, Wasser und Nährstoffe. Diese können beispielsweise mechanisch durch den Einsatz von Hacken reguliert und gezielt entfernt werden.13

Weißer Rost am Kren

Eine bedeutende Krankheit im Krenanbau ist der Weiße Rost, der durch einen Eipilz verursacht wird. Trotz ihres Namens gehören Eipilze nicht zu den Echten Pilzen, zu denen beispielsweise Champignons zählen, sondern sind näher mit Algen verwandt.

Durch eine Infektion können sich an den Blättern der Krenpflanzen weiße Flecken und Pusteln bilden. In der Folge verkümmern die Stängel. In den Pusteln befinden sich die Organe, die sogenannten Sporangien, mit denen sich der Eipilz vermehren kann. Wenn die Pusteln aufbrechen, werden die darin gebildeten Sporen freigesetzt. Besonders bei kühler und feuchter Witterung kann sich der Erreger rasch ausbreiten. Der Eipilz kann auch bereits die Fechser infizieren, die dadurch angeschwollen oder verfärbt sein können. Eine wichtige Maßnahme, um Infektionen zu vermeiden, ist demnach die Verwendung von gesunden Fechsern für den Anbau. Kranke Pflanzen sollten außerdem schnellstmöglich entfernt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Für chemisch-synthetische Fungizide, die als Pflanzenschutzmittel zu einer Verringerung der Ernteausfälle durch einen Befall beitragen können, gibt es derzeit keine regulären Zulassungen in Österreich.14

Pilzbefall am Kren

Verschiedene Pilzarten können die Krenwurzeln befallen. Dies äußert sich beispielsweise durch dunkle Flecken oder weißlichem Belag an den Wurzeln. Ein Befall mit dem Pilz Verticillium, der die sogenannte Krenschwärze hervorruft, kann an den oberirdischen Pflanzen teilen jedoch unbemerkt bleiben. Sichtbar wird er vor allem an schwarzen, ringförmigen Verfärbungen im Inneren der Krenwurzeln. Deshalb ist es möglich, dass ein Pilzbefall erst bei der Ernte erkannt wird. Durch die Schadsymptome kann die Qualität der Krenwurzeln stark beeinträchtigt werden, sodass sie teilweise nicht mehr vermarktet werden können. Das kann wiederum zu wirtschaftlichen Einbußen für Landwirtinnen und Landwirte führen.15

Die Gestaltung der Fruchtfolge als Pflanzenschutzmaßnahme muss gut durchdacht sein. Denn manche Pilze, wie etwa Rhizoctonia solani, können auch andere Kulturpflanzen derselben Familie befallen. Dazu zählen zum Beispiel Tomaten, Kartoffeln oder Rüben. Diese Pflanzen sollten deshalb nicht direkt nach oder vor Kren angebaut werden.16

Zwei Hände halten vorsichtig ein kleines Unkraut mit wenigen grünen Blättern über trockenem Erdboden.

Quellen

1 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 386 f.

2 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 387

3 BMLUK (bmluk.gv.at: Steirischer Kren g.g.A.; Zugriff: 01.09.2026)

4 Statistik Austria (statcube.at: Gemüseproduktion ab 1995; Zugriff: 03.09.2026)

5 BMLUK (bmluk.gv.at: Steirischer Kren g.g.A.; Zugriff: 01.09.2026)

6 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 387 f.

7 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 388 f.

8 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 388

9 Steirische Spezialitäten Magazin (steirische-spezialitaeten.at: Steirischer Kren g.g.A.; Zugriff: 01.09.2026)

10 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 388 f.

11 Landwirtschaftskammer Steiermark (2016) Kren, S. 1

12 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 389

13 Laber, Lattauschke (2020) Gemüsebau, S. 388

14 Hochschule Weihenstephan (hswt.de: Krankheiten und Schädlinge am Meerrettich; Zugriff: 07.09.2026)

15 Hochschule Weihenstephan (hswt.de: Krankheiten und Schädlinge am Meerrettich; Zugriff: 07.09.2026)

16 AGES (ages.at: Rhizoctonia solani; Zugriff: 01.09.2026)