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Wie wird Siedesalz gewonnen?

Rund 1,1 Millionen Tonnen Salz werden jährlich in Österreich produziert. Der Großteil davon wird mithilfe von Wasser als Siedesalz aus den Bergen gewonnen. Wie das früher funktioniert hat, wie es heute gemacht wird und was es mit dem Begriff „Sole“ auf sich hat, erfährst du hier.

Was ist Siedesalz?

Grundsätzlich werden in Österreich sowohl Siede- als auch Steinsalz abgebaut. Ersteres macht den Großteil des jährlich abgebauten Salzes aus. Anders als Steinsalz kann es nicht direkt aus dem Berg geschlagen werden, da der Salzgehalt im Gestein nicht hoch genug ist. Stattdessen wird es mithilfe von Wasser aus dem Berg gelöst. Dabei entsteht Sole, also eine salzhaltige Flüssigkeit. Um daraus letztendlich das reine Salz zu gewinnen, verdunstet man das Wasser, sodass nur noch das Salz übrig bleibt. Verglichen mit der Stein- oder Meersalzproduktion ist die Gewinnung von Siedesalz die aufwendigste und teuerste – allerdings ist das Salz aufgrund von chemischen Prozessen bei der Gewinnung auch das reinste.

Solegewinnung früher und heute

Am Anfang der Siedesalz-Produktion steht die Solegewinnung. Dafür müssen zuerst Stollen in das salzhaltige Gestein, in das Haselgebirge, geschlagen werden. Bevor 1965 die Bohrlochsonden-Methode erfunden wurde, die bis heute angewandt wird, wurde die Sole mithilfe eines sogenannten Normalwerks gewonnen.

Normalwerk: Solegewinnung bis Mitte des 20. Jahrhunderts

Für die Solegewinnung ab dem 13. Jahrhundert bis 1965 mussten die Bergleute erst einen Stollen in den Berg treiben. Von diesem aus bildeten sie weitere Nebenstollen, die auch Zubaustrecken genannt werden. Von deren Ende aus arbeiteten sich die Bergleute weiter vor – etwa im 45-Grad-Winkel schräg nach unten. Diesen Stollen nannten sie Schurf.

Am Ende eines solchen Schurfes errichteten sie einen kleinen Hohlraum, auch Laugkammer genannt. Von dort aus legten sie einen weiteren nach unten verlaufenden Schacht an, über den später die Sole abgelassen werden konnte. Elektronisch betriebene Geräte hatten die Bergleute damals nicht zur Verfügung, alles erfolgte händisch.

Anschließend musste das Salz aus dem Berg gelöst werden. Die Bergleute führten dafür ein Rohrleitungssystem in die Laugkammer ein und füllten sie mit Wasser. Nach und nach löste das Wasser das Salz aus dem Gestein. Es dauerte etwa vier bis sechs Wochen, bis sich genügend Salz aus dem Berg gelöst hatte. Dabei trennten sich unlösliches Gestein, Sole und Wasser.

Sobald die Sole kein Salz mehr aufnehmen konnte, wurde sie über Rohre aus dem Berg heraus und in die Saline geleitet. Dort wurde das Wasser der Sole verdampft, bis letztendlich nur noch das Salz übrigblieb.

Derselbe Prozess wurde mehrmals wiederholt: Wasser einlassen, Salz aus dem Gestein lösen, Sole aus dem Berg leiten, in der Saline erhitzen und Salz gewinnen. Weil sich immer mehr Gestein absetzte, wuchs die Laugkammer immer höher und kam näher an das darüberliegende Stollensystem heran. Daher legten die Bergleute jedes Normalwerk nach etwa 15 Jahren still, um das Einstürzen der Stollen zu vermeiden.

Was ist ein Erbstollen?

Im Salzbergwerk gibt es einen Stollen, der am tiefsten liegt. Dieser wird auch Erbstollen genannt. Seine Aufgabe ist die Ableitung von Wasser aus dem Berg sowie die „Bewetterung“. Das bedeutet, dass durch den Stollen immer wieder frische Luft in das Schachtsystem gelangt.

Bohrlochsonden-Methode: Solegewinnung heute

Heute hat die sogenannte Bohrlochsonden-Methode das Normalwerk verdrängt. Diese Methode hat viele Vorteile: Anstatt schräg einen Schacht in den Berg zu treiben, bohren die Bergleute von oben vertikal nach unten. Damit gelangen sie viel tiefer in den Berg hinein: Während beim Normalwerk eine Tiefe von etwa 35 Metern erreicht wurde, kann mithilfe der Bohrlochsonden-Methode bis zu 800 Meter tief gebohrt werden. Dadurch kann das Werk etwa 60 Jahre anstatt nur 15 Jahre lang genutzt werden.

Auch die Solegewinnung selbst verläuft anders als im Normalwerk: Anstatt mechanisch einen Hohlraum zu bilden, lassen die Bergleute direkt Wasser in den Berg ein. Nach etwa zwei Jahren bildet sich eine sogenannte Kaverne, also eine Aushöhlung im Berg. Nach dieser Zeit hat sich so viel Salz aus dem Berg gelöst, dass die Kavernen mit Sole gefüllt sind. Das übrige Gestein – Bergleute nennen es auch „taubes Gestein“ – sinkt auf den Boden des Hohlraums. Zu diesem Zeitpunkt beträgt der Durchmesser einer solchen Kaverne etwa 90 bis 100 Meter. Mehr als 100 Meter Durchmesser sollten es nicht sein, da sonst die Einsturzgefahr zu groß wäre. Geprüft wird die Größe mittels Echolot-Messungen.

Anschließend werden zwei ineinander gesetzte Rohre in die Kaverne hinein gelassen. Das innere Rohr reicht tief in die Sole hinein. Durch das äußere Rohr wird Wasser in den Berg gepumpt. Dadurch entsteht im Berg Druck von etwa 30 bar. Die Sole wird somit durch das innere Rohr nach oben aus dem Berg hinaus gedrückt. Dabei löst sich immer mehr Gestein und Salz aus der oberen Schicht der Kaverne. Das übrige „taube“ Gestein sinkt wieder hinab zum Grund der Kaverne. Auf diese Weise wandert die Kaverne im Berg immer weiter nach oben. In einem Jahr werden die Rohre deshalb etwa sieben Meter weiter nach oben versetzt.

In Bergwerken wird Salz in der Regel aus mehreren Kavernen gleichzeitig gewonnen, die sich an unterschiedlichen Stellen im Berg befinden.

Technikraum in einer unterirdischen Saline mit Bohrlochsonde, Maschinen und einem Arbeiter mit Helm.

Bohrlochsonde

Wie wird Sole zu Salz?

Damit aus der Sole Salz werden kann, muss sie erhitzt und das Wasser verdampft werden. In Österreich passiert das in der Saline in Ebensee. Über etwa 40 Kilometer lange Rohrleitungen wird die Sole dafür teils ober-, teils unterirdisch von den drei Salzbergwerken in Hallstatt, Bad Ischl und Altaussee in die Saline geleitet. Pro Tag sind das etwa 10.500 Kubikmeter Sole. Mit einem Salzgehalt von rund 30 Prozent wird diese Menge durch die weitere Aufbereitung schlussendlich zu etwa 3.500 Tonnen Salz.

Was steckt in der Sole?

Die Sole ist eine salzhaltige Flüssigkeit. Sie enthält aber nicht nur herkömmliches Salz, also Natriumchlorid (NaCl), sondern auch andere gelöste Salze wie Kalzium, Magnesium, Kalium, Sulfat und Bromid. Eine Sole gilt dann als hochqualitativ, wenn sie möglichst viel Natriumchlorid und möglichst wenig Magnesium und Kalzium enthält. Das sind nämlich sogenannte Härtebildner, die Beläge verursachen, wie wir sie zuhause im Kochtopf oder an der Duschwand kennen.

Salzgewinnung bis 1950

Bis zum Jahr 1950 wurden riesige Pfannen zur Salzgewinnung verwendet, sogenannte Sudpfannen. Sie hatten einen Durchmesser von etwa 20 Metern. Die Pfannen wurden mit Sole gefüllt und von unten mittels Holzverbrennung erhitzt. Das Wasser verdunstete und das Salz setzte sich am Boden der Pfanne ab. Im nächsten Schritt wurde das Salz in Holzkisten gelagert und später zum Weitertrocknen in ein sogenanntes Dörrhaus gebracht. Um das Salz dort zu trocknen, wurde erneut Holz verheizt.

Der Holzbedarf war damals sehr hoch. Das führte dazu, dass in der Gegend des Salzkammerguts ganze Wälder abgeholzt wurden.

– Ernst Gaisbauer, Berater für Industrie- und Bergbau in Österreich.

Aber nicht nur der hohe Holzbedarf brachte Probleme mit sich: Das Heizen der offenen Pfannen war sehr ineffektiv und benötigte viel Energie. Der warme Dampf konnte entweichen und nicht weiter zum Erhitzen der Sole genutzt werden. Vergleichen lässt sich das mit einem Kochtopf ohne Deckel. Außerdem setzte sich in den Pfannen ein Belag von Gips und Kalk ab, der die Wärmeübertragung verschlechterte. Die Bergleute mussten diesen Belag immer wieder von Hand herausschlagen.

Die Pfannen-Technologie entwickelte sich stetig weiter und wurde effektiver. In den 1950er-Jahren wurde sie durch das sogenannte „Schweizerhalle-Verfahren“ in Verbindung mit einer Thermokompressions-Anlage abgelöst.

Aber auch heute werden teilweise noch Sudpfannen eingesetzt, etwa für die Gewinnung einer speziellen Salzsorte: pyramidenförmige Salzflocken. Sie sind dem aus Meersalz gewonnenem Fleur de Sel nachempfunden.

Salzgewinnung heute

Die Salzgewinnung von heute funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Nach wie vor gewinnen die Salinen Salz durch das Erhitzen der Sole. Allerdings ist die Technologie dahinter eine andere:

Heute nutzt man statt Pfannen das sogenannte Thermokompressionsverfahren. Dabei wird der Energieinhalt im Dampf verwertet. Man braucht heute also weniger Energie, obwohl Siedesalzproduktion natürlich nach wie vor ein energieintensiver industrieller Prozess ist,

– erklärt Ernst Gaisbauer

Der moderne Salzgewinnungs-Prozess kann in drei Schritte unterteilt werden:

  1. Reinigung der Sole

  2. Verdampfung

  3. Trocknung des Salzes und Finalisierung

Reinigen der Sole

Im ersten Schritt wird die Sole chemisch gereinigt. Dafür lässt man sie mit Stoffen reagieren, die dafür sorgen, dass sich das Salz von seinen Begleitmaterialien trennt. Man nennt dieses Prinzip „Schweizerhalle-Verfahren“.

In großen Reaktoren werden der Sole Substanzen zugefügt, die unerwünschte Stoffe aus der Sole herauslösen. Um etwa Magnesium und Gips aus der Sole zu entfernen, werden der Sole Kalkmilch und Mutterlauge beigemengt. Mutterlauge ist ein Rest, der bei der Salzproduktion entsteht.

Nach der ersten Reinigung kommt die Sole weiter in einen zweiten Reaktor. Hier kommen wieder Stoffe hinzu, um Kalk aus der Flüssigkeit zu lösen: Rauchgas – dieses entsteht bei der Erhitzung der Sole – und Soda.

Alle Stoffe, die keine weitere Verwendung haben, gelangen in einen Schlammstapeltank. Früher wurde dieser Mineralienschlamm noch im Fluss Traun entsorgt, heute transportieren ihn die Salinen zurück in den Berg.

Im letzten Schritt der Reinigung geht die Sole noch einmal durch eine Filteranlage und kommt als sogenannte Reinsole weiter zur Verdampfung.

Industrieanlage aus der Vogelperspektive mit runden Becken, Gebäuden, Straßen und parkenden Autos.

Ebensee von Oben

Verdampfen der Sole

Bei der Verdampfung kommt eine Thermokompressionsanlage zum Einsatz. Vereinfacht gesagt wird die Sole in Verdampfern erwärmt. Dabei konzentriert sie sich und das Salz löst sich heraus. Anders als damals, als noch offene Pfannen genutzt wurden, sind die Verdampfer oben geschlossen. Der Dampf wird in der Maschine gereinigt und zusammengepresst. Durch den Druck erhitzt sich der Dampf und gibt diese Wärme wiederum an die Reinsole weiter.

Im nächsten Schritt gelangt die übrige Sole in eine mehrstufige Vakuumanlage. Mithilfe dieser Vakuumanlage kann noch mehr Wasser verdampfen und somit noch mehr Salz aus der Sole gefiltert werden: Die Anlage besteht aus mehreren hintereinander geschalteten Verdampferstufen. In den Verdampfern entsteht Unterdruck, sodass die Sole bei niedrigeren Temperaturen zu sieden beginnt. Die Wärme des einen Verdampfers wird anschließend an den nächsten Verdampfer weitergegeben.

Trocknen des Salzes und Finalisierung

Nach den Verdampfungsprozessen ist das Salz noch feucht und muss daher getrocknet werden. Dafür kommt in eine Zentrifuge. Nach dem Schleudern beträgt der Feuchtigkeitsgehalt nur mehr ungefähr zwei Prozent. Dieses Salz kann bereits als Industriesalz verwendet werden.

Damit sich das Salz als Speisesalz eignet, muss es in den sogenannten Wirbelschichttrockner. Während dieses Trocknungsprozesses kommt oft ein Trennmittel zum Einsatz, das als „Rieselhilfe“ dient. Es sorgt dafür, dass die kleinen Salzkörner nicht zusammenkleben, sondern getrennt voneinander aus dem Salzstreuer rieseln. Bei Salz für Bio-Produkte sowie für Pharmasalz wird dieses nicht verwendet.

Person mit Schutzhelm inspiziert durch ein Gitterfenster das Innere einer industriellen Zentrifuge aus Metall.

Zentrifuge

Dünger aus der Salzproduktion

In einem der letzten Schritte der Salzgewinnung, bei dem noch mehr Salz aus der übrigen Sole herausgeholt wird, entsteht ein Produkt, das in der Landwirtschaft Anwendung findet: Kaliumsulfat. Bäuerinnen und Bauern setzen den Stoff sowohl im Bio- als auch im konventionellen Anbau als Dünger für den Gemüse-, Obst- oder Weinanbau ein. Zu viel Salz auf den Feldern tut den Pflanzen allerdings nicht gut – mehr dazu erfährst du in unserem Artikel „Wie nachhaltig ist Salz?“.

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