Was passiert bei der Karottenernte und danach?
Die Erntemethode richtet sich danach, wofür die Karotte später verwendet wird. Im nächsten Abschnitt erfährst du, wie Karotten transportiert, verpackt und schließlich vermarktet werden – und welche Schritte nötig sind, bis sie im Handel ankommen.
Wann werden Karotten geerntet?
In etwa 60 bis 195 Tagen wird aus dem Saatkorn eine reife Karotte. Wann das bunte Wurzelgemüse im Freiland gesät und geerntet wird, hängt vor allem von der Sorte und dem Verwendungszweck ab. Frühe Sorten, die bei uns meist als frische Ware verkauft werden, werden oft schon ab Februar angebaut – und können dann bereits ab Ende April geerntet werden. Für einen besonders frühen Anbau wird der Boden mit Folie oder Vlies abgedeckt, um die Wärme besser zu halten. Spätere Sorten folgen ab April oder Mai. Sie werden je nach Bedarf bis in den Dezember hinein geerntet und vor allem als Lagerware oder für die Verarbeitung genutzt.1 Karotten werden geerntet, sobald sie die gewünschte Größe und Farbe erreicht haben – je nachdem, wofür sie verwendet werden. Auch die Form spielt eine Rolle: Mit der Zeit wird das untere Ende der Wurzel stumpfer. Genau diese Form ist zum Beispiel bei sogenannten „Waschkarotten“ erwünscht – also jenen Karotten, die sortiert, gewaschen und abgepackt im Supermarktregal landen.2
Laut Statistik Austria entfielen 2025 rund 17 Prozent der geernteten Gemüsemenge auf Karotten – bezogen auf die erfassten Gemüsearten und unabhängig davon, ob sie im Freiland oder im geschützten Anbau produziert wurden.3
Karotten sind eigentlich zweijährige Pflanzen: Im ersten Jahr bilden sie die Wurzel – also das, was bei uns auf dem Teller landet. Erst im zweiten Jahr würden sie blühen und Samen bilden. Für den Verzehr werden Karotten jedoch schon im ersten Jahr geerntet. Würde man sie weiterwachsen lassen, würde die Pflanze Energie in die Blüte stecken – die Wurzel wird dann holzig und ist nicht mehr genießbar. Zur Blüte kommen daher nur Karotten, die gezielt für die Saatgutproduktion angebaut werden. Hier ist die Blüte notwendig, um Samen für den weiteren Gemüseanbau zu gewinnen.4
Wie werden Karotten geerntet?
Wie Karotten geerntet werden, hängt stark davon ab, wie sie später vermarktet werden – die folgenden Methoden sind typische Beispiele:
Viele Karotten werden mit einem sogenannten Klemmbandroder geerntet. Dabei greift die Maschine das Laub und zieht die Karotten schonend aus der Erde. Voraussetzung dafür ist, dass das Laub intakt und stabil ist. Oft wird der Boden dafür vorher leicht aufgelockert, damit das Wurzelgemüse leicht und unbeschadet herausgezogen werden kann.
Bei Bundkarotten bleibt dieses Grün erhalten – sie werden nach der Ernte direkt händisch gebündelt und frisch verkauft. Das ist sehr arbeitsintensiv und meist mit dem Einsatz von Saisonarbeitskräften verbunden. Auf manchen Betrieben erfolgt sogar die ganze Ernte noch per Hand.
Auch Waschmöhren werden zunächst über das Laub geerntet. Im Unterschied zu Bundkarotten wird das Grün danach jedoch noch direkt am Feld entfernt - es bleibt zurück und wird durch Zersetzung wieder Teil des Nährstoffkreislaufs. Die Karotten werden über Förderbänder verladen, später gewaschen und verpackt.
Für Industriekarotten, die weiterverarbeitet werden, kommen oft andere Maschinen zum Einsatz, etwa der Siebkettenroder. Dabei werden Karotten und Erde gemeinsam aufgenommen und über eine rüttelnde Kette transportiert. Die Erde fällt zurück aufs Feld, während die Karotten gesammelt und über Förderbänder in Anhänger verladen werden. Dieses Verfahren ist weniger schonend, dafür aber besonders effizient.5
Da die für die Ernte benötigten Maschinen oft sehr teuer sind, lohnt sich die Anschaffung nicht für jeden Betrieb. Deshalb gibt es in der Praxis verschiedene Lösungen: Eine Möglichkeit ist, die Ernte an Lohnunternehmen zu vergeben. Sie übernehmen die Arbeiten gegen eine Gebühr und bringen sowohl die nötige Technik als auch das Personal mit. Eine andere Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mehrerer Betriebe, etwa in einem Maschinenring. Dabei werden Maschinen gemeinsam gekauft und genutzt. So sind sie besser ausgelastet – und auch kleinere Betriebe können moderne Technik wirtschaftlich einsetzen.6
Kurze Transportwege nach der Ernte
Österreichs größte karottenverarbeitende Betriebe, die die frisch geernteten Karotten beispielsweise in Form von Tiefkühlgemüse haltbar machen, sind nicht nur zufällig im Marchfeld ansässig. Dort liegen nämlich die meisten Anbauflächen für Karotten in Niederösterreich.7 Durch die Nähe zu vielen Gemüsebetrieben sind die Transportwege kurz – das minimiert nicht nur den CO2-Fußabdruck an dieser Stelle der Wertschöpfungskette, sondern führt dazu, dass das Gemüse auch möglichst frisch weiterverarbeitet werden kann. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse zum Beispiel verarbeitet direkt im Marchfeld: zwischen Feld und Fabrik liegen im Schnitt 13 bis 14 Kilometer.8
Aussortieren
Die Reise der Karotte ist nach der Ernte noch lange nicht vorbei. Vom Einlagern über das Verpacken bis hin zum Vertrieb und der Logistik durchläuft sie mehrere sorgfältig abgestimmte Schritte, bevor sie im Handel oder in Großküchen ankommt.
Wie werden Karotten gelagert?
Karotten sind ein typisches, aber empfindliches Lagergemüse - sie verlieren schnell Feuchtigkeit, sind anfällig für Druckstellen und Fäulnis und reagieren empfindlich auf CO₂ und Ethylen. Gegen Ende des Jahres ernten Bäuerinnen und Bauern jene Karotten, die für die Lagerung bestimmt sind. Diese kommen dann beispielsweise in ein Kühlhaus oder sie überwintern direkt am Feld - in der Erde und mit Stroh abgedeckt. Üblicherweise werden die Karotten aber in Kisten bei maximal ein bis zwei Grad in Dunkelheit und bei möglichst hoher relativer Luftfeuchtigkeit gelagert. Nach der Erntezeit werden nach und nach Karotten aus dem Lager entnommen, um den Bedarf der Konsumentinnen und Konsumenten im Winter und Frühjahr zu decken. Gewaschen werden sie in dem Fall erst nach der Lagerung, um das Risiko von Verletzungen vor der Einlagerung zu minimieren. Die Erde bleibt beim Einlagern in der Regel auf den Karotten. Dadurch wird die Feuchtigkeit besser gehalten und ein Austrocknen der Karotten verhindert. So enthält eine Kiste zum Beispiel während der Lagerung bis zu 40 Prozent Erde und 60 Prozent Karotten.9,10
Waschkarotten für den Verkauf verpacken
Das Entfernen der Erde und Waschen der Karotten wird maschinell in dafür spezialisierten Anlagen erledigt. Die Arbeitsschritte nach der Ernte führen zum Beispiel Erzeugerorganisationen oder größeren Gemüsebetriebe selbst durch, wenn sie über die notwendige Technik vor Ort verfügen. Die gesammelte Erde kommt zurück auf die Felder oder wird von externen Firmen zur Erzeugung von Blumenerde genutzt. Die Karotten werden nach dem Wachen sorgfältig sortiert und verpackt. Eine gängige Verpackungsform für den Supermarkt sind Kunststoffsackerl mit kleinen Löchern - meist in haushaltsüblichen Füllmengen von 0,5 oder 1 kg. Die Verpackung verhindert unter anderem, dass die Karotten austrocknen. Fertig abgepackt werden die Karotten dann etwa an den Lebensmittelhandel oder die Gastronomie verkauft.11,12
Vertriebsweg: Großhandel
Großhändlerinnen und Großhändler beliefern sämtliche Einrichtungen des Außer-Haus-Konsums, also Hotels, Restaurants, Schulen, Krankenhäuser, Altersheime, Kantinen, Gefängnisse und viele mehr. Karotten sind eines von vielen Lebensmitteln, die die aufwändige Logistikkette von Großhandelsbetrieben durchlaufen. Laut dem oberösterreichischen Unternehmen Kröswang sind Tiefkühlkarotten das gefragteste Karottenprodukt in diesem Bereich. In den Großküchen muss es schnell gehen, die Karotten sind bereits vom Verarbeitungsbetrieb gewürfelt oder in Streifen oder zu Babykarotten geschnitten. Auch Frischkarotten sind gefragt, ob geschnitten und geschält oder ungeschält in Fünf-Kilo-Packungen. Frische Karotten bezieht Kröswang hauptsächlich aus Österreich, geschnittene küchenfertige Frischkarotten hauptsächlich aus Bayern. Vor allem bei Tiefkühlkarotten steht der Preis im Vordergrund. Kröswang bezieht diese so wie die meisten Großhändler aus dem EU-Land, in dem die definierte Qualität gerade am günstigsten ist, daher oft aus Belgien. Teilweise sind die Tiefkühlkarotten auch aus Österreich.13
Logistik
Der Großhändler Kröswang lagert Frischkarotten zwei bis vier Tage bei vier Grad oder verkauft sie innerhalb von 24 Stunden weiter. Tiefkühlkarotten liegen für gewöhnlich zwei bis vier Wochen bei minus 20 Grad im Lager. Ein zentraler Bestandteil der Dienstleistung des Großhandels ist, dass er viele verschiedene Lebensmittel auf Lager hat und diese auf Kundenwunsch kombinieren kann.14
Quellen
1 Wellinger et al. (2006): Karotten: Anbau, Erntezeitpunkt und Lagerung, AGRARForschung 13 (10): 412–417
2 Laber und Lattauschke (2020): Gemüsebau, 3. erweiterte Auflage, S. 219ff
3 Statistik Austria (statistik.at, STATCUBE: Gemüseproduktion ab 1995 – Gemüseart nach Jahr und Werte; Zugriff: 20.04.2026)
4 Laber und Lattauschke (2020): Gemüsebau, 3. erweiterte Auflage, S. 219ff
5 Laber und Lattauschke (2020): Gemüsebau, 3. erweiterte Auflage, S. 219ff
6 EG mit Andreas Felber (LK Niederösterreich) vom 22.04.2026
7 EG mit Andreas Felber (LK Niederösterreich) vom 22.04.2026
8 Land Niederösterreich (noe.gv.at: Gemüsebau – Gemüse- und Gartenbau; Zugriff: 20.04.2026)
9 EG mit Norbert Friedrich (ETG e. Gen. Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse) vom 12.10.2016
10 Laber und Lattauschke (2020): Gemüsebau, 3. erweiterte Auflage, S. 219ff
11 EG mit Herbert Bucher (EOM – Erzeugerorganisation Marchfeldgemüse GmbH) vom 21.10.2016
12 Laber und Lattauschke (2020): Gemüsebau, 3. erweiterte Auflage, S. 219ff
13 EG mit Thomas Holl (Kröswang) vom 13.01.2017
14 EG mit Thomas Holl (Kröswang) vom 13.01.2017