Welche Gütesiegel und Kennzeichen gibt es bei Rindfleisch?
Rindfleisch aus Österreich steht für Vielfalt und Qualität: Neben dem AMA-Gütesiegel und zahlreichen Biosiegeln gibt es regionale Markenprogramme wie Alpenvorland Rind, Salzburger Jungrind, Tiroler Almrind oder Styria Beef. Auch der Lebensmitteleinzelhandel bietet eine breite Auswahl an Qualitätsprogrammen. Hier findest du einen Überblick.
Auf frischem, unverpacktem Rindfleisch sowie auf frischem, verpacktem Rindfleisch muss angegeben werden, wo das Tier geboren, aufgezogen und geschlachtet wurde. Das Etikett trägt somit beispielsweise die Information: Aufgezogen in: Österreich und geschlachtet in: Österreich.
Anstelle dieser beiden Angaben kann auch „Ursprung: Österreich“ auf der Verpackung stehen. In diesem Fall muss das Tier im angegebenen Land geboren, aufgezogen und geschlachtet worden sein. Neben diesen Angaben muss beim Rindfleisch das Etikett auch noch den Hinweis enthalten, wo das Fleisch zerlegt worden ist. Ist das Fleisch küchen- oder verzehrfertig, also etwa gewürzt oder mariniert, entfällt die Pflicht zur Herkunftskennzeichnung. Handelt es sich bei Faschiertem um ein gemischtes, also Teilmengen von Schweine- und Rindfleisch, so muss erst ab einem Rindfleischanteil von 50 Prozent die Herkunft dessen verpflichtend gekennzeichnet werden.
Du möchtest mehr über Gütesiegel im Allgemeinen erfahren? Dann lies dich durch unseren Artikel „Was Gütesiegel über Lebensmittel verraten”.
Gütesiegel und Kennzeichen
Der Einkauf von Rindfleisch kann durchaus eine Herausforderung sein – und das liegt nicht nur an den vielen verschiedenen Teilstücken, die das Rind zu bieten hat. Wer seine Kaufentscheidung nicht bloß anhand der Optik des Produkts oder anhand des Preises treffen möchte, kann einen genaueren Blick auf die Herkunftsangabe des Fleisches werfen (zumindest bei unverarbeitetem Fleisch), aber auch die verschiedenen Gütesiegel und Labels können als Anhaltspunkt dienen. Doch auch das klingt einfacher als es tatsächlich ist: Speziell beim Rindfleisch gibt es in Österreich verschiedene Qualitäts- und Markenprogramme.
Neben Qualitätsprogrammen wie dem AMA-Gütesiegel oder den verschiedenen Biosiegeln finden sich die unterschiedlichsten Regionalprogramme: Dazu zählen zum Beispiel Alpenvorland Rind, Salzburger Jungrind, Tiroler Almrind oder Styria Beef.
Auch der Lebensmitteleinzelhandel bietet eine Menge Markenprogramme, unter anderem rund um das Thema Tierwohl: FairHOF, FAIRantwortung fürs Tier, Fair zum Tier, TANN schaut drauf und viele mehr sind den meisten vermutlich ein Begriff.
Auch diverse Tierschutzorganisationen wie zum Beispiel Gesellschaft !Zukunft Tierwohl! vergeben Tierwohl-Labels, die auf speziell festgelegten Richtlinien basieren.
Um ein bisschen Licht in den Gütesiegel-Dschungel zu bringen, haben wir einen Auszug an Gütesiegeln, die für das Rindfleisch besonders relevant sind, für dich parat:
AMA-Gütesiegel
Das AMA-Gütesiegel sagt aus, dass die Rinder ihr gesamtes Leben in Österreich verbracht haben, also hier geboren, gemästet und geschlachtet wurden. Auch alle weiteren Verarbeitungsschritte müssen in Österreich erfolgen. Es werden gewisse Punkte geregelt, die über das Tierschutzgesetz in Österreich hinausgehen: Beispielsweise müssen AMA-zertifizierte Bäuerinnen und Bauern Mitglied beim Tiergesundheitsdienst sein, bei Antibiotika-Verabreichung ist die doppelte gesetzliche Wartezeit vorgeschrieben. Jene Futtermittel, die nicht am eigenen Betrieb erzeugt und somit zugekauft werden, müssen AMA-zertifiziert sein.
Die AMA bietet auch freiwillige Zusatzmodule an, zum Beispiel „Besondere Fütterung“. Dieses besteht aus zwei verschiedenen Bereichen: Es gibt ein Programm, das ausschließlich europäische Futtermittel erlaubt, das zweite setzt gentechnikfreie Fütterung voraus. In der österreichischen Rindermast ist der Einsatz von GVO-Futtermitteln – konkret handelt es sich hierbei um Soja – grundsätzlich erlaubt. Milchviehbetriebe hingegen müssen in Österreich verpflichtend GVO-frei füttern. „Seltene Rassen“ und „Mehr Tierwohl“ erweitern die Liste an Beispielen für AMA-Zusatzmodule sowie eine Mindestreifedauer für gewisse Teilstücke wie beispielsweise dem Lungenbraten von mindestens neun Tagen.
Bio-Siegel
Die EU-Bioverordnung ist die Grundlage für die biologische Produktionsweise. Produkte, die unter Einhaltung dieser Rechtsvorschrift hergestellt werden, erkennt man am EU-Biosiegel. Hierbei wird unter anderem geregelt, wie viel Platz den Tieren zur Verfügung stehen muss und wie oft sie mit Antibiotika behandelt werden dürfen.
Strengere Auflagen, die über die EU-Bioverordnung hinausgehen, können innerhalb der Mitgliedsstaaten, beispielsweise durch Verbände oder den Handel, festgelegt werden. Je nachdem, ob beziehungsweise an welchem Bio-Programm die landwirtschaftlichen Betriebe teilnehmen, müssen sie die jeweiligen Bestimmungen zusätzlich zur EU-Bioverordnung erfüllen.
Ein Beispiel hierfür wäre das Bio Austria-Siegel. Mehr als die Hälfte aller Biobäuerinnen und -bauern in Österreich sind Mitglieder des Vereins Bio Austria und vermarkten ihre Produkte unter diesem Label. Dieses gibt beispielsweise strengere Auflagen zur Rationsgestaltung vor, wodurch der Kraftfuttereinsatz in der Rinderfütterung reduziert werden soll.
Hier gibt’s alle Infos rund um das Thema Fütterung.
Auch die AMA-Biosiegel zählen zu solchen nationalen Bestimmungen. Sowohl das rot-weiße AMA-Biosiegel als auch das schwarz-weiße garantieren 100 Prozent biologische Produktion. Während Produkte, die mit dem rot-weißen Siegel gekennzeichnet sind, ausschließlich österreichischen Ursprungs sein dürfen, gibt das schwarz-weiße AMA-Biosiegel keine Information über die Herkunft. Um sich mit den AMA-Biosiegeln zertifizieren zu lassen, müssen sich die landwirtschaftlichen Betriebe an die EU-Bioverordnung halten und an einem weiteren Qualitätssicherungssystem wie Bio Austria teilnehmen.
Außerdem findet man noch spezielle Biomarken im Handel, darunter fallen zum Beispiel ja! Natürlich, Zurück zum Ursprung, Ein gutes Stück Heimat oder SPAR Natur*pur.
Abgesehen von den oben genannten Siegeln und Marken gibt es auch je Tierkategorie wiederum verschiedene. Einige davon haben wir hier für dich kurz erklärt.
Markenprogramme verschiedener Rinderkategorien
Kalb
Bei den Kälbern kommt unter anderem das Qualitätsprogramm Vollmilchkalb zum Einsatz. Es baut auf dem AMA-Gütesiegel auf und ist auch im Qplus-Modul integriert. Damit soll der Absatz von österreichischem Kalbfleisch gefördert und in Zuge dessen Kälbertransporte über Landesgrenzen hinweg reduziert werden. Die Vollmilchkälber sind maximal sechs Monate alt und werden vorrangig mit Milch (Vollmilch, Vollmilchpulver, Milch von Mutter-/Ammenkuh), aber auch mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Anteil an Heu oder Stroh gefüttert.
Hier erfährst du mehr zur Kälberfütterung.
Auch Kalb rosé ist ein Programm, das in den AMA-Gütesiegel-Richtlinien zur Rinderhaltung geregelt ist. Diese Kälber sind allerdings etwas älter als die Vollmilchkälber, sie müssen mindestens sechs und dürfen maximal acht Monate alt sein. Alles darüber wird als Jungrind eingestuft. Das Fleisch vom Kalb rosé ist verglichen mit dem vom Vollmilchkalb dunkler – der Name verrät ja bereits, dass es sich um rosa Fleisch handelt. Die Farbe ist lediglich ein optisches Qualitätskriterium von Kalbfleisch und wird durchaus kritisch diskutiert – lies hier mehr dazu.
Jungstier
In Österreich konsumieren wir vor allem das Fleisch von Jungstieren, weshalb es auch hier verschiedene Labels gibt. Am häufigsten im Supermarkt findet man wohl das Fleisch des AMA-Gütesiegel Jungstiers. Um mit diesem Siegel zertifiziert zu werden, dürfen die Stiere höchstens 20 Monate alt sein und müssen ein Schlachtgewicht zwischen 370 bis 445 Kilogramm auf die Waage bringen. Auch bei der Fleisch- und Fettklasse müssen gewisse Vorschriften erfüllt sein.
Kalbin
Auch für die Kalbin gibt es verschiedene Qualitätsfleischprogramme. Rindfleisch à la carte war eines der ersten in Österreich. Darunter fallen ausschließlich Kalbinnen, also junge weibliche Rinder, die nach den Bedingungen des AMA-Gütesiegels in Niederösterreich gemästet und geschlachtet wurden. Das Fleisch muss nach der Schlachtung mindestens 14 Tage reifen.
Ochse
Eines der Qualitätsfleischprogramme für den Ochsen ist ALMO. Die Ochsen müssen in Österreich geboren und aufgezogen worden sein, von Mai bis Oktober sind sie auf der Alm beziehungsweise auf Weideflächen und in den kalten Jahreszeiten in Laufställen. Anbindehaltung und Vollspalten sind im Rahmen dieses Programms nicht erlaubt.
(Alt-)kuh
Weibliche Rinder, genauer gesagt (Mutter-)Kühe, die älter als 24 Monate sind, werden im Rahmen des M-Rind-Programms vermarktet. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen der ARGE Rind, OSI Food Solutions Austria und McDonald’s Österreich. Um Teil des Qualitätsprogramms zu sein, müssen die Kühe in Österreich geboren und gehalten werden. Wenn man ausschließlich GVO-frei beziehungsweise gentechnikfrei füttert, kann man sich auch mit M-Rind+ beziehungsweise M-Rind++ zertifizieren lassen.