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Warum ist österreichisches Hühnerfleisch teurer als Importware?

Österreich gilt zusammen mit Schweden als Land mit den EU-weit strengsten Auflagen im Sinne der Tiergesundheit und des Tierwohles im Bereich Masthühner. Die immer wieder zitierte Aussage „Mehr Licht, mehr Luft, mehr Platz“ soll dies zusammenfassen und auf den Punkt bringen.

Hand steckt kleine österreichische Fahne in paniertes Hühnerfleisch mit frischem Salat auf einem Teller. Hand steckt kleine österreichische Fahne in paniertes Hühnerfleisch mit frischem Salat auf einem Teller.

Zunächst steht einem Masthuhn in Österreich mehr Platz zur Verfügung als in den meisten anderen Ländern. Hinzu kommen allgemein strenge Tierschutzauflagen, etwa bei Licht- und Luftzufuhr in den Ställen, oder ein lückenloses Gesundheits-Monitoring vom Elterntier über das Brutei bis zum Masthuhn. All dies verursacht zusätzliche Kosten, die sich im Erzeugerpreis für heimisches Hühnerfleisch widerspiegeln.

Zahlen dazu findest du im entsprechenden Artikel „Wie werden Masthühner in Österreich gehalten?".

Diese Rahmenbedingungen bedeuten daher in einem international umkämpften Markt auch einen Wettbewerbsnachteil. Nicht alle Branchenvertreterinnen und -vertreter sehen daher eine Entwicklung in Richtung immer höherer Standards ausschließlich positiv. Als einer der diesbezüglichen Gradmesser gilt der Selbstversorgungsgrad. Dieser schwankte in der jüngeren Vergangenheit laut Statistik Austria zwischen rund 80 und 90 Prozent. Seit dem Jahr 2021 (89 Prozent) ist er wieder leicht rückläufig und lag zuletzt bei 81 Prozent (Stand 2024).

Das durch einseitig eingeführte hohe Produktionsstandards in den betreffenden Ländern entstehende Problem hat auch eine vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft in Auftrag gegebene Studie des „Handelsblatt Research Institute“ aus dem Jahr 2015 untersucht. Die Autoren bringen es wie folgt auf den Punkt: „Selbst in den beiden wohlhabenden Ländern Schweden und Österreich können sich nicht alle Konsumenten das hochpreisige einheimische Geflügel leisten und greifen zu preiswerteren Importen. Und die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie kauft teilweise im Ausland ein.“1 Die Studie stellt dabei einen Zielkonflikt zwischen „dem Tierwohl und der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit“ fest. Weiter heißt es: „Damit ist in diesen beiden Ländern zu sehen, dass es zwar hohe Standards in der Erzeugung gibt, ein großer Teil des verzehrten Fleisches aber aus anderen Ländern kommt – in denen teils mit niedrigeren Standards erzeugt wird.“

Während der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in Österreich bei Frischfleisch ausschließlich – auch als solche gekennzeichnete – heimische Ware im Sortiment hat, liegt die Herkunft bei verarbeiteten Lebensmitteln oder in der Gastronomie oftmals im Dunkeln.

Seit dem 1. September 2023 muss die Herkunft tierischer Lebensmittel lediglich in öffentlichen und privaten Großküchen und Kantinen angegeben werden. Dieselbe Pflicht auch für die Gastronomie sowie verarbeitete Produkte einzuführen, ist eine politische Forderung, die – Stand April 2026 – bislang nicht erfüllt wurde.

Hier geht's weiter zu unserem Artikel zur Lebensmittelkennzeichnung und zum Artikel sozialen und kulturellen Aspekten rund um's Hühnerfleisch.

Quelle

1 Lichter, Kleibrink (2015): Geflügelwirtschaft weltweit – Deutschland im internationalen Vergleich, S. 44