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Hat die österreichische Apfelproduktion Zukunft?

Rückläufiger Apfelkonsum, zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck und hohe soziale Standards setzen Österreichs Apfelbäuerinnen und -bauern zunehmend unter Druck. Warum Qualität, Sortenvielfalt und politische Rahmenbedingungen entscheidend für die Zukunft der heimischen Apfelproduktion sind, fassen wir hier zusammen

Mensch mit Hut pflückt einen Apfel von einem Baum in einem Obstgarten, umgeben von grünen Blättern und weiteren Äpfeln. Mensch mit Hut pflückt einen Apfel von einem Baum in einem Obstgarten, umgeben von grünen Blättern und weiteren Äpfeln.

Welche Probleme gibt es im internationalen Vergleich?

Innerhalb der Apfelbranche ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine Verringerung der Betriebe in Österreich zu beobachten. Für die laut Statistik Austria1 im Jahr 2023 verbliebenen rund 1.600 Betriebe, die ihr Einkommen zur Gänze oder überwiegend aus dem Apfelanbau beziehen, stellt sich die wirtschaftliche Situation teils angespannt dar.

Problemfelder: internationaler Wettbewerbsnachteil, Personalkosten, sinkender Konsum

Die im internationalen sowie im EU-Vergleich wesentlich höheren Sozialstandards in Österreich zu Gunsten der (zumeist) Fremdarbeitskräfte in der Produktion bewirken einen massiven Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Großproduzenten. Vor allem Polen hat seine Apfelproduktion – auch mithilfe großzügiger EU-Förderungen – enorm ausgeweitet und ist laut Daten der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) mit einer Produktionsmenge von mehr als drei Millionen Tonnen im Jahr 2024 vor Italien und Frankreich der größte Apfelproduzent der EU. Zum Vergleich: Österreich liegt im selben Jahr mit 176.000 Tonnen auf Rang 11. Hinzukommt, dass der österreichische Inlands-Markt dabei ist zu schrumpfen, sprich einen rückläufigen Pro-Kopf-Konsum aufweist. So zeigen die Zahlen der Statistik Austria2 am Ende der 1990er-Jahre und zu Beginn der 2000-er Jahre noch Werte zwischen 25 und 27 Kilogramm pro Kopf und Jahr an. Im Wirtschaftsjahr 2010/11 war der durchschnittliche Jahresverbrauch bereits auf rund 18 Kilogramm gesunken, zuletzt (Stand 2024/25) lag er bei 15 Kilogramm.

Dies liege auch daran, dass „dem Apfel das ganzjährige Angebot von Obst und Gemüse aus aller Herren Länder, sowie die veränderten Konsumentenwünsche“ zusetzen, so Walter Schiefermüller. Der Verzehr von Süd- und exotischen Früchten wachse stetig.

Zwei Hände schneiden junge Äpfel und Blätter an einem Apfelbaum bei Sommersonne zurück.

Konkurrenz von nah und fern

Die Situation am Markt ist für den österreichischen Apfel schwierig. Er konkurriert nicht nur mit oft billigeren Äpfeln aus dem Ausland. Auch andere heimische Obstarten und tropische Früchte sind seine Konkurrenten. Handelsembargos wie jenes der EU mit Russland blockieren Apfelexporte. Auch andere Anbauländer sind davon betroffen. Die Konkurrenz am europäischen Markt wird größer.

Soziale Nachhaltigkeit im internationalen Vergleich

Der Apfel ist eine arbeitsintensive Kultur. Insbesondere während der Arbeitsspitzen wie zur Ernte oder dem händischen Ausdünnen arbeiten vor allem Fremdarbeiterinnen und Fremdarbeiter auf österreichischen Apfelplantagen. Einige haben aber auch ganzjährige Anstellungen. Die arbeits- und sozialrechtlichen Auflagen in Österreich liegen dabei im internationalen Spitzenfeld. Damit ist gewährleistet, dass eine hohe Qualität der Ernte nicht zulasten unterbezahlter Billiglohnarbeiterinnen und -arbeitern wirtschaftlich bleibt.

Die von Land schafft Leben befragten Apfelbäuerinnen und Apfelbauern bekennen sich zu dieser sozialen Verantwortung. Sie begrüßen grundsätzlich auch die damit verbundenen strengen Kontrollen, verweisen aber zugleich auf die dadurch für sie entstehenden Wettbewerbsnachteile am internationalen Markt. Leonhard Steinbauer von der Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau in Haidegg betont, dass, dort wo diese sozialrechtlichen Standards fehlen beziehungsweise deren Einhaltung nicht entsprechend kontrolliert wird, davon auszugehen sei, dass der Mehraufwand an Arbeit etwa in der biologischen Produktion immer auf Ausbeutung von Arbeitskräften beruhe. Echte Nachhaltigkeit liege demzufolge immer in der Schnittmenge von ökologisch tragbaren, ökonomisch machbaren, und sozial bezahlbaren Produktionsbedingungen.

Menschen pflanzen mit Hilfe eines Traktors junge Apfelbäume auf einem Feld. Im Hintergrund stehen weitere Bäume.

Masse statt Klasse?

Der schrumpfende Apfelkonsum sei laut Leonhard Steinbauer, zum Teil „hausgemacht“. Er sieht im mangelnden Geschmack beziehungsweise im relativ einheitlichen Geschmack der gängigen Marktsorten einen Grund für den rückläufigen Inlands-Pro-Kopf-Verbrauch. Die Frage nach der „inneren Qualität“ werde so zur Überlebensfrage für die heimische Apfelproduktion:

Die äußere Qualität gibt den ersten Impuls zum Kauf. Innere Qualität – für den Konsumenten nachvollziehbare innere Qualität (Geschmack, volle Reife) – ist das Gebot der Stunde. Nachvollziehbare Qualität führt zu höheren Preisen und gesteigerter Nachfrage

– , sagt Steinbauer.

Entscheidend für den Wiederkauf ist nur die innere Qualität. Mit bester innerer Qualität animiert und steigert man den Konsum, mit schlechten inneren Qualitäten erzielt man das Gegenteil.

Entscheidend sei laut Steinbauer, dass man erstens die Äpfel voll ausreifen lasse und nicht etwa unreif geernteten Äpfeln dank „smarter“ Lagertechnologie ein extra „extended Shelflife“ verpasse. In einem zweiten und mittelfristigen Schritt plädiert er für ein mutigeres Sortenmanagement. Dieses sei in der Steiermark laut Thomas Rühmer – ebenfalls Versuchsanstalt Haidegg – schon als „erzkonservativ“ zu bezeichnen.

In dasselbe Horn stößt Apfelbauer Walter Schiefermüller. Der Oberösterreicher setzt auf eine Mischung aus Ab-Hof-Verkauf und Lieferung an den Lebensmitteleinzelhandel. Und er setzt auf Sortenvielfalt. Unter seinen angebauten Apfelsorten finden sich neben den gängigen Marktsorten etwa auch exotische rotfleischige und alte Sorten wie Boskoop. Zur Thematik Masse statt Klasse äußert sich Schiefermüller wie folgt:

Der Apfel muss ein gesundes Genusserlebnis sein, um die Nachfrage zu sichern und um die Konkurrenzfähigkeit zu anderen Früchten erhalten zu können. Je ökologischer und qualitativ hochwertiger ein Apfel produziert wird, umso höher ist der Lohnkostenanteil.

Projekt „Schulapfel“

Um Schülerinnen und Schülern heimisches Obst schmackhaft zu machen und Wissen darüber zu vermitteln, gibt es Projekte wie den „Schulapfel“. Der Apfel eignet sich dazu sehr gut, weil es sich mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 15,3 Kilogramm pro Jahr – trotz rückläufigen Konsums – nach wie vor um die beliebteste heimische Obstart handelt (mehr oder weniger gleich auf, aber dennoch auf Rang Zwei folgt im Wirtschaftsjahr 2024/25 die Banane mit 14,7 kg). Eine Erzeugerorganisation hat das Projekt in der Steiermark initiiert. Sie liefert Äpfel zu einem geringen Preis an Schulen, die sich anmelden. Die EU und der Landesschulrat unterstützen den „Schulapfel“. EU-Förderungen für mehr Obst in der Schule werden so umgesetzt.

Kind zeichnet an einem Schreibtisch mit Apfel, Lineal, Mäppchen und Kinderzeichnung auf Papier.

Quellen

1 Statistik Austria, Erwerbsobstbau, Tabelle: Erwerbsobstanlagen 2023 nach Art und Bundesland

2 Statistik Austria (statistik.at, STATCUBE: Versorgungsbilanz für Obst ab 1994/95; Zugriff: 20.03.2026)