APFEL IN ÖSTERREICH
© Land schafft Leben, 2016

Der Apfel ist Österreichs Obstart Nummer Eins, im Anbau und in der konsumierten Menge. Nur für Bananen geben die Österreicher etwas mehr Geld aus. Der Apfelkonsum geht leicht zurück. Konsumenten und der Lebensmitteleinzelhandel verlangen optisch schöne Äpfel, die jedem schmecken. Das geht auf Kosten der Vielfalt. Bedeutung am heimischen Markt haben gut zehn Sorten, von denen bis auf “Kronprinz Rudolf” alle international produziert werden. Der Apfel lässt sich gut lagern. Energieaufwändige Technologien ermöglichen eine Lagerung über mehrere Monate und machen Äpfel aus heimischem Anbau bis zu ein Jahr lang verfügbar.

In Österreich sind die klimatischen Bedingungen für den Apfelanbau sehr gut geeignet. Nur ein Teil der Bauern bewässert zusätzlich zum natürlichen Niederschlag. Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln liegen deutlich unter den gesetzlichen Höchstwerten. Obstanbau in Österreich bedeutet die Einhaltung von vergleichsweise hohen Sozial- und Umweltstandards. Im harten Wettbewerb mit ausländischem Obst haben heimische Äpfel oft das Nachsehen, zumindest im Preiskampf. 

Daten und Fakten

Die Apfelbauern werden immer weniger. In zehn Jahren hat ein Drittel aufgehört. Die Bauern, die noch Äpfel anbauen, bewirtschaften dafür eine insgesamt größere Fläche.

Mehr als drei von vier österreichischen Äpfeln kommen aus der Steiermark. Die Steiermark liegt mitten im Apfelgürtel, der durch Mitteleuropa verläuft und besonders gute Bedingungen für den Apfelanbau aufweist. Größere Erntemengen weisen auch noch Niederösterreich, Oberösterreich und das Burgenland auf. Die Statistik enthält nur Obst, das für den Verkauf angebaut wurde. Salzburg hat es ohne erwerbsmäßigen Apfelanbau nicht in die Statistik geschafft.  

Auf knapp elf Prozent jener Fläche, die in Österreich für den Apfelanbau verwendet wird, wachsen Bio-Äpfel. 2007 waren es noch sechs Prozent.

Betrachtet man den Verkaufswert, ist der Apfel in Österreich die zweitbeliebteste Obstart. Bananen sind weltweit das beliebteste Obst. Auch die Österreicher geben am meisten Geld für Bananen aus. Im Vergleich der verkauften Menge in Tonnen liegt jedoch der Apfel klar voran. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt laut Statistik Austria bei etwa 11 Kilo Bananen und 19 Kilo Äpfel.

Heiß diskutierte Themen in Österreich

Qualitätsmerkmale, Handelsklassen und Geschmack

Um Obst und Gemüse nach seiner Beschaffenheit einteilen zu können, wurden die Handelsklassen geschaffen. Jeder Apfel kann so ohne großen Aufwand in Klasse Extra, 1, 2 oder 3 eingeteilt werden. Die Kriterien für die Einteilung sind optisch erkennbar, geben aber nicht unbedingt über den Geschmack Auskunft. Trotzdem müssen der Bauer, der Verarbeiter und der Lebensmitteleinzelhandel entlang des gesamten Weges des Apfels darauf achten, dass er optisch perfekt bleibt. In den Lebensmitteleinzelhandel schaffen es fast nur Äpfel der Klassen Extra und 1.

> Qualitätskriterien und Geschmack
> Handelsklassen
> BLOG: Außen pfui, innen hui - Müssen Äpfel makellos schön sein?

Lagertechnologien

Äpfel sind ein Lagerobst, sind also für eine Lagerung über mehrere Wochen und Monate geeignet. Dennoch ist der Aufwand groß, will man im Frühjahr und Sommer noch Äpfel anbieten, die im Herbst des vergangenen Jahres geerntet wurden. Mit modernen Technologien werden die Äpfel bei einem niedrigen Sauerstoffgehalt auf knapp über null Grad gekühlt. Die Zellen werden verschlossen und erst wieder geöffnet, wenn alle Äpfel entnommen werden. Wie groß der Energieaufwand dennoch ist, konnte uns niemand sagen. Dank der Lagertechnologien ist es jedenfalls möglich, das ganze Jahr über Äpfel aus heimischem Anbau anzubieten. 

> Lagertechnologien

> CO2-Bilanz im engeren Sinn: Transportwege und Lagerung

Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel

Über kaum einem Thema wird so viel diskutiert wie über chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Ein Bericht von Greenpeace zur Erntezeit 2015 hat dazu beigetragen. Nach Veröffentlichung einer Studie herrschte Aufregung über Rückstände auf Äpfeln, obwohl diese weit unter den gesetzlichen Höchstwerten waren. Apfelbauern weisen auf den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hin. Die ausgebrachten Mengen sind laut Bauern und Experten seit Jahren rückläufig. Umweltschutzorganisationen und Bio-Bauern geben zu bedenken, dass die langfristigen Auswirkungen von chemisch-synthetischen Mitteln auf Mensch und Umwelt ungewiss sind. 

> Pflanzenschutz
> Pflanzenschutz im "integrierten" und konventionellen Anbau
> Die Biene und der Pflanzenschutz
> HINTERGRÜNDE: Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel

Kupfer als Pflanzenschutzmittel

Bio-Bauern dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen. Um Baum und Früchte dennoch vor Schaderregern zu schützen gibt es eine Vielzahl an Alternativen. Bio-Bauern setzen bevorzugt auf organische Mittel und Nützlinge. Gegen die Apfelkrankheit Schorf kann es notwendig sein, Kupfer-Präparate einzusetzen. Als Schwermetall stehen sie im Obstanbau in der Kritik. In den Mengen, die österreichische Bio-Bauern ausbringen, soll er aber für Konsumenten und Umwelt unbedenklich sein, wie Bio-Bauer Fritz Prem sagt. Und der Einsatz von Kupfer gehe stetig zurück. 

> Kupfer

Sortenkonzentration

Im Supermarktregal gibt es bei Äpfeln im Vergleich zu anderen Obstarten eine große Auswahl. Während es in Österreich 2.000 Apfelsorten gibt, haben nur gut zehn Sorten am heimischen und internationalen Markt Bedeutung. “Marktführer” ist der Golden Delicious, der in den USA entdeckt wurde. Die Hälfte der Top-10-Sorten im heimischen Anbau stammen von ihm ab. Gründe für die Konzentration sind Geschmacksgewohnheiten von Konsumenten, die besondere Eignung der häufigsten Sorten für den Erwerbsanbau und begrenzter Platz in den Supermarktregalen.

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> Sorten und Züchtung

Wettbewerbsnachteil durch Sozialaufwand

Im Vergleich zu anderen Ländern, aus denen Äpfel in unseren Supermarktregalen und Apfelsäften landen, ist der finanzielle Aufwand für das Personal für Apfelbauern enorm. Zudem ist die Anstellung von Mitarbeitern aus Drittstaaten wie der Ukraine mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Egal, wo die Mitarbeiter herkommen, mehr als die Hälfte der Produktionskosten im Apfelanbau machen Personalkosten aus. Durch die Mindestlöhne und Sozialabgaben haben heimische Apfelbauern die bis zu vierfachen Lohnkosten verglichen mit jenen von östlichen EU-Ländern. Gleichzeitig müssen sich österreichische Äpfel am Markt mit der Konkurrenz aus diesen Ländern messen.

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> Soziale Nachhaltigkeit im internationalen Vergleich