milch in österreich
© Land schafft Leben, 2016

Wir trinken viel und es gibt sehr viel davon, sie kommt zum Großteil aus den Bergen und sie ist garantiert frei von Gentechnik - österreichische Milch. Auch Schafe und Ziegen geben Milch, laut offizieller Definition ist “Milch” jene von Kühen, genauer gesagt von “Milchkühen”. Schon die Geburt eines Kalbes steht im Zeichen der Milch. Eine Kuh sollte einmal im Jahr ein Kalb zur Welt bringen, um überhaupt Milch zu geben. Die Bauern trennen ein Kalb nach wenigen Minuten, Stunden oder Tagen von der Kuh. Die Hörner lassen die meisten entfernen. Die Haltungsformen sind so unterschiedlich wie Fitness und Lebensdauer von Milchkühen, ohne dass es einen direkten Zusammenhang gibt.

 

Der durchschnittliche Milchbetrieb ist ein Bauernhof mit 17 Milchkühen, auf dem die Familie zusammenhilft. Vor allem viele kleinere Milchbauern kämpfen trotz Entgelten der öffentlichen Hand ums Überleben ihrer Milchwirtschaft, hören auf oder suchen sich eine zweite oder dritte Einnahmequelle. Österreichs Milchbauern erhalten artenreiches Grünland und verwandeln dabei für den Menschen ungenießbare Gräser in genießbare Milch. Damit die Kühe mehr Milch geben, verwenden sie auch so genanntes Kraftfutter, in unterschiedlichen Anteilen. Kontrolliert werden sie oft und regelmäßig, wie die Milch entlang ihres gesamten Weges, inklusive aller Verarbeiter und Verkäufer. Molkereien holen die Milch ab, egal wie entlegen die Bauernhöfe sind. Der Handel setzt auf österreichische Konsummilch, genauso wie die Konsumenten. 

Daten und Fakten

Schaf- und Ziegenmilch zusammen machen weniger als ein Prozent der insgesamt in Österreich erzeugten Milch aus. Von der Kuhmilch sind 15 Prozent Bio. Die Hälfte jener Milch, die als Konsummilch verkauft wird, geht in den Export. Dennoch ist Österreich im Vergleich zu Neuseeland und Irland ein kleiner Milchproduzent. Diese Länder haben je gut die Hälfte der Einwohner von Österreich. Trotzdem produziert Irland über die Hälfte mehr Milch, Neuseeland sogar ein Vielfaches. Die Österreicher geben für Milchprodukte mehr Geld aus als für Milch, die in Verpackungen oder Flaschen abgefüllt ist. Diese macht nur 17,9 Prozent der Ausgaben für Molkereiprodukte eines österreichischen Haushalts aus. Der größte Anteil fällt auf Käse, mit 39,7 Prozent. 

Heiß diskutierte Themen in Österreich

Enthornen von Kälbern

Rinder haben zumeist von Natur aus Hörner. Es gibt aber auch Rinder, welche genetisch hornlos sind. Fährt man durch Österreich und schaut in die Ställe, sieht man vor allem Kühe ohne Hörner. Die meisten Bauern lassen ihre Kälber vom Tierarzt enthornen, manche enthornen noch selbst. Beim Enthornen wird die Hornanlage mit einem Brennstab zerstört. In der Regel geschieht dies unter Betäubung. Unter bestimmten Voraussetzungen ist das Enthornen ohne Betäubung erlaubt. Umstritten ist, ob die Hörner für Kühe eine Bedeutung haben. Das Hauptargument für die Enthornung ist die Verringerung des Verletzungsrisikos für Tier und Mensch, vor allem im Laufstall.

> Enthornung

Anbindehaltung

Wenn Kühe zu bestimmten Zeiten auf ihrem Platz angebunden stehen, sprechen wir von Anbindehaltung. Anbindehaltung ist aber nicht gleich Anbindehaltung. Es gibt genauso Kühe, die im Sommer auf der Weide grasen und im Winter im Stall angebunden sind wie Kühe, die das ganze Jahr über im Laufstall gehalten werden und nicht ins Freie kommen. Gesetzliche Bestimmungen gibt es bis ins Detail. Eine Ausnahme im österreichischen Gesetz lässt das dauerhafte Anbinden von Kühen unter bestimmten Umständen zu, insbesondere bei Kleinbetrieben. Viele dieser Kleinbetriebe könnten einen Umbau zum Laufstall finanziell kaum bewältigen. In der Kritik steht vor allem die Ganzjahresanbindehaltung, die durch eine Ausnahmeregelung noch erlaubt ist. 

> Haltungsformen
> Tierwohl

“Turbokühe”

Der Begriff “Turbokuh” ist Ausdruck für die Sorge bzw. den Verdacht, eine allzu hohe Milchleistung gehe zu Lasten des Wohles der Kuh. Geben “Durschnittskühe” in Österreich zwischen 15 und 30 Liter am Tag, so liegen diese Werte bei Hochleistungstieren oft deutlich darüber. Eine einseitige Züchtung und zu viel Kraftfutter steigern die Milchleistung der Kuh. Viele der von uns befragten Bauern und Experten sind sich einig, dass es eine solche Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten gegeben hat. Und dass dies auch in Österreich zu sinkenden “Fitnesswerten” der Kuh, also verminderter Lebenszeit und einer Reihe anderer Probleme, geführt hat. Gleichzeitig wird betont, dass man auch die entsprechenden Lehren daraus gezogen habe und dabei sei, diese umzusetzen.

> Fütterung zwischen Leistung und "Fitness"
> Züchtung zwischen Leistung und "Fitness"
> Tierwohl

Trennung von Kalb und Kuh

Vieles machen unterschiedliche Milchbauern gleich oder zumindest ähnlich. Die Trennung von Kalb und Kuh gehört definitiv nicht dazu. In den ersten Stunden, am ersten oder zweiten Tag, einige Tage oder eine Woche nach der Geburt - alles ist erlaubt und alles wird praktiziert. Gründe für die Trennung sind der geringere Aufwand und bauliche Gegebenheiten. Studien haben herausgefunden, wie sich die gemeinsame Zeit mit der Mutter auf das Kalb auswirkt, und wann der Trennungsschmerz wie groß ist. 

> Trennung von Kalb und Kuh

Verwendung von Stierkälbern

Nur weibliche Kälber können später einmal Milch geben. Männliche Kälber werden ausschließlich für die Fleischproduktion verwendet. Die einen Bauern mästen sie am eigenen Betrieb, andere verkaufen sie an einen Mäster im Inland. Dies betrifft den größten Teil der männlichen Kälber. Ein Teil wird aber auch an Mastbetriebe im Ausland geliefert und dabei mitunter weite Strecken durch Europa transportiert. Es gibt bereits eine Methode, das Geschlecht des Nachwuchses vor der Besamung zu wählen. Diese ist aber noch nicht weit verbreitet. 

> Stierkälber

Bauernsterben

Seit dem EU-Beitritt 1995 ist die Zahl der Milchbauern von 77.500 auf 31.500 im Jahr 2014 zurückgegangen. Als Gründe für das Aufgeben der Milchproduktion werden hauptsächlich der hohe Arbeitsaufwand, fehlende Finanzmittel für notwendige Investitionen und die unsichere Milchpreis-Entwicklung genannt. Mit geringen Milchmengen und niedrigen Erzeugerpreisen sei es schwer, wirtschaftlich zu überleben.

> Familien, Traditionen und "Bauernsterben"

> BLOG: Sag mir, wo die Bauern sind

Überproduktion

Fast die Hälfte der Konsummilch, die Österreichs Milchbauern produzieren, geht in den Export. Der Selbstversorgungsgrad beträgt bei steigender Tendenz 160 Prozent. Bei Käse versorgt sich Österreich aber nur zu 93 Prozent selbst, bei Butter zu 70 Prozent. Wir importieren also mehr Käse und Butter als wir exportieren, während es bei der Konsummilch umgekehrt ist. Der Importüberhang von Käse lässt sich einigermaßen mit dem Konsumentenwunsch nach ausländischen Käsespezialitäten erklären. Bei der Butter haben sich seit dem EU-Beitritt ausländische Anbieter auf dem österreichischen Markt etabliert. Der Grünlandexperte Karl Buchgraber erwähnt, dass die “Überproduktion” vor allem damit zu erklären ist, dass Österreich nun mal viel Grünland hat und daher viel Milch produziert.

> Konsumverhalten und Exporte

Ausgleichszahlungen

Aufgrund der kleinen Struktur und Lage im Berggebiet könnten viele Milchbauern ihren Betrieb nicht wirtschaftlich führen, wenn sie nicht die so genannten “Ausgleichszahlungen” bekommen würden. Die EU vergibt sie an ihre Mitgliedsstaaten und diese können entscheiden, nach welchem System sie die Mittel verteilen. Werden die damit verbundenen Auflagen nicht eingehalten, kommt es zu Sanktionen. Österreich verteilt einzelne Ausgleichszahlungen, die an jene landwirtschaftlichen Betriebe vergeben werden, die die jeweiligen Kriterien erfüllen. Jeder Betrieb bekommt eine Zahlung, die sich nach der bewirtschafteten Fläche berechnet. In der Transparenzdatenbank kann man online nachsehen, welcher Betrieb für welche Maßnahmen wieviel Geld bekommt.

> Zahlungen der öffentlichen Hand