Wenn der (österreichische) Konsument für Tierwohl nicht mehr zahlen will, wer bezahlt dann die Rechnung?
© Land schafft Leben, 2016

In einem Marktumfeld, in dem nicht nur die Qualität des Fleisches, sondern auch Fragen des Tierwohls für die Kaufentscheidung der Konsumenten immer wichtiger werden, sind die hohen Erzeugungsstandards ein möglicher Wettbewerbsvorteil. Andererseits scheint das Einkaufsverhalten vieler Konsumenten gegenläufig zu oft von diesen selbst geäußerten Prioritäten. Mit anderen Worten, ein Bekenntnis zu mehr (gewünschtem) Tierwohl heißt noch lange nicht, dass viele Konsumenten auch bereit sind dafür (erheblich) tiefer in die Tasche zu greifen. Selbst in einem wohlhabenden Land wie Österreich wollen sich offenbar nicht alle Konsumenten das hochpreisige einheimische Geflügel leisten und greifen zu preiswerteren Importen. Auch die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie kauft teilweise im Ausland ein. Tierwohl, Verbraucherschutz, Umweltschutz laufen also Gefahr die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit zu unterwandern.

Die inländische Putenproduktion ist demnach scheinbar paradoxerweise aufgrund ihrer qualitativen Ausnahmestellung international unter ganz besonderem ökonomischen Druck. Wie Branchenvertreter bestätigen, ging der Selbstversorgungsgrad in den vergangenen Jahren zurück und lag 2016 bei einem Wert von 45 Prozent. Die produzierte Menge fiel von knapp 31.000 Tonnen im Jahr 2004 auf ca. 20.700 Tonnen 2016, die Nachfrage sank weit weniger stark.

Kennzeichnungspflicht im Außer-Haus-Konsum - ein möglicher Konjunkturmotor für die heimische Putenproduktion?

Während sich der Lebensmitteleinzelhandel im Großen und Ganzen zu österreichischer Pute „bekennt“, fehlt dieses Bekenntnis im ganz großen Maßstab in der Gastronomie bzw. im  Großhandel, der jene beliefert – übrigens auch in den Großküchen des Landes (Krankenhäuser, Mensen etc.). Weil der Gastwirt nicht kennzeichnen muss und es dem Gast offenbar nicht wichtig genug scheint, zu wissen, wie es der Putenbrust zu Lebzeiten erging, findet sich zu allermeist das wesentlich billigere Putenfleisch ausländischer Herkunft auf dem Teller.

Die heimische Geflügelbranche gehört deshalb zu den vehementesten Verfechtern einer verbindlichen  Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie, wie sie die Schweiz seit langem umgesetzt hat.

Wie das in der Schweiz aussieht und funktioniert, haben wir uns vor Ort angeschaut und maßgebliche Beteiligte aus der Schweizer Gastronomie dazu befragt: