Kren steht für eine Region

Wie kaum eine andere landwirtschaftliche Kultur steht der Kren für eine ganz klar abgegrenzte Region und genießt dort beinahe Kultstatus. Lange vor dem professionellen Anbau, der sich erst ab den späten 1950er-Jahren hin zur heutigen Dimension entwickelt hat, gehörte der “wilde” Krenanbau in der Süd- und vor allem Südoststeiermark praktisch zu jedem Haushalt. Wer immer über einen Flecken Land verfügte, hatte in diesem auch Kren, wie uns Spitzenkoch Johann Reisinger berichtet. Die Anwendbarkeit der “Wunderwurzel”, die weit über das Feld der Kulinarik hinaus reicht etwa in die Volksmedizin hinein, findet hier, wo der steirische Kren seinen Ursprung hat, die vielfältigste Ausprägung. Wenn ein Tiroler oder Vorarlberger den Kren bestenfalls als “exotische” Würze neben dem Senf zum Würstel beim Zeltfest schätzt, weiß der Steirer, was der Kren sonst noch so alles kann. Johann Reisinger demonstriert uns im folgenden Video, das wir im Rahmen der Eröffnung des neuen Bauernmarktes in der Stadt Feldbach gedreht haben, das erstaunliche Potential des Krens.

> Eine Anbauregion

Kren zu Ostern

Die zu Tränen “rührende” Wurzel verknüpft die Volksfrömmigkeit mit dem österlichen Passionsgeschehen - und nebenbei auch kulinarisch mit Osterschinken und Osterei. Am Karsamstag wird er mit süßem Brot, hart gekochten Eiern, Fleisch und anderen Köstlichkeiten im Weihkorb zur Kirche getragen, wo die Osterspeisen gesegnet werden. Inmitten der österlichen Leckerbissen symbolisiert er das tränenreiche Leiden Christi. Gott hat ihm zwar den Tod nicht erspart, aber am Ostermorgen alles Bittere in Osterherrlichkeit verwandelt.  

Der Kren ist scharf und bitter und treibt Tränen in die Augen. Aber einmal gegessen und verdaut, wirkt er heilsam, stärkt Gesundheit und Lebenskräfte. Er wird so zum geschmackvollen Symbol für die österliche Heilsbotschaft: Leid, das sich in Freude wandeln kann.