Unterliegt auch Bio Marktgesetzen?

27.09.2018 / Landwirtschaft & Produktion, Kaufen & Mitbestimmen

Vor kurzem beschwerten sich via der Tageszeitung Standard einige anonym bleiben wollende, heimische Bio-Kartoffel-Produzenten über eine aus ihrer Sicht "erpresserische" Preispolitik eines der großen Handelsriesen. Fritz Prem ist selbst Bio-Bauer (Äpfel) und Präsident des europäischen Bio-Obst-Forums. Er hat so seine ganz eigene Sicht auf den (Bio-)Markt und seine Gesetze und kann daher der Beschwerde seiner Bio-Kollegen nicht vorbehaltlos zustimmen...  

 

Gute Produkte zu produzieren ist die eine Sache, diese Produkte auch gewinnbringend am Markt zu platzieren, kann schon andere Fähigkeiten erfordern.

So geschehen bei einer Handvoll Bio-Kartoffelbauern. Sie haben dem Zeitgeist entsprechend ihre Kartoffelproduktion auf Bioproduktion umgestellt. Bisher haben sie in einem Nachfragemarkt gelebt.

Die Produzenten haben aber anscheinend einige Grundspielregeln des Marktes nicht ernst genommen und haben sich damit in eine wirtschaftlich unangenehme Situation hineinmanövriert.

Sie haben übersehen, dass sich der Lebensmittelhandel in Österreich bis zum Umfallen weiter konzentriert. Nach neuesten Erhebungen haben die „großen Drei“ mit Rewe, Spar und Hofer  zusammen einen Marktanteil von 83,9% am gesamten österreichischen Lebensmittelhandel. Es ist selbstverständlich, dass innerhalb des Konzerns jeder Einkäufer genau nachsehen kann, um welchen Preis die übrigen Einkäufer ein Produkt einkaufen.

Das Gefühl bei den Bio-Kartoffelbauern war im konkreten Fall, dass sie die Regionallieferanten sind und der Handelskonzern regionale Herkunft und Bioprodukte auf seine Fahnen geheftet hat. Obendrein haben sie ihr Geschäft mit dem regionalen Einkäufer abgewickelt, den sie persönlich kennen.

Auch "Bio" ist bei Missachtung fundamentaler Marktgesetze nicht vor der negativen Preisspirale gefeit

 

Wenn sich aber in einer Branche die Vorzeichen verändern, dann gelten auch veränderte Spielregeln. Wenn weiterhin viele Anbieter ausreichend von einem Produkt anbieten und vielleicht auch noch ihre Angebotsmenge steigern, weil das Geschäft läuft, dann ist der weitere Weg vorprogrammiert. Dies unabhängig davon, ob es sich um ein regionales Produkt oder um ein Bioprodukt handelt.

Der Einkäufer würde seinen Job verlieren, wenn er sich bei vielen Anbietern vom gleichen Produkt nicht die leistungsfähigsten und billigsten heraussucht. Obendrein muss er noch den einen oder anderen kleinen Lieferanten halten, damit er die Preisspirale gegenüber den Großen drehen kann.

Ein Klassiker aus dem Lehrbuch für den zweiten Jahrgang in der Handelsschule.

Wenn sich eine größere Gruppe von Bio-Kartoffelanbietern jetzt in einer renommierten Zeitung darüber beklagt, dass sie von einem Handelsriesen an die Wand gedrückt werden, so senden sie damit zwei Signale aus. Zum einen geben sie es dem Einkäufer schriftlich, dass er die Spielregeln des Marktes auswendig gelernt hat und zum anderen senden sie ein Signal an alle Einkäufer innerhalb des Konzerns. Sie mögen doch gefälligst nachsehen, wie billig der eine Einkäufer von seinen regionalen Lieferanten Bio-Kartoffel bekommt.

Fritz Prem

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.fruchtportal.de