"In fünf Jahren sind 300 Apfelbauern tot, wenn das so weiter geht..."

04.05.2016 / Landwirtschaft & Produktion

Dieses Zitat aus dem Munde eines Brancheninsiders hat letzte Woche (Ende April 2016) leider eine unvorhersehbar zusätzliche Brisanz bekommen. Frost und Schnee haben die Ernte und ganze Anlagen zerstört. Und das zusätzlich zu den seit Jahren wenig rosigen Rahmenbedingungen für die heimischen Obstbauern. Wie steht’s um den österreichischen Apfel? Was macht den besonders? Wie schauen unsere Apfelbauern in die Zukunft? Hier erfährst du es.

 

Wir von „Land schafft Leben“ hatten einen steirischen Apfelbauern und seinen geschäftsführenden Vermarktungspartner eingeladen. Uns ging’s um Informationen zum österreichischen Apfel aus erster Hand. Mein erster Eindruck von den beiden Herren: Sie pflegen einen respektvollen, freundschaftlichen Umgang miteinander. Da hält es der Geschäftsführer auch schon mal gut aus, wenn er in fachlicher Hinsicht vom Bauern verbessert wird. Das gefällt mir. Und deutlich spürbar: diese Partnerschaft steht ganz im Zeichen ihrer schönen Leidenschaft für ihr Produkt: den Apfel. Uns gegenüber sind die beiden ausgesprochen auskunftsfreudig. Dabei sind wir wirklich lästig. Wir wollen einfach mehr wissen als Homepages, Marketing und Werbung dem Konsumenten verraten. 

Schnell merken wir, dass die Situation für den österreichischen Apfelbauern momentan ausgesprochen kritisch ist. Das hat folgende Gründe:

  •  die europaweit weiterhin steigende Apfelernte von Apfelgroßproduzenten wie etwa Polen, dessen Ausbau der Apfelproduktion zudem großzügig von EU-Geldern gefördert wird
  •  das russische Embargo (der russische Markt ist komplett weggebrochen) bewirkt zusätzlich, das andere Produzenten ebenfalls auf ihren für Russland produzierten Äpfeln sitzen geblieben waren und diese auf den europäischen Markt drängen
  •  das alles zusammen ergibt: sinkende Preise 

 

20 Cent für ein Kilo Äpfel? Die Rechnung geht für den Bauern nicht auf

Wertschätzung?

Obwohl schon 2014 und auch letztes Jahr unter dem Strich wesentlich weniger raus gekommen ist als oben rein gesteckt werden musste, akzeptieren die Apfelproduzenten die Lage. Das ist nun mal so – und wird wahrscheinlich wieder einigen Apfel-Bauern „den Kopf kosten“. Auch die mittelfristigen Aussichten sind nicht rosig. Der Geschäftsführer meint trocken: „In fünf Jahren sind 300 Apfelbauern tot. Wenn das so weiter geht.“ Das tut weh. So wie es weh tut, dass man gegen den Weltmarkt und seine Kapriolen wie gegen Windmühlen kämpft. Dass höchste Qualitätsansprüche, die man selber immer weiter nach oben schraubt, sich leider oft nicht entsprechender Wertschätzung erfreuen.

Jüngste Opfer dieser Entwicklung sind mit der Steirerfrucht und der Apfelland GmbH zwei große Apfellogistiker in Steiermark. Deren Insolvenzen unlängst auch für mediales Aufsehen gesorgt haben.

Was ist der USP des österreichischen Apfels?

Dann aber haben uns die beiden Auskunft gegeben auf unsere Fragen. Diese kreisten vor allem um zwei Themenkomplexe:

 

Fazit: Qualitätsansprüche werden nicht gedrosselt

Was mir besonders hängen geblieben ist, ist die Leidenschaft für den Apfel, den „König“ unter den Früchten, der bei beiden so glaubwürdig rüber kommt. Und trotz der äußerst prekären Situation – oder gerade deswegen – dieses uneingeschränkte Bekenntnis weiter in Qualität zu investieren, auch wenn die natürlich was kostet: „Unser Ziel muss es sein, unseren Apfel noch hundertmal besser zu machen als er jetzt ist“ bringt der Geschäftsführer sein Credo auf den Punkt.

 

Unser Apfel muss noch hundertmal besser werden!

 

Nachher dann beim gemeinsamen Mittagsessen kommen wir auf die mythologische Dimension des Apfels zu sprechen. Ein spezielles Steckenpferd unserer Gäste. 

Das inspiriert mich zu dieser Geschichte.

 

Was ist deine Meinung dazu?

Kannst du als Konsument da irgendwas tun?

Braucht Österreich überhaupt Apfelbauern?