Die "Nur noch schnell die Welt retten" -Diät

08.02.2019 / Essen & Gesundheit

Wohlstandserkrankungen entgegenwirken, Hunger stillen, die Umwelt schützen und den Planeten retten. Unlängst machte eine internationale Forschungsarbeit die Runde, in der eine Ernährungsform beschrieben wird, die das alles möglich machen soll. Das Konzept heißt „Planetary Health Diet“ (planetarische Gesundheitsdiät) und möchte die gesamte Welt „auf Diät setzen“. 

 

Das internationale und interdisziplinäre Forschungsprojekt, bestehend aus einem 37-köpfigen Team aus 16 Ländern, das sich die EAT-Lancet-Kommission nennt und ihre 2-jährige Arbeit in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht hat, präsentiert einen grammgenauen Speiseplan für die ganze Welt. Er soll einerseits den Bedürfnissen der bis im Jahr 2050 auf 10 Milliarden Menschen anwachsenden Weltbevölkerung entsprechen, indem sich alle nicht nur ausreichend, sondern auch gesund, nachhaltig und ressourcenschonend ernähren können und frühzeitige Tode durch ernährungsbedingte Krankheiten verhindert werden. Andererseits soll der Planet dadurch gesund werden bzw. bleiben. Ganz nach dem Motto: Was für den Menschen schlecht ist, ist auch schlecht für die Umwelt und umgekehrt. „Ohne Handlung werden die Klima-Ziele von Paris nicht erreicht werden können. Die nächsten Generationen werden einen zerstörten Planten erben und die Bevölkerung wird an Mangelernährung und vermeidbaren Krankheiten leiden“, so die einleitenden Worte des Ergebnisberichts. Voraussetzung dafür sei die Einhaltung des Tagesspeiseplans, der wie folgt aussieht:

  • 300 Gramm Gemüse: z.B. 1 Schüssel Beilagensalat und 1 Beilagenportion Gemüse
  • 300 Gramm Obst: z.B. 2 Stk. mittelgroße Äpfel
  • 250 Gramm Milch- und Milchprodukte: z.B. 1 Becher Joghurt und 2-3 Scheiben Käse
  • 232 Gramm Getreide: z.B. 2 Scheiben Brot und 1 Portion Nudeln
  • 75 Gramm Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen
  • 50 Gramm Kartoffeln bzw. andere stärkehaltiges Gemüse wie Yams oder Cassava: das entspricht weniger als 1 Stück
  • 50 Gramm Nüsse bzw. 2 Hand voll
  • 43 g Fleisch (29 Gramm Geflügel und 14 Gramm Rind oder Schwein)
  • 28 Gramm Fisch
  • 13 Gramm Eier: das ist ca. 1/5 eines ganzen Hühnereis
  • 40 Gramm Pflanzenöle bzw. 4 Esslöffel
  • 31 Gramm Zucker bzw. 6 Teelöffel 

 

Das ergibt 2500 Kalorien pro Tag. 

Wie schwer wiegt was fürs Klima?

 

Der durchschnittliche Österreicher müsste dafür ordentlich seine täglichen Essgewohnheiten ändern: Ein Schnitzel oder Filet hat im Schnitt 150 bis 200 Gramm, da geht sich nur mehr maximal 2 mal pro Woche eine Fleischmahlzeit aus. Also ein Drittel von dem, was aktuell an Fleisch verzehrt wird. Zudem weniger Eier, Milchprodukte, Kartoffeln, Zucker und dafür doppelt so viel Obst und Nüsse sowie mehr Hülsenfrüchte, Gemüse, Pflanzenöle.

Das eine oder andere klingt daran gar nicht so verkehrt und vieles davon predigen Ernährungsgesellschaften ohnehin seit Langen. Mehr von der Pflanze, weniger vom Tier – das ist nichts Neues und das wäre sogar ganz leicht umsetzbar.

Die Forscher betonen, dass dieser Speiseplan keine pauschale Gültigkeit hat, sondern je nach Land und individuellen Essgewohnheiten abweichen darf. Anders ginge es ja auch gar nicht: Während in asiatischen Ländern viel mehr Fisch gegessen wird, ist der Konsum von stärkehaltigem Gemüse in afrikanischen Ländern so hoch wie sonst nirgends. Und hier eine Änderung erzwingen zu wollen ist wohl weder umsetzbar noch sinnvoll. Die Theorie der „Planetary Health Diet“, dieser Masterplan, wirkt auf mich somit also eher wie ein starres Modell, wo sich mir einmal mehr die Fragen stellen: Wie kann man die Ernährungsgewohnheiten jenes Teils der Weltbevölkerung verändern, der nach Wohlstand und Konsum strebt? Und wie kann man den anderen Teil der Weltbevölkerung versorgen, der zu wenig und ein zu einseitiges Nahrungsangebot hat und zudem möglicherweise noch mit politischen Unruhen, Klimaveränderungen oder sonstigen Schwierigkeiten zu tun hat?

 

Kann man damit die Ernährungsgewohnheiten jenes Teils der Weltbevölkerung verändern, der nach Wohlstand und Konsum strebt? Und wie kann man den anderen Teil der Weltbevölkerung versorgen, der zu wenig und ein zu einseitiges Nahrungsangebot hat?

Die Forscher haben sich mithilfe von 5 Strategien überlegt, wie man diese „WIE“ beantworten kann:

1)       Inter- und nationale Maßnahmen für eine gesunde und nachhaltige Ernährung 

2)       Landwirtschaftliche Prioritäten sollen neu ausgerichtet werden, im Sinne von Qualität vor Quantität

3)       Förderung nachhaltig landwirtschaftlicher Praktiken

4)       Besseres Management der Land- und Meeresressourcen

5)       Verstärkte Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen 

 

Auch diese Forderungen sind von diversen Umweltorganisationen bekannt. Lediglich ihre enge Verknüpfung mit der Auswirkung auf die menschliche Gesundheit ist eher neu.

Hinter der „Planetary Health Diet“ steht ein holistischer Ansatz. Damit sie nicht zu einem kurzfristigen Food-Trend verkommt, wollen die Autoren die Ergebnisse nun Regierungen auf der ganzen Welt sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) präsentieren. In der Zwischenzeit können wir uns schon auf die ersten dazu abstimmten Kochbücher gefasst machen und uns eine kleine Waage für die Handtasche besorgen.